Kontroverse um Patent auf menschliche und tierische Organe
Die Grünen laufen Sturm: Novartis erhält Patent für genetisch veränderte Organe
publiziert: Mittwoch, 17. Mai 2000 / 13:56 Uhr

Basel/Bern - Das vom Europäischen Patentamt in München für Novartis erteilte Patent im Zusammenhang mit gentechnisch manipulierten Spenderorganen hat in der Schweiz eine Kontroverse ausgelöst. Die Grünen forderten den Bundesrat auf, gegen das Patent Einspruch zu erheben. Greenpeace protestierte gegen das Patent.

Novartis-Sprecher Mark Hill bestätigte am Mittwoch zu einem Bericht des Kassensturzes von Fernsehen DRS, dass das Europäische Patentamt (EPA) in München Anfang Mai dem Basler Pharmakonzern ein Patent fr die gentechnische Behandlung von Spenderorganen vor der Transplantation erteilt hat. Das Patent gelte fr tierische und menschliche Organe, wobei es sich noch um Zukunftstechnologie handle; die Forschung sei voll im Gang. Konkret gehe es um eine Methode, das Spenderorgan gentechnisch so zu modifizieren, dass die spätere Abstossung und die Zerstörung des Organs verhindert werde. Hill betonte, dass die Methode eine lebensrettende Therapie bedeute, die als Alternative zur medikamentösen Behandlung von Abstossungsreaktionen eingesetzt werden könne. Nach Erteilung des 1993 beantragten Patents laufe nun die neunmonatige Einsprachefrist. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestierte am Mittwoch gegen das Novartis-Patent. Es zeige klar die Richtung auf, welche die so genannten Life-Science-Konzerne einschlagen: Pflanzen, Tiere und Menschen sollen zu Markenartikeln werden, aus denen Profite geschlagen werden können, heiss es in der Pressemitteilung. Greenpeace forderte vom EPA, dieses und alle anderen Patente auf Lebewesen zu widerrufen. Die Grüne Partei der Schweiz kritisierte in einer Medienmitteilung, dass das Patent die geltende Verfassung, das schweizerische Patentgesetz und das europäische Patentübereinkommen verletze. Der Bundesrat wurde aufgefordert, gegen das vom Patentamt erteilte Patent EP 669 977 auf genmanipulierte menschliche Organe Einspruch zu erheben. Sie kritisierten, dass das Patentamt in München eigenmächtig das europäische Patentübereinkommen zugunsten der Gentech-Multis uminterpretiere.

(AP)

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