Bundesstrafgericht
Falciani zeigt erneut kalte Schulter
publiziert: Mittwoch, 28. Okt 2015 / 12:34 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 28. Okt 2015 / 17:01 Uhr
Hervé Falciani im Jahr 2012.
Hervé Falciani im Jahr 2012.

Divonne-les-Bains - Der ehemalige HSBC-Mitarbeiter und mutmassliche Bankdatendieb Hervé Falciani wird am kommenden Montag erneut nicht zum Prozess am Bundesstrafgericht in Bellinzona erscheinen. Dies sagte er auf einer Medienkonferenz am Mittwoch im französischen Divonne-les-Bains.

7 Meldungen im Zusammenhang
Falciani war bereits beim Auftakt am 12. Oktober nicht in Bellinzona anwesend - der Prozess wurde daraufhin auf den 2. November vertagt.

Er sei sich bewusst darüber, dass er mit einer milderen Strafe rechnen könne, wenn er vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona erscheine, sagte der französisch-italienische Doppelbürger am Mittwoch. Er sprach mit zahlreichen Schweizer Journalisten im französischen Divonne zum Thema Investigativjournalismus.

Falciani sei ein sogenannter "Passierschein" angeboten worden, mit dem er zum Prozess in die Schweiz hätte reisen können, ohne festgenommen zu werden, sagte der Richter zum Prozessauftakt am Bundesstrafgericht.

Diesen einfachen Weg wolle er aber nicht gehen, sagte Falciani. "Dieser Prozess ist von einer Bank angestrengt worden, die Geld auf den Tisch gelegt hat, so dass nicht über sie geurteilt wird", sagte Falciani.

Untersuchung gegen Bank eingestellt

Öffentlich wurde der Fall im Zuge der "Swissleaks"-Affäre. Journalisten des internationalen Recherchenetzwerks ICIJ enthüllten auf der Basis von Falcianis Daten Geschäftspraktiken der Schweizer Tochter der HSBC. Der Bank wurde vorgeworfen, Wohlhabenden aus aller Welt bei Steuerhinterziehung und Geldwäscherei geholfen zu haben.

Die Strafuntersuchung gegen die HSBC Genf wegen qualifizierter Geldwäscherei wurde nur wenige Monate nach der Eröffnung eingestellt. Die Bank zahlte im Rahmen einer Vereinbarung zur Beilegung der Sache 40 Millionen Franken an den Kanton Genf.

Whistleblower oder Bankdatendieb

Dem ehemaligen IT-Mitarbeiter wird in der Anklageschrift des Bundesstrafgerichts wirtschaftlicher Nachrichtendienst, unbefugte Datenbeschaffung, Verletzung des Fabrikations- und Geschäftsgeheimnisses und die Verletzung des Bankgeheimnisses vorgeworfen. Einige Länder würden seinen Fall jedoch anders bewerten, darunter Spanien, sagte Falciani. Er räumte jedoch am Mittwoch ein, gewisse Regeln nicht respektiert zu haben.

Für die einen gilt Falciani als Whistleblower, der einen flächendeckenden Steuerbetrug aufdeckte, andere sehen in ihm einen Dieb, der die Kundendaten der Bank HSBC weiterverkaufte. Falciani gestand sein zwiespältiges Verhalten am Mittwoch ein: "Es ist ein Kampf, wir sind doch alle nicht naiv".

Ende 2006 soll Falciani gemäss Anklageschrift Informationen zu 75 Prozent der bei der HSBC eröffneten Konten gestohlen haben. Die Daten soll er anderen Instituten, aber auch ausländischen Behörden angeboten haben. Falciani soll deutsche, englische, italienische, spanische und französische Behörden anvisiert haben.

Falciani lehnt Prozess ab

"In der Schweiz fehlen meiner Ansicht nach die Voraussetzungen für einen fairen und ausgeglichenen Prozess", so Falciani. Es handle sich nur um eine "Arena", in der es darum gehe den "Schein" zu wahren.

Er sei jedoch bereit, sich vor einer Einrichtung wie dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu verantworten, räumte der ehemalige HSBC-Mitarbeiter ein. Sein Kampf habe sich nicht gegen das Schweizer Bankgeheimnis an sich gerichtet, sagte der 43-Jährige. Ihm sei es vor allem darum gegangen, den Mangel an Transparenz aufzudecken.

Keine Auslieferung durch Spanien

Falciani floh nach einer Befragung durch die Justiz im Jahr 2008 ins Ausland. 2009 wurde er international zur Verhaftung ausgeschrieben und im Sommer 2012 in Barcelona festgenommen.

Dort verbrachte er mehrere Monate in Auslieferungshaft. Im Mai 2013 entschied der spanische Gerichtshof schliesslich, Falciani nicht an die Schweiz auszuliefern.

(jz/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bellinzona - Sein Stuhl blieb ... mehr lesen
Herve Falciani wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.
Die Bundesanwaltschaft fordert eine sechsjährige Haftstrafe für Falciani.
Bellinzona - Die Bundesanwaltschaft fordert für den mutmasslichen Datendieb Hervé Falciani eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Die Verteidigung dagegen plädierte für eine ... mehr lesen
Bellinzona - Am Montag ist am Bundesstrafgericht der Stuhl des Angeklagten Hervé Falciani erneut leer geblieben. Der Prozess gegen den mutmasslichen Datendieb begann im zweiten Anlauf holprig, eine Befragung der Zeugen findet erst am Dienstag statt. mehr lesen 
Bellinzona - Der Falciani-Prozess ist am Montagmorgen kurz nach dem Auftakt auf den 2. November vertagt worden. Der angeklagte ehemalige HSBC-Mitarbeiter Hervé Falciani war erwartungsgemäss nicht vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona erschienen. mehr lesen 
Am 12. Oktober müsste der italienisch-französische Doppelbürger Hervé Falciani vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona erscheinen. Über seinen Anwalt liess der 43-Jährige jedoch verlauten, dass er nicht erscheinen werde. Ihm wird vorgeworfen den grössten Bankdatendiebstahl aller Zeiten getätigt zu haben. Diese Doku zeigt, welch politisches Erdbeben der Fall Falciani ausgelöst hat. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bellinzona - Der flüchtige mutmassliche Bankdatendieb Hervé Falciani muss sich nach Informationen der «Neuen Zürcher Zeitung» ab dem 12. Oktober vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. mehr lesen 
Madrid - Die spanische Linkspartei Podemos und Hervé Falciani, der mit gestohlenen Schweizer Bankdaten etliche Steuerbetrüger auffliegen liess, arbeiten zusammen. Falciani erarbeite für Podemos ein Papier über Massnahmen im Kampf gegen Steuerbetrug, kündigten Podemos-Vertreter am Montag an. mehr lesen 
Es geht in erster Linie darum, im Inland einen automatischen Informationsaustausch (AIA) in Steuersachen zu verhindern.
Es geht in erster Linie darum, im Inland einen automatischen ...
«Ja zum Schutz der Privatsphäre»  Bern - Die Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) hat einen direkten Gegenentwurf zur Volksinitiative «Ja zum Schutz der Privatsphäre» verabschiedet. Dieser will, gleich wie die Initianten, das Bankgeheimnis in der Verfassung verankern. mehr lesen 
Etschmayer Im Juni kommt das kommunistisch-anarchische Projekt des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) zur Abstimmung. Eine Vorlage, die bei einer Annahme die ... mehr lesen  
Für Schwarzarbeit Beraterrechnung von den Cayman-Islands: Die BBF macht es möglich!
Zu langsam?  Bern - Der scheidende Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Patrick Odier, sieht den Bankensektor nach den seit 2008 eingeleiteten Neuerungen gut aufgestellt. Zugleich beklagt er die Langsamkeit des Gesetzgebungsprozesses, um Reformen umzusetzen. mehr lesen  
Juan Carlos Varela, Präsident Panama, verspricht Transparenz.
Spätestens ab 2018  Tokio - Panama will seinen Ruf als Steueroase abstreifen und sich spätestens ab 2018 am ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Energie sparen, Elektroauto
Startup News So spart man mit dem Elektroauto Die Anschaffung eines Elektroautos mag sich für manche immer noch ein wenig futuristisch anhören, sind sie ja tatsächlich in der Form, wie wir sie heute kennen, erst ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
News
         
Auto auf Schnellstrasse
Publinews so profitiert auch Autoteilhändler Autodoc vom Boom  Für die Autodoc GmbH liefen die letzten Geschäftsjahre gut - alleine 2016 verzeichnete das Berliner Unternehmen einen Gesamtumsatz von 118,5 Millionen Euro. Das ... mehr lesen
Team von AquAero beim StartUpForum Aargau
Startup News StartUpForum Aargau  Christoph Müller und Thomas Manyoky, AquAero GmbH, berichten am StartUpForum Aargau über Ihre Erfahrungen als Jungunternehmer ... mehr lesen
Coworking in Solothurn
Startup News Von Adriana Gubler, Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn  Die Forschungs- und Hochschulstandorte sind die grossen Start-up-Motoren der Schweiz. Aber auch im Kanton Solothurn entwickelt sich eine vielfältige ... mehr lesen
Nahaufnahme eines Lochblechs
Publinews Lochblech - was ist das überhaupt?  Lochblech findet inzwischen in vielen verschiedenen Bereichen Einsatz: in der Industrie, in der Architektur und sogar beim Kfz-Tuning. ... mehr lesen
Eine Schutzhaube sorgt dafür, dass nicht versehentlich Haare ins Essen fallen.
Publinews Schutzkleidung - ein absolutes Muss  Berufsbekleidung bedeutet so viel. In bestimmten Berufszweigen dient sie als Erkennungsmerkmal, das auf Tradition begründet ... mehr lesen
Publinews Interview  Als der Unternehmer Peter Baumann die pebe AG gründete, war ein Magnetstreifen auf einem Kontoblatt noch etwas Modernes. Heute beschäftigt uns ... mehr lesen
Das rege Messegeschehen aus der Vogelperspektive.
Publinews SOM & Swiss eBusiness Expo  Am 5. und 6. April trifft sich die Online-Branche in Zürich. Rund 80 Programmpunkte werden eindrucksvoll beweisen, ... mehr lesen
Was sind die Hausaufgaben für Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung?
Publinews Swiss Online Marketing & Swiss eBusiness Expo  Google, Post, Handel Schweiz, VSV, GS1: Am Mittwoch, den 5. April diskutieren Big Player und Marktexperten über das «Schreckgespenst Digitalisierung - ... mehr lesen
saleduck.ch, Luc van der Blij
Publinews Ziel: die teure Schweiz günstiger machen!  Das Affiliate Marketing ist heute ein nicht mehr wegzudenkender Teil eines jeden erfolgreichen e-Commerce Unternehmens. ... mehr lesen
Die Garage wird inzwischen auch gerne als Hobbywerkstatt genutzt.
Publinews Unglaublich, aber wahr: Die Entwicklung macht selbst vor Garagen und Torantrieben keinen Halt. Wer sich früher aufgrund eines geringen Budgets noch mit ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
17.01.2018
MEDIHERBA AG Logo
16.01.2018
kopter Logo
16.01.2018
Swiss Crypto Mining Logo
16.01.2018
15.01.2018
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 4°C 4°C viele Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen trüb und nass
Basel 4°C 6°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass stark bewölkt, Regen
St. Gallen 1°C 2°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen trüb und nass
Bern 2°C 4°C viele Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen trüb und nass
Luzern 4°C 6°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen trüb und nass
Genf 5°C 5°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass stark bewölkt, Regen
Lugano 3°C 8°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten