Goldman Sachs und Morgan Stanley jetzt normale Banken
publiziert: Montag, 22. Sep 2008 / 07:36 Uhr / aktualisiert: Montag, 22. Sep 2008 / 13:26 Uhr

New York - Historischer Wandel an der Wall Street: Unter dem Druck der Kreditkrise geben die zwei letzten verbliebenen US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley ihren rechtlichen Sonderstatus auf und werden zu gewöhnlichen Geschäftsbanken.

Goldman Sachs muss sich demnächst an Regeln halten. Bild: Goldman Sachs Tower in New York.
Goldman Sachs muss sich demnächst an Regeln halten. Bild: Goldman Sachs Tower in New York.
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Das gab die US-Notenbank Federal Reserve am Sonntagabend (Ortszeit) in New York bekannt. Die beiden Banken erhalten überdies in der Übergangsphase zusätzliche Notenbankkredite. Dies verschafft ihnen angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten etwas Luft.

Die Finanzkrise beendet damit die Geschichte der grossen unabhängigen Investmentbanken der Wall Street in ihrer bisherigen Form. Zu Jahresbeginn gab es noch fünf von ihnen.

Investmentbanken sind Spezialisten für lukrative Wertpapiergeschäfte aller Art sowie für Fusionen und Übernahmen von Firmen. Unter hohen Risiken erzielten sie oft enorme Gewinne, mit der Kreditkrise stürzten sie in grosse Schwierigkeiten, die meisten erlitten Milliardenverluste.

Unter stärkerer Kontrolle

Der bisherige Branchenführer Goldman Sachs und die Nummer zwei Morgan Stanley unterliegen künftig den Kontrollen, Regeln und Kapitalanforderungen, die auch für andere Banken gelten.

Bisher genossen sie weitgehende Freiheiten und konnten grössere Risiken eingehen, weil sie keine Geschäfte für Jedermann wie etwa Girokonten anbieten.

Die fünftgrösste Investmentbank Bear Stearns hatte im März ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen. Lehman Brothers als Nummer vier meldete am vergangenen Montag Insolvenz an und die bisher drittgrösste Investmentbank Merrill Lynch rettete sich durch eine Übernahme in die Arme der Bank of America.

Aktien wieder gestiegen

Angesichts der Schwierigkeiten durch die Finanzkrise waren auch Goldman Sachs und Morgan Stanley zuletzt immer mehr unter Druck geraten.

Die Aussicht auf das geplante Mega-Rettungspaket der US- Regierung liess ihre drastisch gefallenen Aktienkurse allerdings Ende vergangener Woche wieder steigen. Morgan Stanley begann wegen der Notlage bereits Fusionsgespräche mit der US-Bank Wachovia.

Demokraten stellen Forderungen

Die Demokraten im US-Kongress und Präsidentschaftskandidat Barack Obama übten unterdessen Kritik an der Ausgestaltung des Rettungsplans der Regierung Bush.

Insgesamt 700 Milliarden Dollar will das Finanzministerium bereitstellen, um die Finanzwirtschaft des Landes von faulen Krediten und anderen nicht durchsetzbaren Forderungen zu entlasten.

Die Demokraten verlangen eine effektive Kontrolle der Gelder und fordern eine Rechenschaftspflicht der Regierung, um die Interessen der Steuerzahler zu wahren.

Kein Blankoscheck

Die demokratische Mehrheitsführerin im Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, sagte, der von der Regierung vorgelegte Rettungsplan für die Banken habe nicht genug Sicherungen. Nötig seien eine unabhängige Kontrolle, ein Schutz für Hausbesitzer und Grenzen bei den Zahlungen für Bankenmanager.

Bisher habe die Regierung nur ein Konzept mit einem «erschütternden Preisschild» vorgelegt «und keinen Plan», sagte Obama. Es dürfe für die Regierung keinen «Blankoscheck» geben.

(fest/sda)

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