«Schwerer Zwischenfall» in Frankreich
Ein Hirntoter und vier Verletzte bei Medikamententest
publiziert: Freitag, 15. Jan 2016 / 15:25 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Jan 2016 / 19:34 Uhr

Rennes - Nach heftigen Nebenwirkungen bei einem Medikamententest in Frankreich liegt ein Versuchsteilnehmer hirntot im Spital. Vier weitere Probanden leiden unter neurologischen Beschwerden.

4 Meldungen im Zusammenhang
Wie die französische Regierung und ein behandelnder Arzt am Freitag in Rennes mitteilten, wurden nach der Einnahme des Wirkstoffs gegen Schmerzen insgesamt sechs Menschen ins Spital gebracht. Die Regierung stufte das Unglück als als das schlimmste dieser Art in Frankreich ein.

"Ich kenne keinen vergleichbaren Fall", sagte Gesundheitsministerin Marisol Touraine an einer Medienkonferenz in der bretonischen Hauptstadt Rennes, wo die Verletzten bereits seit mehreren Tagen behandelt werden.

Insgesamt sollten an der Studie 128 gesunde Probanden zwischen 18 und 55 Jahren teilnehmen, von denen 90 den Wirkstoff bereits in verschiedenen Dosen einnahmen. Andere der freiwilligen Testpersonen bekamen ein Placebo.

Welcher Wirkstoff zum Einsatz kam, blieb zunächst unklar. Aus Ermittlerkreisen verlautete, dass mit dem Medikament Schmerzen, aber auch Stimmungsschwankungen wie Angstzustände behandelt werden können. Nachdem es zunächst auch geheissen hatte, der Wirkstoff enthalte Cannabinoide, sagte Gesundheitsministerin Touraine später, dies sei nicht der Fall.

Neurologische Beschwerden

Geklärt ist indes, dass es sich um neurologische Beschwerden handelt, unter denen die Patienten nun leiden. Pierre-Gilles Edan von der behandelnden Klinik in Rennes sagte, bei dem ersten Probanden, der am Sonntag eingeliefert wurde, seien die Ärzte zunächst von einem Schlaganfall ausgegangen.

"Sein Zustand hat sich sehr schnell verschlechtert, heute wurde er für hirntot erklärt." Bei drei weiteren Patienten bestehe die Gefahr bleibender Nervenschäden, sagte Edan, das sei aber noch nicht sicher. Ein weiterer Versuchsteilnehmer hat zwar keine Symptome, ist aber zur Beobachtung im Spital.

Die sechs ins Spital eingelieferten freiwilligen Probanden, Männer im Alter zwischen 28 und 49 Jahren, gehörten zu einer Gruppe, denen das Medikament regelmässig verabreicht wurde. Andere Probanden bekamen eine niedrigere Dosierung.

Es handelte sich um einen Test der sogenannten Phase 1 - dabei wird der Wirkstoff, nachdem er an Tieren getestet wurde, gesunden Menschen verabreicht. In späteren und weitaus umfangreicheren Phasen würde er auch erkrankten Menschen gegeben, um die konkrete Wirkung zu prüfen.

Vorgenommen wurde die Studie bereits seit dem Sommer durch das Forschungszentrum Biotrial für das portugiesische Pharmaunternehmen Bial. Das vom Gesundheitsministerium zugelassene Labor stoppte seine Untersuchungen umgehend, nachdem am vergangenen Sonntag die ersten Beschwerden aufgetreten waren und informierte alle Probanden.

Bial gehört zu den grössten Pharmagruppen Portugals. Der Konzern erklärte am Freitagabend, bei der Untersuchung seien alle "internationalen Praktiken" und geltenden Gesetzesvorgaben beachtet worden. Das Unternehmen zeigte sich bereit, bei den Ermittlungen umfassend zu kooperieren, um die Ursachen für den Zwischenfall zu klären.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung

Die Ermittlungen leitete die Staatsanwaltschaft in Paris wegen "fahrlässiger Körperverletzung" ein. Die Behörden ordneten ausserdem eine Durchsuchung des Labors an. Medikamententests sind in Frankreich ebenso wie anderswo strikt geregelt. Tausende Freiwillige beteiligen sich jährlich an den Studien, darunter viele Studenten, die so ihr Studium finanzieren.

Derlei schlimme Pannen wie nun in Rennes geschehen äusserst selten. In einem vergleichbaren Fall waren 2006 in London sechs Männer nach der Teilnahme an einem Medikamententest auf der Intensivstation gelandet. Getestet wurde damals ein Wirkstoff, der gegen Krankheiten wie Multiple Sklerose, rheumatische Arthritis und verschiedene Krebsformen entwickelt worden war.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Paris - Der fatale Ausgang des Medikamententests, der im Januar in Frankreich einen Probanden das Leben gekostet ... mehr lesen
Der Test ging von einem portugiesischen Labor aus, um ein Schmerzmittel zu entwickeln. (Symbolbild)
Arzneimitteltests sind langwierig und kostspielig. Pharma-Firmen werben deshalb seit geraumer Zeit arme Patienten in ... mehr lesen
Eine bessere Versorgung für Kinder liegt vielleicht schon bald in Aussicht. (Symbolbild)
London - Die EU-Vorschriften müssen geändert werden, um mehr Tests zu ... mehr lesen
Solutions for orphan diseases.
Value and Risk in Pharma and Biotech
Avance, Basel GmbH
Lautengartenstrasse 7
4052 Basel
R&D for new antibiotics and and their biotechnological production proce ...
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
Etschmayer In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen  
Resistent gegen Antibiotika: E-Coli-Bakterien.
Erstmals «Super»-Erreger in den USA festgestellt Miami - In den USA ist erstmals ein sogenannter Super-Erreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten Behandlungsmethoden ...
Welt ist nicht genügend vor tödlichen Erregern geschützt Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wappnet sich für die ...
«Chem-Phys»  San Diego - Forscher der University of California San Diego (UCSD) haben den ersten flexiblen, tragbaren Biosensor entwickelt, der biochemische und elektrische Signale misst.  
Ein Blick in die Zukunft  Zürich - Langfristig werden die Margen in der Pharma-Sparte von Novartis steigen. Allerdings werde dies kein gradliniger Weg, sagte ...
Es werde kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei einer Investorentagung.
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3942
    "Flüchtlingskrise" Lösen kann man das Problem nur in den Ländern aus denen die Leute ... Fr, 27.05.16 09:33
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3942
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... Di, 24.05.16 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3942
    Über... viele Jahre Schwarzarbeit ausüben, ist nur dann erlaubt, wenn sie aus ... So, 22.05.16 12:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1766
    Wer glaubt denn noch unserer Notenbank? Einen Monat bevor sie den Frankenkurs gegenüber ... Do, 12.05.16 16:43
  • jorian aus Dulliken 1752
    Solch ein Blödsinn! Der wahre Grund, dass man die grossen Noten abschaffen will, ist der, ... Mi, 11.05.16 17:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1766
    Na und? Hier wird beschrieben, wie eine Solaranlage sich selbst zurückregelt, ... Mi, 04.05.16 00:04
  • OldFred aus Thalwil 5
    Schweizer Pionierwerk Meine lieben "Ingenieur-Kollegen" von unserer innovativen "Hochschule", ... Di, 03.05.16 21:24
  • Kassandra aus Frauenfeld 1766
    Offenbar verstehen die USA nichts vom Verhandeln, dafür mehr vom Erpressen. Die Schweiz zahlt Milliarden ... Mo, 02.05.16 10:27
86 Prozent des Stroms aus Energieträgern wurden in der Schweiz produziert.
Green Investment Hälfte des Stroms stammt aus Wasserkraft Bern - Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammte ...
Das Crowdfunding hat um 73 Prozent zugelegt.
Startup News Crowdfunding in der Schweiz markant gewachsen Luzern - Auf tiefem Niveau ist der Markt für Schwarmfinanzierung (sog. Crowdfunding) in der Schweiz erneut stark gewachsen. Diese Art der Geldbeschaffung ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
31.05.2016
31.05.2016
31.05.2016
JUL
30.05.2016
RAALEKS Logo
28.05.2016
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 12°C 20°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 13°C 20°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 10°C 17°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 11°C 19°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 12°C 19°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen bewölkt, etwas Regen
Genf 10°C 19°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 12°C 21°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten