PwC-Studie «Power Deals - Annual Review 2005»
Europa als Motor für Energietransaktionen
publiziert: Dienstag, 2. Mai 2006 / 06:53 Uhr

Für die internationale Strom- und Gasbranche ist eine neue Zeit der Megadeals bei Käufen und Verkäufen angebrochen. Das vergangene Jahr war dann auch von Rekorden geprägt. Noch nie gab es so viele und so teure Transaktionen. Selbst die Transaktionssumme einzelner Fusionen und Übernahmen war nie zuvor so gross.

Die Marktliberalisierung in der Schweiz soll 2006 mit dem StromVG die nächste Hürde nehmen.
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Auch die Anzahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar erreichte Rekordniveau. Mit 527 Transaktionen mit einem Gesamtwert von 196 Milliarden US-Dollar und fünf Transaktionen jenseits von zehn Milliarden US-Dollar übertraf das Jahr 2005 das Vorjahr bei weitem. Zu diesem Schluss kommt die Analyse «Power Deals - Annual Review 2005» von PricewaterhouseCoopers (PwC). PwC untersucht darin jährlich alle nationalen und internationalen Fusionen und Übernahmen von Elektrizitäts- und Gasversorgern.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz stand der Verkauf der UBS-Beteiligung an der Motor-Columbus AG (MC) mit der anschliessend geplanten Umformung der Atel-/MC-Gruppe sowie der Zusammenführung mit der EOS Holding und gegebenenfalls der schweizerischen Aktivitäten der Electricité de France im Vordergrund. Gleichzeitig ist eine Zunahme kleiner Transaktionen zu konstatieren. Es ist damit zu rechnen, dass dieser Trend infolge der Diskussionen zur Marktliberalisierung, StromVG, im Jahr 2006 weiter zunehmen wird.

Vorbereitung auf die Liberalisuerung

Die Fusions- und Übernahmeaktivitäten der Strom- und Gasbranche haben den aussergewöhnlichen Impuls aus dem Vorjahr aufgenommen. Energieunternehmen konsolidieren sich und weiten ihre regionale Präsenz aus. Ihr Ziel ist es, nicht-organisches Wachstum in einem begrenzten Markt zu erzielen, der von hohen Brennstoffpreisen und Ängsten um die Versorgungssicherheit geprägt ist. Den «Brennstoff» für die starke Zunahme der Gesamtaktivitäten lieferten im Vorjahr die europäischen Versorger. Durch rasche Konsolidierung in der EU wollen sie sich für das Jahr 2007 wappnen, wenn ihre Kunden durch die bevorstehende Liberalisierung der Märkte die freie Wahl unter den Versorgern haben werden.

Trend zur Konsolidierung im Heimatmarkt

«Diesem Trend folgen auch die Schweizer Überlandwerke, die vor allem im benachbarten Italien und in osteuropäischen La_ndern expandieren“, führt Ralf Schlaepfer, Leiter der Branche Energie und Versorgungsunternehmen, aus. Zwar war der Anstieg der M&A-Aktivitäten in Europa besonders deutlich. Die Gesamtzahl der Fusionen und Übernahmen und ihr Gesamtwert legten aber auch weltweit zu. Dabei ist ein globaler Trend zur Konsolidierung im Heimatmarkt festzustellen. 71 Prozent aller Transaktionen im Jahr 2005 fallen in diese Kategorie. Aber auch globale grenzüberschreitende Aktivitäten wurden registriert.

Gespanntes Warten auf StromVG-Entscheid

«Der Wettlauf im Vorfeld der Öffnung des gesamten Marktes im Jahr 2007 wird der Konsolidierung in Europa einen weiteren Impuls geben», ist Schlaepfer überzeugt. Begrenztes organisches Wachstum und weltweit zunehmender Wettbewerb zwingen die Unternehmen dazu, ihre horizontalen und vertikalen Wachstumsziele zunehmend durch Übernahmen und Fusionen zu erreichen. Die hohen Grosshandelspreise für Strom, Gas und CO2 sind weitere Auslöser für Transaktionen, weil sie den Wert der Anlagen für die Erzeugung nach oben drücken und so die Begründung für hohe Transaktionspreise liefern. «Wir können in Zukunft mit einer stärkeren Integration von Upstream- und Downstream-Aktivitäten und mit weiteren Schachzügen der Megaplayer rechnen», glaubt Schlaepfer. «Der politische Entscheid zum StromVG wird entscheidend für die Geschwindigkeit der Umsetzung künftiger Transaktionen in der Schweiz sein.»

Transaktionen um 15 Prozent gestiegen

Die Anzahl der Transaktionen ist im Jahr 2005 um 15 Prozent auf 527 (2004: 459) gestiegen. Der Gesamtwert lag bei 196 Milliarden US-Dollar (2004: 123 Milliarden US-Dollar) und war damit nahezu fünf Mal grösser als der Wert von 43 Milliarden US-Dollar im Jahr 2003. Wer in das Spitzenfeld der grössten fünf Energieunternehmen vorstossen wollte, musste im Jahr 2005 mindestens zehn Milliarden US-Dollar in die Hand nehmen.

Megadeals dienten der Konsolidierung in Kernmärkten

Alle fünf Megadeals, zusammen 78 Milliarden US-Dollar schwer, waren Konsolidierungsaktivitäten, bei welchen die Unternehmen komplementa_re Portfolios in Kernma_rkten kauften. Im Jahr 2004 durchbrach nur eine Transaktion die Grenze von zehn Milliarden US-Dollar. Die gestiegenen Gaspreise führen zu stärkerem Interesse an Atomstrom, für Clean-Coal-Technologien und Anlagen im Bereich erneuerbarer Energie. Während der Gesamtwert der Transaktionen im Bereich Strom um 80 Prozent zugenommen hat, ging der Wert der Aktivitäten im Gassektor um 20 Prozent zurück. Die Ängste bezüglich Sicherheit der Versorgung geben den Bestrebungen nach Beschaffungsdiversifizierung und Grösse speziell in Europa neuen Auftrieb. In allen Bereichen werden die Preise für Gas und CO2 eine wichtige Rolle bei der Festlegung der ku_nftigen M&A-Strategie spielen.

Wert der Transaktionen steigt um 202 Prozent

Europa war im Strommarkt an 58 Prozent aller Transaktionen weltweit auf Verkäuferseite und bei 44 Prozent auf Käuferseite beteiligt. Der Wert aller Aktivitäten im europäischen Stromsektor stieg um 202 Prozent. Dieser Sprung war bei den reinen Inlandstransaktionen noch deutlicher. Hier hat sich der Wert der europäischen Assets vervierfacht. Das Durchschnittsvolumen bei Übernahmen und Fusionen im europäischen Strom- und Gasmarkt erhöhte sich um 111 Prozent auf 542 Millionen US-Dollar (2004: 258 Millionen US-Dollar).

«Der Verkauf der UBS-Beteiligung an MC mit der nachfolgenden, in einer Konsortialvereinbarung geregelten Neustrukturierung der Atel-/MC-Gruppe und der Zusammenführung mit den Aktivitäten der EOS Holding sowie wahrscheinlich der EDF Bereiche in der Schweiz schlägt auch hierzulande neue Kapitel auf. Dies sowohl betreffend die Komplexität der Transaktion, ihre Grössenordung als auch bezüglich der Auswirkungen auf den Schweizer Markt», stellt Schlaepfer fest.

Versorgungssicherheit und Absatzmöglichkeiten angestrebt

Für das Jahr 2006 rechnen die Energiespezialisten von PwC speziell im Strommarkt mit weiterhin anhaltend hohen Aktivitäten auf dem M&A-Sektor. Europäische Versorger müssen sich mit den Herausforderungen des Wettbewerbs und den hohen Investitionsanforderungen ebenso auseinander setzen wie mit dem Problem der Erschliessung zusätzlicher Einkaufsmöglichkeiten für Brennstoffe. Die Wechselbeziehung zwischen russischen Brennstoffquellen und westeuropäischen Abnehmermärkten lässt entsprechende Schachzüge der Schlüsselunternehmen erwarten, die so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnten: Versorgungssicherheit zum einen und Absatzmöglichkeiten zum anderen.

Aktivitäten im nordamerikanischen Gasmarkt verdoppelt

Nordamerikanische Versorgungsunternehmen sorgten 2005 für einen anhaltend hohen Aktivitätsgrad bei Fusionen und Übernahmen. Die Region vereinigt ein Drittel aller Transaktionen weltweit auf sich. Der Gesamtwert der nordamerikanischen M&A-Transaktionen legte um 5,8 Prozent auf 62 Milliarden US-Dollar zu. Das Gros der Transaktionen wurde im Strombereich abgewickelt. Die Aktivitäten im Gassektor mit Fokus auf Übernahmen und Fusionen im Heimatmarkt haben sich im Jahr 2005 auf 6,4 Milliarden US-Dollar (2004: 3,1 Milliarden US-Dollar) mehr als verdoppelt. Der noch immer stark fragmentierte Markt hat ein weiterhin grosses Konsolidierungspotenzial.

Region Asien-Pazifik verdoppelt Transaktionen

In der Region Asien-Pazifik war das M&A-Klima im vergangenen Jahr anhaltend gut. Der Gesamtwert aller grenzüberschreitenden und inländischen Transaktionen stieg auf 17,2 Milliarden US-Dollar (2004: 15,1 Milliarden, 2003: 6,2 Milliarden US-Dollar). Der Fokus lag jedoch auf inländischen Transaktionen im Elektrizitätssektor, deren Volumen auf 11,3 Milliarden US-Dollar (2004: 4,2 Milliarden US-Dollar) anstieg, die Anzahl der Transaktionen verdoppelte sich. Viele Stromversorger versuchen ihre Gasbedürfnisse für den nächsten Sommer nicht nur durch Verträge, sondern vielfach auch durch M&A-Transaktionen abzudecken. Die Region muss zudem erheblich sowohl in die Produktion als auch in die Netzwerke investieren, um die zukünftig steigende Nachfrage nach Strom decken zu können.

(cs)

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