Analyse des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums
Exodus im Gesundheitswesen
publiziert: Dienstag, 3. Mai 2016 / 13:00 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Mai 2016 / 13:59 Uhr
Damit werden erstmals Zahlen zu Berufsaustritten in verschiedenen Gesundheitsberufen präsentiert.
Damit werden erstmals Zahlen zu Berufsaustritten in verschiedenen Gesundheitsberufen präsentiert.

Bern - Fast jeder dritter Arzt wechselt im Laufe der Karriere den Beruf, die Branche oder gibt die Erwerbstätigkeit auf. Beim Pflegefachpersonal treten gar knapp 50 Prozent aus dem Beruf aus. Das ergibt eine Analyse des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan).

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Damit werden erstmals Zahlen zu Berufsaustritten in verschiedenen Gesundheitsberufen präsentiert, wie das Obsan am Dienstag mitteilte. Die Analyse basiert auf den Daten der Strukturerhebung 2013 des Bundesamts für Statistik, einer Stichprobenerhebung bei rund 200'000 Personen, die in der Schweiz wohnen.

Die Resultate zu den Berufsaustritten zeigten, dass es in der Schweiz ein bedeutendes Potential an Gesundheitsfachkräften gebe, das grundsätzlich in der Gesundheitsversorgung eingesetzt werden könne, schreibt das Obsan.

Keine Zahlen zu Wiedereinsteigern

Allerdings ist bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht geboten: So liefert die Studie keine Angaben, wie viele der ausgetretenen Personen wieder in den Beruf einsteigen.

Bei den Ärzten müsse beachtet werden, dass ein Teil davon schon während ihres Studiums eine Tätigkeit ausserhalb des Gesundheitswesens - etwa in der Pharmaindustrie oder Forschung - anstrebe, heisst es weiter. Nicht zuletzt seien Berufsaustritte bis zu einem bestimmten Ausmass in allen Berufsgruppen ein Phänomen, das weder verhindert werden könne noch sollte.

Dennoch schreibt das Obsan von einem «bedeutenden Anteil» der ausgebildeten Fachkräfte im Gesundheitssektor, die aus dem Beruf aussteigen. Noch am treuesten bleiben ihrem Beruf laut der Studie Zahnärztinnen und -ärzte. Ein Viertel hat den Beruf aufgegeben. Bei den Ärzten sind es 31,8 Prozent, in der Physiotherapie 35 Prozent, bei den Hebammen gar 41,9 Prozent.

Mangelnde Identifikation

Am meisten Austritte gibt es beim Pflegefachpersonal mit 45,9 Prozent. Überdurchschnittlich häufig wechseln diese Berufsleute den Beruf oder hören auf zu arbeiten. Besonders mit zunehmenden Alter hängen Pflegefachpersonen ihren Beruf häufig an den Nagel.

Eine ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Studie des Obsan befragte 4318 Pflegefachpersonen, die den Gesundheitsbereich verlassen haben, nach ihren Gründen.

Als Hauptgründe angegeben wurden mangelnde Identifikation mit dem Pflegeberuf, zu wenig Zeit für das Privatleben, Interesse an einem anderen Beruf, ungenügende Unterstützung durch die Vorgesetzten und der Wunsch, eine Aus- oder Weiterbildung zu machen.

(kjc/sda)

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