Banken in Österreich: 57 Thesen weisen den Weg in die Zukunft
Die Zukunft der Banken im Jahr 2020
publiziert: Donnerstag, 12. Apr 2007 / 07:39 Uhr

Was bringt die Zukunft? emotion banking und der Club 2020 haben innovative Zukunftsszenarien entwickelt, Trends und Auswirkungen für mittelständische Banken identifiziert. Die aktuelle Zukunftsstudie zeigt, worauf sich Banken in Österreich vorbereiten müssen.

Der Bankkunde der Zukunft stellt das für ihn ideale Produkt im Internet selber zusammen.
Der Bankkunde der Zukunft stellt das für ihn ideale Produkt im Internet selber zusammen.
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Ein Thema, das uns alle beschäftigt und ständig präsent ist. Überall findet man Zukunftstheorien, utopische Darstellungen, Kristallkugel-Gedanken und orakelähnliche Weissagungen. Es scheint ein Trieb der Menschen zu sein, die Zukunft voraussagen zu wollen. Vor allem für die Wirtschaft stellt sich die strategische Frage, wie man sich am Besten vorbereitet, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Auch Banken setzen sich erstmals intensiv mit dem Thema auseinander und gehen in ihrem Denken über eine kurzfristig orientierte Vertriebs- und Kennzahlenplanung hinaus.

57 Thesen weisen den Weg

Konkret beschäftigen sich seit 2004 rund 40 Vorstände und Geschäftsleiter (aus allen Sektoren) aus österreichischen Banken mit der Zukunft. Den Rahmen bildet der Club 2020, der von dem Bankausstatter Manigatterer und dem Beratungsunternehmen emotion banking gegründet wurde. Der Club 2020 versteht sich als Impulsgeber und Schrittmacher für die Bankenzukunft. Im vergangenen Jahr wurden 57 Thesen zu den Themen Kunde, Beratung & Filiale, Wettbewerb, Geschäftsmodell, Technik & Produkte sowie Regulierung & Staat abgeleitet, mit einer Delphi-Studie die Eintrittswahrscheinlichkeiten abgetestet und ausführlich die Auswirkungen auf die Banken diskutiert. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Zukunftsstudie, die auf über 105 Seiten kompakt wichtige Trends wiedergibt. Nachfolgend einige Entwicklungen.

Banken werden zu Lifestylezentren

Im Jahr 2020 ist der Kunde noch Orientierungsloser als heute. Selbstverwirklichung und -findung, maximaler Genuss, Freizeit und Unterhaltung dominieren. Gleichzeitig sinkt die Leistungsbereitschaft. Gearbeitet wird, wenn die Kasse leer ist. Jobhopper sind Alltag. Zusätzlich dominieren die Golden Agers den Markt: Schätzungen gehen von einem Anteil von rund 7,3 Prozent an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2035 aus). Aber keinesfalls, um üppig für Vererbungen anzusparen, sondern um selbst auf den Putz zu hauen. Eigennutzen maximieren lautet die Devise; zur Not auch über einen Kredit.

«Für Banken eine interessante Herausforderung, die vor diesem Hintergrund nicht mehr nur Bank bleiben können. Viel wichtiger ist es, zu einem echten Lebensberater zu werden, der sich neben den finanziellen auch um die persönlichen Bedürfnisse kümmert. Und Banken dürfen zu echten Lifestylezentren werden, die über hippe Produkte und emotionale Inszenierung wahren Genuss bieten. Das verlangt ein langsames Lösen von der ‚Alle glücklich machenden’ Universalbank», sagt Dr. Christian Rauscher, Geschäftsführer von emotion banking.

Neue Wettbewerber entstehen

Der Wind des Wettbewerbs wird im Jahr 2020 noch rauer wehen als heute. Institutionelle Anleger, Versicherungen, Direktbanken, Internetplattformen und Unternehmen, die ihre eigenen Kreditinstitute gründen, machen den Banken ihr Territorium streitig. Neue Wettbewerber entstehen täglich. Internetplattformen wie Prosper in Amerika oder Zopa in England vergeben bereits heute Kredite ohne eine Bank. Mit 25 Dollar kann jeder Kunde weltweit Devisenspekulationen auf der Plattform easy forex durchführen. Bauern verleasen in der Schweiz ihre Kühe und Winzer in Frankreich ihre Weinstöcke. Auch ohne Bank! Die Modekette C&A hat ihre eigene Bank gegründet und bietet Bankprodukte an. Andere Unternehmen, die hohe Kundenfrequenzen haben, werden folgen. Das bedeutet, dass Banken sehr aktiv sein dürfen, um am Markt erfolgreich zu bestehen. Denn klar ist, dass das Produkt alleine schon längst nicht mehr zieht. Der Preiskampf führt vielleicht zu einer Marktbereinigung, aber wer nicht nur überleben, sondern dominieren will, braucht schlüssige Argumente.

Spezialisierung und Kooperationen

Dies legt den Schluss nahe, dass Spezialisierungen und Kooperationen mit anderen Branchen erforderlich sind. In Amerika zeigt das Beispiel der Square1 Bank, die auf Start Up Finanzierung spezialisiert ist, das enorme Potenzial der Spezialisierung im Firmenkundengeschäft. Und bei den Privatkunden ist seit Jahren die Umpqua Bank ein leuchtendes Beispiel. Die Bank tritt bewusst in den Hintergrund. Das Ergebnis ist eine Genusswelt, in der sich Kunden entspannen und wohl fühlen. Produkte sind zum Angreifen in Plexiglasdosen verpackt, die eigene Kaffeemarke bietet frischen Café, das eigene Radio promoted lokale Musiker und in jeder Bankfiliale stehen Lifestyleprodukte zum Verkauf. Das Ganze mit Erfolg: Filialwachstum von 6 auf 105 Stores und Bilanzwachstum von 150 Mio. auf über 5 Mrd. US-Dollar innerhalb von zehn Jahren.»

Aufsplittung der Wertschöpfungskette

Einen weiteren Erfolgsweg für Banken in der Zukunft sieht Rauscher in dem Zusammenlegen und Standardisieren von Prozessen und Teilen der Wertschöpfungskette. Der Kosten- und Effizienzdruck ist so gross, dass Banken sich ausschliesslich um die Markenführung und das Kundenbeziehungsmanagement kümmern werden. Die Wertschöpfungstiefe bei Banken liegt derzeit bei rund 80 Prozent, während der Autohandel von 20 bis 30 Prozent spricht. Die Auslagerung von Marktfolgeprozessen und die Umsetzung von aufsichtsrechtlichen Bestimmungen in gemeinsame sektorabhängige Service Center sind die logische Folge. Der Rest kann von internationalen Partnerunternehmen zugekauft werden.

Im Firmenkundenbereich ist laut Rauschers Studie Securitisierung das Schlagwort, also die Umwandlung von Kreditforderungen in handelbare Wertpapiere. Und über Venture-Capital-Finanzierungen können sich mittelständische Banken ein zusätzliches geschäftliches Standbein schaffen. Das eröffnet Mitarbeitern neue interessante Karrierechancen, da durch die Beteiligung neue Möglichkeiten des Job enrichments geschaffen werden. Eine Voraussetzung für diese Entwicklungen ist nicht zu verschweigen: Der Konzentrationsprozess im Markt wird weiter voranschreiten. Mittelstandsbank, das heisst 2020 rund 200 bis 500 Mitarbeiter. Kleinere Einheiten werden lediglich in ganz engen Marktnischen zu finde sein.

Internet wird zum Alltag

Virtuelle Kanäle wie e-banking und Handy werden noch intensiver genutzt. Spezielle Finanz- und Produktoptimierungssoftwares – die es bereits heute in den Anfängen gibt – werden von Kunden intensiv genutzt, um massgeschneidert das eigene ideale Produkt zusammenzustellen. In den Filialen kümmern sich erste virtuelle Bankberater verbunden mit umfassenden Kundendatenbanken um das Mengengeschäft und versuchen über Kundenwertmodelle das Cross Selling voranzutreiben.

(bk)

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