Europas Unternehmen kürzen Marketingbudgets
publiziert: Montag, 14. Jul 2008 / 20:20 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Jul 2008 / 21:05 Uhr

London - Nach den USA haben nun auch in Europa zunehmend mehr Unternehmen ihre Marketing- und Werbebudgets gekürzt. Wie der Bellwether Report zeigt, kämpft die britische Marketingbranche derzeit mit dem stärksten Rückgang seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Einzig der Online-Bereich kann bei den Marketingausgaben zulegen.
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Der Bericht über die Entwicklung am Marketingsektor in Grossbritannien erscheint vierteljährlich.

Verantwortlich hierfür ist laut dem Bericht in erster Linie die derzeit vorherrschende schwierige Wirtschaftslage. Diese sorge in Verbindung mit steigenden Kosten und hinter den Erwartungen bleibenden Umsatzzahlen für zunehmend vorsichtiger werdende Budgetkalkulationen in den Marketing- und Werbeabteilungen der Unternehmen.

Einzige Ausnahme in dieser Hinsicht bildet das Internet. Rund 19 Prozent der analysierten Konzerne gaben an, ihr Online-Marketing-Budget seit Beginn des Jahres aufgestockt zu haben.

Zunehmend finanzieller Druck

«Die Unternehmen geraten zunehmend unter finanziellen Druck. Um ihre Gewinnmarge weiterhin gewährleisten zu können, wurden im zweiten Quartal 2008 die Marketingbudgets deutlich gekürzt», stellt Chris Williamson, Autor des Bellwether Reports und Wirtschaftsexperte des britischen Finanzberatungsunternehmens Markit, gegenüber dem Guardian fest.

Wenn sich dieser zu beobachtende Trend auch im restlichen Jahr weiter fortsetzen würde, sei ein Rückgang in punkto Marketingausgaben im Gesamtjahr 2008 zu befürchten.

Derzeitige Stagnationsphase

«Dies wäre der erste Rückgang seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2000», betont Williamson. Besonders betroffen sei der Bereich des Direct Marketing. Laut dem Bericht ist die Zahl derjenigen Unternehmen, die ihre Ausgaben in diesem Sektor in diesem Jahr reduziert haben, mittlerweile doppelt so hoch wie die, die eine Budgetaufstockung durchgeführt haben.

«Auch in Deutschland wirkt sich die negative Stimmung durch Inflationsängste in Form von Budgetkürzungen auf den Werbemarkt aus», erklärt Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft. Dieser befinde sich derzeit in einer Stagnationsphase.

Maximal ein Plus von einem Prozent

«Die aufgewendeten Budgets erreichten in Deutschland 2007 den niedrigsten Anteil am Bruttoinlandsprodukt bislang», ergänzt Nickel. Im Jahr 2007 konnte man zwar noch ein schwaches Plus am deutschen Werbemarkt verzeichnen, für das laufende Jahr gibt sich der Werbeexperte allerdings zurückhaltender.

«Wenn überhaupt, kann die Branche 2008 auf ein Plus von maximal ein Prozent hoffen», meint Nickel. Zentraler Aspekt für die weitere Entwicklung werde auch die Frage sein, wie sich das Werbeinvestitionsverhalten der mittelständischen Unternehmen künftig gestalten wird. «Auch in rezessiven Phasen muss die Werbeflagge hochgehalten werden», betont Nickel.

Plus von fast 40 Prozent

Den zunehmenden Stellenwert des Online-Sektors in der Marketing- und Werbebranche kann Nickel nur bestätigen. «Die Online-Werbung verzeichnete in Deutschland im vergangenen Jahr ein Plus von 39 Prozent. Von insgesamt 411 Mio. Euro, die in diesem Zeitraum für Werbezwecke aufgewendet worden sind, betraf fast die Hälfte den Sektor Internet», schildert Nickel.

Trotz des ordentlichen Zuwachses müsse aber auch gesehen werden, dass der von vielen Experten erwartete Anstieg von 80 Prozent im Online-Bereich ausgeblieben ist. «Online-Werbung hebt zwar die Gesamtdaten der werbewirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, liegt aber gegenwärtig noch bei einem relativ niedrigen Marktanteil von drei Prozent», so Nickel abschliessend.

(tri/pte)

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