Gaddafi-Affäre: Erdöl aus Zentralasien statt Libyen
publiziert: Sonntag, 13. Sep 2009 / 16:16 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 13. Sep 2009 / 17:55 Uhr

Die diplomatische Krise mit Libyen dauert an - und trifft Schweizer Unternehmen unterschiedlich. Während das Pharmaunternehmen Roche von gewöhnlichen Geschäften spricht, muss sich Novartis Handelsbeschränkungen beugen.

Libyen ist nicht mehr wichtigster Öl-Lieferant der Schweiz.
Libyen ist nicht mehr wichtigster Öl-Lieferant der Schweiz.
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«Im Moment herrscht ein Einfuhrverbot für Produkte, welche in der Schweiz produziert werden», bestätigt Novartis-Sprecher Michael Schiendorfer am Freitag einen Bericht der Westschweizer Zeitung «Le temps». Darunter hätten «primär die Patienten in Libyen zu leiden».

Novartis besitzt im Land keine Niederlassung. Die Produkte werden von einem Agenten vertrieben. Die Pharma-Exporte der Schweiz nach Libyen sind bis Ende Juli um fast 44 Prozent auf noch 28,4 Mio. Fr. eingebrochen, machen aber immer noch mehr als ein Viertel des gesamten Libyen-Exportes aus.

Doch Novartis-Konkurrentin Roche muss von diesem Rückgang offenbar nichts hinnehmen. Sie betreibt das Libyen-Geschäft von Marokko aus. «Business as usual», sagt Konzernsprecher Alexander Klauser auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA zur aktuellen Situation.

«Mit grösster Aufmerksamkeit»

Auch der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist bisher nicht von Beschränkungen betroffen. Das Unternehmen verfolge die Entwicklungen aber «mit grösster Aufmerksamkeit», teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. «Nestlé pflegt Kontakte zu schweizerischen und libyschen Behörden», heisst es weiter.

Die Geschäftsbeziehungen mit Libyen wickelt Nestlé über Ägyten ab. Das Unternehmen verfügt vor Ort aber über ein Büro, das die Verteilung von einigen Produkten - Kindernahrung, Milchpulver, Nescafé und Schokolade - überwacht.

ABB noch immer aktiv

Selbst der Technologiekonzern ABB, von dem ein Mitarbeiter seit Monaten nicht aus Libyen ausreisen darf, stellt geschäftlich keinerlei Einbussen fest.

Das Unternehmen liefert vor allem Ausrüstungsgegenstände für das Stromnetz und generiert damit Umsätze im «zweistelligen Millionen-Betrag», wie Sprecher Thomas Schmidt sagt. Verglichen mit einem Jahresumsatz von 35 Mrd. Dollar ist Libyen damit ein kleiner Fisch.

Trotzdem: Berater haben dem Unternehmen zu Beginn der Affäre - im Juli 2008 - geraten, sich nicht vom libyschen Markt zurückzuziehen. Zu den Gründen, die zu diesem Ratschlag führten, gibt ABB keine Auskunft.

Welche Unternehmen mit welchen Produkten warum von Boykotten betroffen sind, ist kaum auf einen Nenner zu bringen. Manches ist wohl Sache der Produktionsstruktur und der Firmenkonstrukte. Und bei Dritten wiederum bleiben die Bestellungen wie zufälligerweise aus.

So ist es jedenfalls dem Bierbrauer Feldschlösschen ergangen, der bis vor kurzem in unregelmässigen Abständen ein alkoholfreies Bier an einen libyschen Getränkehändler lieferte. Dieser bestellt nun nicht mehr. «Wir kennen die Hintergründe hierfür aber nicht», betont Sprecher Markus Werner.

Exporte eingebrochen

Eine deutlichere Sprache sprechen die Statistiken. Bis Ende Juli dieses Jahren hat die Schweiz für nur noch 97 Mio. Fr. nach Libyen exportiert. Im gesamten Geschäftsjahr 2008 waren es 282,3 Mio. Franken. Vergleicht man die ersten beiden Semester der Jahre 2008 und 2009, stellt man einen Einbruch fest von fast 50 Prozent. Am meisten geliefert wurden Maschinen.

Die Schweiz importierte vor allem Öl. 325 Mio. Fr. gingen bis Ende Juli auf das Konto von Energieträgern, der Wert aller Importe lag mit knapp 326 Mio. Fr. minim höher. Doch liegt auch dieser um über 85 Prozent tiefer als in der vergleichbaren Vorjahreszeit.

Die Schweiz setzt als Alternative beim Öl nun auf Kasachstan und Aserbaidschan. Zum ersten Mal seit 2005 ist Libyen nicht mehr wichtigster Lieferant. Der Anteil Libyens am Schweizer Gesamthandel machte Ende Juli noch 0,2 Prozent aus. Im Jahr 2008 waren es 0,87 Prozent.

(Lucia Theiler/sda)

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