Die Finanzkrise hat die Welt verändert
publiziert: Samstag, 18. Okt 2008 / 11:41 Uhr / aktualisiert: Samstag, 18. Okt 2008 / 12:00 Uhr

Bern - Die Finanzkrise hat «die Welt für immer verändert»: Dieser Ansicht ist Thomas Held, Direktor von Avenir Suisse. Die politischen Folgen der Krise seien langfristig wohl viel grösser als die ökonomischen, sagte er in einem Zeitungsinterview.

Thomas Held sieht langfristige politische Folgen. (Archivbild)
Thomas Held sieht langfristige politische Folgen. (Archivbild)
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Es gebe eine Verschiebung der Machtverhältnisse, eine Welt, in der nicht einfach westliche Errungenschaften gelten würden, sagte Held in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Zeitung «Der Bund». Eine grössere Rolle spielten Staaten mit «eher autoritären» statt mit demokratischen Verfassungen.

Entscheiden würden künftig nicht so sehr gewählte Personen, sondern «ein 'Chef', ob er nun Parteifunktionär ist oder Scheich oder Kopf eines Clans», führte Held aus. Für den Direktor des Wirtschafts-Think-Tanks ist offen, ob die Schweiz «mit ihren Luxusproblemen» gerüstet ist, um in einer solchen Welt zu bestehen.

Neue Begehrlichkeiten befürchtet

Nach den staatlichen Rettungsaktionen für Finanzinstitute befürchtet Held neue Begehrlichkeiten. «Ein kleines Anschubpaket hier, ein paar flankierende Massnahmen dort - nur eine Milliarde, vielleicht nur eine halbe Milliarde.» Es werde schwierig sein, zu argumentieren, dass dies volkswirtschaftlich nicht sinnvoll sei.

Eine «riesige Problematik» sieht Held darin, dass der Stabilitätspakt in den Euro-Ländern und die Schuldenbremse in der Schweiz wegen der Krise «wohl relativiert» werden. Weitere künftige Anforderungen an die Staaten seien die Energiediskussion oder die Sanierung der Sozialwerke.

Verschuldung abbauen

«Da könnte jetzt die Versuchung entstehen, sich zu sagen, das ist jetzt alles halb so schlimm», sagte Held. Die Finanzkrise dürfe nicht davon abhalten, auf dem richtigen Weg der Reformen weiterzugehen.

Um nach der Hypothekar- nun nicht auch die Kreditblase platzen zu lassen, müsste laut Held die Verschuldung abgebaut werden. «Entweder werden die Schulden abgeschrieben oder der Schuldner bezahlt, in dem er den Konsum über längere Zeit einschränkt.»

Dass gewisse Industrien ebenfalls redimensionieren müssten, sei klar. Zunächst gelte es aber, abzuwarten, ob die Massnahmen im Finanzsektor wirklich zu einer Redimensionierung führten. «Die Chance ist sicher vorhanden». Umgekehrt bestehe die Gefahr, dass zu breit angelegte Garantien den Strukturwandel behinderten.

(tri/sda)

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