Globalisierte Wirtschaft ohne Zentrum
publiziert: Samstag, 17. Mai 2008 / 21:38 Uhr

St. Gallen - Der Schlüssel zur Versöhnung der vermeintlichen Gegensätze zwischen globalem Kapitalismus und lokalen Werten ist bei der Bildung zu suchen.

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Will den Franzosen Wirtschaft beibringen: Christine Lagarde.
Will den Franzosen Wirtschaft beibringen: Christine Lagarde.
Dieser Ansicht ist Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde.

Die Globalisierung kenne heute kein Zentrum mehr, konstatierte Lagarde am Samstag am 38. St. Gallen Symposium - im Unterschied zu früheren Zeiten, als zumeist Städte wie beispielsweise Antwerpen, Genua oder New York die Zentren einer globalisierten Wirtschaft gewesen seien.

Heute habe die Weltwirtschaft ihr Zentrum verloren. Produkte müssten mit dem Label «Made in the world» versehen werden, sagte Lagarde. Das sei für viele Menschen nicht nachvollziehbar. Daher sei die fortschreitende Globalisierung begleitet von der Suche nach lokalen Werten.

Gegen Ignoranz

Hier müsse der Staat ansetzen: mit dem Versuch, eine Brücke zwischen der globalisierten Wirtschaft und den einzelnen Menschen zu schaffen. Sonst zögen sich letzere in ihre Schneckenhäuser zurück, weil sie Angst hätten.

Weil Unwissenheit und Ignoranz «die Mutter aller Ängste» seien, müsse der Staat Bildung und Mobilität fördern. Als gutes Beispiel nannte Lagarde in diesem Zusammenhang die EU-Austauschprogramme «Erasmus» und «Leonardo da Vinci» für Studenten und Lehrlinge.

Für Wettbewerb

Menschen, aber auch Unternehmungen, müssten wettbewerbsfähiger gemacht werden, sagte Lagarde und verwies auf das Gesetz zur Modernisierung der Wirtschaft, das Ende Mai im französischen Parlament behandelt wird. Ziel sei es, Barrieren abzubauen un den Wettbewerb zu fördern.

Für Lagarde ist klar, dass die französische Wirtschaft wettbewerbsfähiger werden muss. Doch die in dem Gesetz vorgeschlagenen strukturellen Reformen, die namentlich auf den Abbau von der Überregulierung im Detailhandel zielen, sind selbst in der regierenden konservativen Partei UMP umstritten.

800 Teilnehmende

Das 38. St. Gallen Symposium, das am Samstag zu Ende ging, war dem Verhältnis zwischen globalem Kapitalismus und lokalen Werten («Global Capitalism - Local Values») gewidmet.

Während dreier Tage beschäftigten sich rund 600 Wirtschaftsführer und Politiker sowie 200 Studierende aus aller Welt mit diesem Thema.

(ht/sda)

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