Keine rasche Besserung
Ex-Swiss-Chef geht hart ins Gericht mit Zürcher Flughafenpolitik
publiziert: Montag, 25. Jan 2016 / 06:49 Uhr
Hohmeister lässt durchblicken, dass er in Zürich keine rasche Besserung in seinem Sinne erwartet.
Hohmeister lässt durchblicken, dass er in Zürich keine rasche Besserung in seinem Sinne erwartet.

Bern - Nach seinem Abschied aus Zürich kritisiert der ehemalige Swiss-Chef Harry Hohmeister die politischen Zustände um den Flughafen Zürich scharf. Er hielte es für besser, wenn die nationale Politik für wichtige Entscheide - wie die umstrittenen Südstarts - fällen würde.

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Das System am Flughafen funktioniert heute aus Hohmeisters Sicht «kaum mehr», wie er in einem Interview mit den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Der Bund» vom Montag sagte. Das Betriebskonzept - «eine Summe aus Kompromissen» - funktioniere kaum mehr. «Das wird der Kunde nicht mehr lange akzeptieren und schlimmstenfalls nicht mehr über Zürich fliegen.»

Die meisten Einschränkungen würden aber nicht etwa durch den ungelösten Lärmstreit mit Deutschland verursacht, «vielmehr haben sie sich die Schweizer unter dem Titel Lärmgerechtigkeit selbst auferlegt», sagte Hohmeister.

Für einen besseren Betrieb liessen sich deshalb auch in der Schweiz Lösungen finden. Konkret spricht sich Hohmeister für den sogenannten Südstart geradeaus aus. «Am Mittag, wenn die Lärmbelastung auch sonst am höchsten ist und die meisten Menschen am Arbeiten sind, sollte man den Südstart in Betracht ziehen», sagte er.

Berns Angst vor Zürich

Auf die Bemerkung, dass damit in Zürich mehr Leute dem Lärm ausgesetzt wären, sagte er: «Wir investieren Milliarden, damit wir leiser und ökologischer werden, doch das wird in keiner Art und Weise honoriert.» Wenn nichts geschehe, habe das Auswirkungen auf den Standort, der Flughafen werde sich nicht mehr weiterentwickeln.

Hohmeister lässt durchblicken, dass er in Zürich keine rasche Besserung in seinem Sinne erwartet. «Wir haben in Zürich eine Kapazitätsblockade». Er wünscht sich deshalb ein Machtwort auf nationaler Ebene.

Die Kompetenzen rund um die Flughafenkapazitäten sollten laut ihm in Bern liegen - «denn der Flughafen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem der Schweiz». Er vergleicht die Situation mit der Abstimmung um eine zweite Gotthardröhre, über die «auch national und nicht in Uri und im Tessin» abgestimmt werde. Aber: «Bern hat Angst davor, Zürich zu sagen, wo es langgeht.»

Hohmeister war während 11 Jahren Chef der Fluggesellschaft Swiss. Auf Anfang Jahr wechselte er in die Konzernleitung der Muttergesellschaft Lufthansa. Dort ist er zuständig für die Steuerung der Luftverkehrsdrehkreuze der Gruppe in Frankfurt, München, Zürich und Wien.

(cam/sda)

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