Gewerkschaft Unia sieht sich von Migros behindert
publiziert: Donnerstag, 17. Okt 2002 / 16:44 Uhr

Bern - Detailhandelsketten hindern ihre Angestellten immer häufiger daran, ihre Arbeitnehmerrechte wahrnehmen zu können: Diesen Vorwurf erhebt die Dienstleistungsgewerkschaft unia. An den Pranger stellt sie die Migros.

Unia-Co-Präsident Andreas Rieger nannte an einer Medienkonferenz in Bern mehrere Beispiele: In der Waadt wolle die Migros den Kontakt zwischen ihren Angestellten und den unia-Vertretern innerhalb des Betriebes verhindern.

Angestellte hätten nicht das Recht, sich bei einem Gespräch mit dem Arbeitgeber von ihrem unia-Vertreter begleiten zu lassen. Vertragspartnerin der Migros ist allerdings nicht die unia, sondern die Gewerkschaft VHTL.

In der Nordwestschweiz sei die Gewerkschaft beim Verteilen von Flugblättern gehindert worden und habe sogar ein Hausverbot erhalten. Eine inzwischen pensionierte Mitarbeiterin der Migros Basel sagte an der Medienkonferenz, ihr sei selbst in Pausen verboten worden, sich mit anderen Gewerkschafterinnen über Fragen wie Mitspracherechte bei der Planung von Freitagen zu besprechen.

Die unia fordert die Migros auf, diese skandalöse Verletzung der Informations- und Koalitionsfreiheiten mit klaren, landesweit gültigen Direktiven zu beenden. Ansonsten werde die Gewerkschaft rechtlich gegen den grössten Detailhändler der Schweiz vorgehen, sagte Rieger.

Migros-Sprecherin Monica Glisenti sagte auf Anfrage, der Detailhändler dulde während der Arbeitszeit und in den Filialen keine gewerkschaftlichen Aktivitäten. Daran habe sich die unia mehrfach nicht gehalten.

Für die unia ist die rechtliche Lage aber anders. Die Bundesverfassung schreibe das Grundrecht der Koalitions- und Informationsfreiheit fest. Dies erlaube den Gewerkschaften einen freien Zugang zu einem Betrieb zu Informations- und Werbezwecken, sofern Arbeitsabläufe und Kunden nicht behindert würden.

(sda)

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