Einfachere Modelle
Finma gegen Wirrwarr bei Kapitalquoten
publiziert: Dienstag, 31. Mrz 2015 / 12:42 Uhr
Unter Branson hat die Finma eine härtere Gangart eingeschlagen.
Unter Branson hat die Finma eine härtere Gangart eingeschlagen.

Bern - Die Finma pocht bei den Kapitalquoten von Banken und Versicherungen auf einfachere Modelle. Dies soll dem Anreiz entgegenwirken, mit internen Modellen Risiken klein zu rechnen, um weniger Kapital hinterlegen zu müssen.

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Mark Branson, Direktor der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zeigte sich an der Jahresmedienkonferenz der Behörde vom Dienstag in Bern überzeugt, «dass wir weltweit die Limiten der Modellierung von Finanzrisiken getestet und die Grenzen aufgezeigt bekommen haben».

Finanzmärkte seien durch menschliches Verhalten getrieben und nicht präzis wie Naturwissenschaften. Noch mehr und noch komplexere Modelle schienen daher nicht die Lösung zu sein, sondern «weniger und einfachere Modelle».

Um eine angemessene Kapitalisierung sicherzustellen, hat die Finma für verschiedene Portfolios institutsspezifische Multiplikatoren eingeführt. Dabei werden interne Risikoberechnungen mit einem Faktor multipliziert, um die erforderliche Kapitalunterlegung zu erhöhen. Solche Multiplikatoren gelten neu bei Renditeliegenschaften und gewissen Unternehmenskrediten im Investment Banking.

Weiter werden Modelländerungen, die zu materiell tieferen Risikogewichten führen, vorläufig nicht mehr genehmigt. Und Banken müssen die Unterschiede zwischen den Berechnungen nach Standardansatz und ihren internen Modellen nun offenlegen. Ausserdem arbeite der Basler Ausschuss daran, Untergrenzen für Risikogewichte einzuführen, damit die Kapitalanforderungen nicht zu tief ausfallen.

Höhere Leverage Ratio

Komplementär zu risikogewichteten Kapitalquoten gewinne die ungewichtete Quote für die Höchstverschuldung, die so genannte Leverage Ratio, als Mass für die finanzielle Stabilität einer Bank an Bedeutung, hielt Branson fest.

Dabei hätten unter anderem die USA und Grossbritannien letztes Jahr höhere Anforderungen angekündigt. Die USA gingen auf 5 bis 6 Prozent. Die Schweizer Vorgaben liegen nur bei knapp über 3 Prozent, wie Branson sagte. Die Finma unterstütze die Stossrichtung der bundesrätlichen Expertengruppe Brunetti, wonach die Schweiz international führende Kapitalvorschriften haben solle.

Auch in der Versicherungswirtschaft seien die internen Modelle laufend komplexer geworden. Die Präzision werde dabei aber oft nur scheinbar besser. Die Finma will künftig explizit darauf achten, dass Anwender von Standardmodellen insgesamt keinen kapitalmässigen Nachteil gegenüber Anwendern von internen Modellen haben werden.

Mehr Transparenz

Unter Branson hat die Finma eine härtere Gangart eingeschlagen. Im Februar hat sie erstmals einen Bericht zur Durchsetzung des Aufsichtsrechts (Enforcement) veröffentlicht. 2014 wurden 673 Vorabklärungen durchgeführt und 59 Verfahren abgeschlossen.

Bekannt wurden etwa Vorbehalte der Finma gegen die Unternehmensführung beim Krankenversicherer Groupe Mutuel oder die Verhängung eines dreijährigen Berufsverbots für den ehemaligen Chef der Bank Coop wegen Aktienkurs-Manipulationen.

Sowohl der Bundesrat als auch der Internationale Währungsfonds (IWF) drängen die Finma zu mehr Vor-Ort-Prüfungen. 2014 sind laut Angaben an der Jahresmedienkonferenz 122 solcher Kontrollen durchgeführt worden.

(flok/sda)

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