Die Strategie von Microsoft bei Multitouch-Displays
publiziert: Samstag, 14. Jul 2012 / 10:10 Uhr / aktualisiert: Samstag, 14. Jul 2012 / 10:30 Uhr
PPI stellt überdimensionale Multitouch-Displays her.
PPI stellt überdimensionale Multitouch-Displays her.

Microsoft stärkt seine Hardware-Sparte mit dem Zukauf des amerikanischen Display-Herstellers Perceptive Pixel (PPI).

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Die Unternehmen hätten eine endgültige Vereinbarung getroffen, teilte der Software-Riese bei seiner Partnerkonferenz in Toronto mit. Mit dieser Technologie könnten die Hardware-Partner des Unternehmens künftig leistungsfähige Rechner mit dem neuen Betriebssystem Windows 8 bauen, erklärte Microsoft-Manager Kurt DelBene. Den Kaufpreis nannten die Unternehmen nicht. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

PPI stellt überdimensionale Multitouch-Displays mit bis zu zwei Metern Bildschirmdiagonale her. In den USA sind die Geräte während der Präsidentschaftswahl 2008 bekannt geworden, als der TV-Sender CNN die Technik für die Berichterstattung nutzte - auf der «magischen Wand» («magic wall») konnten die Moderatoren mit Fingergesten auf der Wahlkarte navigieren und zoomen, etwa um die Ergebnisse einzelner US-Staaten anzuzeigen.

Übernahme soll neue Geschäftsfelder für Microsoft erschliessen

Die Displays kommen nach Angaben von PPI in verschiedensten Organisationen zum Einsatz, von Behörden über TV-Sender und die Verteidigungsindustrie bis hin zu Bildungseinrichtungen. Jeff Han gründete das Unternehmen 2006, er wechselt jetzt zu Microsoft.

Der Hersteller von Windows und Office ist derzeit auf Einkaufstour, um neue Geschäftsfelder zu erschliessen. Im Juni gab er 1,2 Milliarden Dollar für Yammer aus, eine Plattform, mit der Unternehmen eigene soziale Netzwerke einrichten können. Bereits im vergangenen Jahr hatte er den Internet-Telefonie-Anbieter Skype übernommen.

Microsoft will «Biedermann»-Image ablegen

Bislang scheint die Computerwelt klar aufgeteilt: Hier der angesagte Hersteller Apple mit seinen coolen Designstücken. Dort der «biedere» Rivale Microsoft, dessen Software auf hässlichen Plastikkisten läuft. Doch Microsoft arbeitet am Imagewandel.

Es gibt Orte, an denen fühlen sich Nutzer eines Windows-PC als Aussenseiter. Ein Starbucks-Café in New York ist solch ein Ort. Die hippen jungen Leute, die dort ihren Cappuccino aus Pappbechern schlürfen und mit ihren Facebook-Freunden chatten, sitzen vor Apple-Notebooks oder tatschen auf ihrem iPad herum. Der Platz der Windows-Rechner ist in den Stockwerken darüber in den Büros.

Bisher hiess es: Apple ist Spass, Microsoft steht für Arbeit. Doch Microsoft-Chef Steve Ballmer will sich damit nicht abfinden. Der hünenhafte Vollblut-Manager arbeitet am Imagewandel - und nutzt dafür ausgerechnet jene Methoden, die der Erzrivale Apple zur Perfektion getrieben hat: Show, Geheimniskrämerei und Design.

Bisherige Kooperation mit Hardware-Herstellern könnte nachteilig sein

Anders als Apple kontrolliert Microsoft jedoch nur die Software und nicht das Aussehen und die Ausstattung der Geräte. Die kommen seit jeher von Firmen wie HP, Dell, Samsung oder Lenovo. Und genau das erweist sich beim Wandel der Computerwelt als Nachteil. Weil kein Hersteller ein Windows-Tablet herausgebracht hatte, das es mit Apples iPad aufnehmen konnte, präsentierte Microsoft jüngst seine Eigenentwicklung namens Surface.

Nicht nur beim Material des Gehäuses - es handelt sich um eine Metall-Legierung - liess sich Microsoft von Apple inspirieren. «Wir haben seit einiger Zeit an Surface gearbeitet», verrät Ballmer und brüstet sich: «Wir haben einen tollen Job gemacht, das geheim zu halten.» Dann fährt der Microsoft-Chef grinsend fort: «Es gibt noch mehr Geheimnisse.» Apple lässt grüssen.

(Alexander Kuch/teltarif.ch)

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