PwC-Studie «The World in 2050»: «Green Growth Plus» beste Strategie für Klimaschutz
Erderwärmung auf 2 Grad begrenzen
publiziert: Freitag, 10. Nov 2006 / 07:54 Uhr

Der Boom der aufstrebenden Wirtschaftsnationen beschleunigt den Klimawandel. Das globale Wirtschaftswachstum muss jedoch nicht zu Lasten des Klimaschutzes gehen, wie eine neue Studie von PricewaterhouseCoopers aufzeigt.

Steigt die Klimaerwärmung um mehr als zwei Grad an, sind Dürren, Überflutungen und Missernten unausweichlich.
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Laut der PwC-Studie «The World in 2050: Implications of global growth for carbon emissions and climate change policy» könnte die «Green Growth Plus»-Strategie die CO2-Emissionen reduzieren, ohne das langfristige globale Wirtschaftswachstum signifikant zu verringern.

Erwärmung auf 2 Grad begrenzen

Die globale CO2-Konzentration in der Atmosphäre müsste bei 450 ppm stabilisiert werden, um die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen und gravierende Klimaveränderungen zu vermeiden. Von sechs in der PwC-Studie erörterten Strategien zur Senkung der globalen Kohlenstoffemissionen wird dieses Ergebnis einzig von der «Green Growth Plus»-Strategie erreicht. Die ökonomischen Kosten sind vergleichsweise gering. Zu den in der Studie untersuchten Ländern zählen die G7-Staaten (USA, Japan, Deutschland, UK, Frankreich, Italien und Kanada), die E7 (China, Indien, Brasilien, Russland, Mexiko, Indonesien und Türkei) sowie Australien, Spanien und Südkorea. Auch die Schweiz hat noch Handlungs-spielräume, ohne das Wirtschaftswachstum zu beeinträchtigen.

E7-Staaten beschleunigen Klimaerwärmung

Der rasante ökonomische Aufholprozess der E7-Staaten (Emerging Economies) beschleunigt die globale Klimaerwärmung. Ohne eine wirksame Strategie zur Begrenzung der Emissionen droht bis ins Jahr 2050 eine Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre, dies mit gravierenden ökologischen und ökonomischen Folgen für die globale Erwärmung und den dadurch bedingten Klimawandel. Die E7-«Economies» erreichen nach Berechnungen von PwC derzeit nur rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung der G7. Ihr Anteil am globalen CO2-Ausstoss liegt bei 32 Prozent, verglichen mit knapp 39 Prozent für die G7-Staaten. Im Jahr 2050 dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der E7 allerdings um 25 Prozent über dem der G7 liegen. Während der Anteil der etablierten Industriestaaten an den CO2-Emissionen bis dahin auf knapp 24 Prozent sinken sollte, wären die E7 bei einer Fortführung des bisherigen Energieverbrauchs (Ausgangsszenario) für fast 50 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich.

Klimaneutrales Wachstum möglich

Das globale Wirtschaftswachstum muss jedoch nicht notwendigerweise zu Lasten des Klimaschutzes gehen. Die PwC-Studie favorisiert die Übernahme der «Green Growth Plus»-Strategie, die als einzige der sechs untersuchten Strategien zur Senkung der globalen CO2-Emissionen ein anhaltendes gesundes Wirtschaftswachstum zulässt und gleichzeitig die CO2-Konzentration in der Atmosphäre stabilisiert und damit die Erderwärmung auf ein noch hinnehmbares Niveau von 2 Grad Celsius begrenzt. Die «Green Growth Plus»-Strategie setzt auf folgende fünf Massnahmen: 1. einen effizienteren Energieeinsatz, 2, die Substitution fossiler Brennstoffe durch alternative Energiequellen, 3, die Nutzung neuer Technologien zur CO2-Speicherung bereits freigesetzter Emissionen, oder die Vermeidung von Emissionen durch so genannte «Clean-Coal-Technologien»,4. CO2-Steuern sowie 5. ein CO2-Emissionshandelssystem.

Dürren und Missernten verhindern

Im Ergebnis prognostiziert die Studie bei einer konsequenten Umsetzung der «Green Growth Plus»-Strategie für das Jahr 2050 eine Kohlenstoffkonzentration in der Atmosphäre von etwa 450 ppm (Parts per Million). Diese Konzentration läge zwar noch immer über dem aktuellen Wert von 380 ppm, wäre jedoch zur Stabilisierung der Klimaentwicklung voraussichtlich gering genug. Demgegenüber würde die CO2-Konzentration im «Ausgangsszenario» bis ins Jahr 2050 auf rund 550 ppm ansteigen. Damit würde sich das Klima global um voraussichtlich mehr als 2 Grad Celsius erwärmen. Nach Ansicht der meisten Klimaforscher wären damit ein Anstieg des Meeresspiegels, Überflutungen sowie extreme Wetterverhältnisse mit Dürren und Missernten unausweichlich.

Kosten klimafreundlicher Strategien gering

Die Studie zeigt, dass die ökonomischen Kosten der «Green Growth Plus»-Strategie vergleichsweise gering sind: Eine Reduktion der weltweiten CO2-Emissionen um 50 bis 70 Prozent gegenüber dem «Ausgangsszenario» ginge einher mit einer um zwei bis drei Prozent niedrigeren Weltwirtschaftsleistung im Jahr 2050. Unter Einsatz der «Green Growth Plus»-Strategie läge das weltweite BIP damit im Jahr 2050 lediglich leicht unter dem Wert, der sich mit dem «Ausgangsszenario» ergeben würde, bei dem die Energieeffizienz allein auf der Grundlage der Trends der letzten 25 Jahre verbessert wird, dies, ohne die eingesetzten Energieträger zu verändern.

Klima und CO2 in der Schweiz

Die Reduktion der CO2-Emissionen ist auch in der Schweiz eine Herausforderung. Wichtigste Grundlage der schweizerischen Klimapolitik ist das CO2-Gesetz das vorschreibt, die CO2-Emissionen bis ins Jahr 2010 gegenüber dem Stand von 1990 um 10 Prozent zu reduzieren. Zudem sind Teilziele verankert für Brennstoffe (minus 15 Prozent) sowie Treibstoffe (minus 8 Prozent). Markus Nöthiger, Director und Leiter des Sustainability Teams von PwC Schweiz, ergänzt dies wie folgt: «Es braucht vor allem eine starke Reduktion beim CO2, das in der Schweiz für rund 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist. Die Schweizerische Energiepolitik hat ihre Potenziale, die ein Wirtschaftswachstum ohne gleichzeitige Beeinträchtigung des Klimaschutzes ermöglichen, noch nicht ausgeschöpft.»

21 Prozent entfallen auf China und Indien

USA, China und Indien mit besonderer Verantwortung Innerhalb der Wirtschaftsgruppen entfällt auf einzelne Staaten eine besondere Verantwortung für die Begrenzung der CO2-Emissionen. Die USA trugen im Jahr 2004 mit fast 23 Prozent zum globalen Ausstoss bei, auf die übrigen G7-Staaten entfielen zusammen rund 16 Prozent. Innerhalb der E7-Gruppe verursachten China und Indien nahezu 21 Prozent der weltweiten Emissionen, einen Wert, der bei bestehendem Ausgangsszenario bis ins Jahr 2050 auf über 36 Prozent steigen würde. Um das «Green Growth Plus»-Szenario zu erreichen, müssten die G7-Wirtschaftssysteme ihre gegenwärtigen Ausstösse bis ins Jahr 2050 um rund die Hälfte reduzieren, wogegen die E7-Länder ihre Emissionen noch um rund 30 Prozent erhöhen dürften.

Vorbildrolle von den USA erwartet

Diese Erhöhungen würden innerhalb der E7-Länder jedoch beträchtlich variieren. Indien dürfte seine Emissionen, die sich gegenwärtig auf einem tiefen Niveau befinden, mehr als verdoppeln, wohingegen Russland seine Emissionen, die sich auf einem hohen Niveau befinden, nahezu halbieren müsste. Von den schnell wachsenden E7-Volkswirtschaften ist eine Senkung der CO2-Emissionen kaum zu erwarten. Realistischer ist eine Selbstverpflichtung von Staaten wie China und Indien zur Einhaltung von Höchstgrenzen in den nächsten Jahren. Allerdings müssten dazu die grössten westlichen Industriestaaten, insbesondere auch die USA als derzeit grösster Kohlenstoffproduzent, mit gutem Beispiel vorangehen.

G7 müssen Führungsrolle übernehmen

Der Umsetzung einer klimaneutralen Wachstumsstrategie stehen mehr politische Hürden als technologische Hindernisse im Wege: So stösst beispielsweise die höhere Besteuerung CO2-haltiger Energiequellen auch in den Industrieländern auf Widerstand. Gleichzeitig wird der Ausbau der alternativen Energieerzeugung immer schwieriger. Das gilt für Windkraftanlagen an den Küsten genauso wie für Wasserkraftprojekte. Gesellschaftlich umstritten ist der Bau neuer Kernkraftwerke, wobei neben dem Problem der Endlagerung nuklearer Abfälle zunehmend auch Sorgen vor Terroranschlägen und der Weiterverbreitung von waffenfähigem Material eine Rolle spielen. Die G7-Staaten müssen daher gemeinsam mit den reicheren Ländern der OECD beim Klimaschutz die Initiative ergreifen. Das gilt sowohl für die Entwicklung neuer Technologien als auch für die Reduzierung des eigenen CO2-Ausstosses. Innovative Konzepte können auch gegen Interessen von einzelnen Staaten erfolgreich umgesetzt werden, wie beispielsweise die EU mit der Einrichtung des Handelssystems für Emissionsrechte gezeigt hat.

(pd)

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