Gastronomie profitierte kaum vom Fussballfest
publiziert: Mittwoch, 9. Jul 2008 / 11:50 Uhr

Bern - Die Erwartungen an die EURO 2008 waren allseits hoch - auch bei den Schweizer Wirten. Die Bilanz nach dem Turnier fällt allerdings enttäuschend aus. Der Basler Wirteverband spricht gar von einem Nullsummenspiel.

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Gegessen wurden eher die eigenen Fingernägel als Entrecôte: Das lag aber nicht nur am Abschneiden der Schweizer Nati.
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In der Innenstadt top, in den Quartieren flop. So lässt sich die Bilanz des Wirteverbands Basel-Stadt zusammenfassen, die auf mehr als 30 befragten Betrieben basiert.

«Schnellverpflegungsbetriebe und Beizen in der Innenstadt sind die grössten Gewinner der EURO 2008», sagt Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA.

Diese Lokale hätten an gut frequentierten Lagen 20 bis 40 Prozent mehr verkauft. Vor allem an Spieltagen sei dort das Geschäft hervorragend gelaufen. «Absolutes Highlight war der Viertelfinal von Holland», sagte Ebneter. Mehrere Beizen erzielten Tagesrekorde.

Quartiere im Schatten

Im Schatten der EURO 2008 lagen die Restaurants in den Quartieren. Die meisten büssten 15 bis 30 Prozent des Umsatzes ein. Einzelne mussten gar einen Rückgang um 50 Prozent hinnehmen.

Ebneter räumt allerdings ein, dass dies nicht zwingend mit dem Austragungsort Basel zusammenhänge. «Bereits vor zwei Jahren während der Weltmeisterschaft in Deutschland haben wir das Gleiche beobachtet.» Die Bevölkerung bevorzuge es, wichtige Fussballspiele zu verfolgen anstatt auswärts essen zu gehen.

Auch in der Innenstadt gab es allerdings Verlierer. Bediente Speiserestaurants verdienten laut Ebneter im Schnitt 10 bis 15 Prozent weniger. Die einheimische Kundschaft wollte sich den Weg in die Innenstadt nicht antun und ass lieber gleich zu Hause. Die Fans ihrerseits zogen Wurst und Bier einem Entrecôte mit einem Glas Wein vor.

In der Gesamtbilanz hätten etwa 600 der 800 Betriebe gelitten. Nur 200 hätten von der EURO 2008 profitieren können, zieht Ebneter Bilanz.

«Konnte tun, was man wollte»

Ähnliche Eindrücke vermittelt der Präsident von Gastro Zürich, Ernst Bachmann. Bei Gastronomiebetrieben in den Fanzonen und beim Stadion klingelten die Kassen. Dagegen seien in den Quartieren die Lokale am Abend leer gewesen. «Die Leute zog es in die Fanzonen der Innenstadt», erklärt Bachmann.

«In den Aussenquartieren konnte man machen, was man wollte: Die Fans blieben im Zentrum.» Die Restaurants in den Aussenquartieren hätten einzig versuchen können, die Stammkundschaft zu halten. Von zusätzlichen Gästen habe keine Rede sein können.

Bachmann will allerdings nicht so weit gehen, von einem Nullsummenspiel zu sprechen. Es sei noch zu früh, um das festzustellen.

Stammkundschaft blieb aus

Der Sekretär von Gastro Bern, Jean-Daniel Martz, weist ebenfalls auf den Verdrängungseffekt hin. Die Stammkundschaft habe sich während des Turniers zurückgezogen. Dafür hätten die zahlreichen holländischen Anhänger die Beizer erfreut.

«Es gab sicherlich auch eine Verlagerung von Restaurants zu Take-Aways», sagt Martz. Viele Fans hätten es vorgezogen, sich über die Gasse zu verpflegen. Insgesamt rechnet Martz mit steigenden Umsätzen wegen der Europameisterschaft. Um genaueres zu sagen, sei es aber noch zu früh.

(Roger Braun/sda)

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