Vor der Europawahl
Die Europäische Union braucht eine neue Vision
publiziert: Dienstag, 20. Mai 2014 / 15:27 Uhr
In seiner Eigenschaft als Präsident der Hohen Behörde der Montan-Union machte Jean Monnet (li.) am 9. Dezember 1953 seinen Antrittsbesuch bei Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer (re.) in Bonn.
In seiner Eigenschaft als Präsident der Hohen Behörde der Montan-Union machte Jean Monnet (li.) am 9. Dezember 1953 seinen Antrittsbesuch bei Bundeskanzler Dr. Konrad Adenauer (re.) in Bonn.

Vor mehr als 60 Jahren verkündete Jean Monnet, einer der Wegbereiter der europäischen Einigungsbewegung, seine Vision der entstehenden Union Europas. Er war damals der festen Überzeugung, dass Geld das richtige Mittel sei, um die Wunden zu heilen, die die beiden Weltkriege hinterlassen hatten.

2 Meldungen im Zusammenhang
«Die Zusammenführung» der wirtschaftlichen Verbindungen Europas, so glaubte er, würde die einzelnen Länder dazu bringen, ihre «Souveränität zu einem einzelnen europäischen Staat» zusammenzuführen und zu verbinden.

Für den Franzosen war ein gemeinsames Europa die natürliche Weiterentwicklung der neu geschaffenen Stabilität der Region. Eine Gemeinschaft gleichgesinnter Staaten, deren gemeinsame Ziele so genau übereinstimmen würden, dass die einzelnen Länder ihre eigenen Regierungen freiwillig für das grössere gemeinsame Wohl aufgeben würden.

Das war im Jahr 1952. Nach den Schrecken der Vergangenheit hielt die Zukunft damals grosse Versprechen bereit und alles erschien möglich - selbst die Schaffung eines neuen Pseudo-Landes. Ein Ort, den man heute als die Europäische Union nennt.

Vereinigte Staaten von Europa?

Nun zur Gegenwart: Obwohl es in der EU inzwischen tatsächlich Regierungsorgane wie die Kommission und das Parlament gibt, die grenzübergreifend die Politik gestalten können, handelt es sich bei der Europäischen Union sicherlich nicht um die «Vereinigten Staaten», die Monnet im Sinn hatte. Eine Gemeinschaft, in der alle dieselben, tief verwurzelten Überzeugungen und Vorstellungen teilen.

Der Klebstoff, der ihre gemeinsamen Ideologien zusammenhielt, löste sich, als die Berliner Mauer fiel. Seither hat die Wirtschafts- und Finanzkrise in den Eurostaaten alte Wunden neu aufgerissen. Ironischerweise droht dabei das liebe Geld, das die verschiedenen Länder eigentlich zusammenbringen sollte, die Staaten endgültig auseinanderzureissen. Das bringt uns zu der fundamentalen Frage: Wenn die Hauptaufgabe der Union nicht länger darin besteht, den Frieden in Europa zu sichern, die EU andererseits aber auch nicht allen Bürgern Wohlstand garantieren kann, welche Rolle soll sie fortan spielen? Die EU, die aus dem Trümmerhaufen entstand, den das turbulente letzte Jahrhundert hinterlassen hatte, hat viel für ihre Mitglieder erreicht. Sie hat die Bürger gelehrt, dass Kompromisse besser sind als Gewalt und ihnen allein schon angesichts ihrer Grösse Schutz und Stärke geboten.

Dank des freien Warenverkehrs und der Arbeitnehmerfreizügigkeit durch den europäischen Binnenmarkt hat die Union den Wohlstand ihrer Bürger befördert; gleichzeitig wurden die Rechte der Verbraucher und Arbeiter gestärkt und die Gesundheitslage durch Rauchverbote verbessert.

Doch die EU hat sich dabei auch von ihrem ursprünglichen Konzept entfernt; sie hat sich mehr und mehr zu einer riesigen, in Brüssel ansässigen Bürokratiemaschine entwickelt, die nach Meinung vieler Kritiker die Industrie behindere und Mitgliedsstaaten wie Grossbritannien Richtung Ausstieg dränge.

Die Grenzen des Blocks haben sich durch die scheinbar endlose Aufnahme früherer kommunistischer Länder mehrfach verschoben und dabei auch die Definition Europas an ihre Grenzen gebracht. Fast macht es den Anschein, als habe sich die Mitgliedschaft in diesem einst so elitären Club zu einem praktischen Mittel der Aussenpolitik gewandelt und sei nicht länger eine gemeinsam geteilte und geschätzte Vision. Die EU sieht sich der anhaltenden Herausforderung gegenüber, den Erwartungen und Wünschen ihrer Bürger gerecht zu werden. Ohne eine zweigeteilte Politik hat sie aber kaum die Möglichkeit, sowohl die starken als auch die schwachen Volkswirtschaften gleichermassen zu unterstützen.

Die EU braucht eine neue Vision - ein neues Projekt, mit dem sich die Bürger identifizieren können und das sie begeistert. Und wo sollte man da besser anfangen als bei der so ausschlaggebenden Europawahl diese Woche.

(Nina dos Santos, CNN International/CNN-Today)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Nina dos Santos ist unseren ... mehr lesen
Nina Dos Santos.
«Jean-Claude Juncker steht für ein Europa das hinter geschlossenen Türen tagt», so Martin Schulz.(Archivbild)
Berlin - Der Spitzenkandidat der ... mehr lesen
Unterkühlte Diskussionen um den Ölpreis im kalten Davos.
Unterkühlte Diskussionen um den Ölpreis im kalten Davos.
Widersprüchliche Aussagen  Wenn die sogenannten Mächtigen und Grossen diese Woche im Rahmen des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Alpenresort Davos anreisen, werden sie die widersprüchlichen Aussagen von den Mitgliedern der OPEC noch im Ohr haben. mehr lesen 
Die vierte industrielle Revolution?  Als wäre die dritte Januarwoche nicht schon deprimierend genug, müssen wir uns für das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos nun wieder einmal in die verschneiten Bündner Alpen zurückziehen. mehr lesen  
 
News
         
Die Besucher strömen zur SOM.
Publinews Ein Expo-Festival der besonderen Art  «Als wir vor zehn Jahren mit der SOM begonnen haben, war das noch eine Idee, ein kleines Pflänzchen. Nach zehn Jahren ist sie DER ... mehr lesen
Versichern Sie sich gegen unvorhersehbare Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit oder unverschuldeter Arbeitslosigkeit.
Publinews Die faire Lösung für jeden Anspruch  Mit einem Kredit von kredit.ch haben Sie einen erfahrenen Kreditberater an Ihrer Seite. Um einen Kredit in der Schweiz zu beantragen, müssen einige ... mehr lesen
Digitale Technologien zum Anfassen heisst das Motto.
Publinews Spannendes Rahmenprogramm: Expertenvorträge, Workshops und digitale Technologien zum Anfassen  Bereits zum zehnten Mal treffen sich die Profis aus E-Commerce und Marketing auf der SOM in Zürich und tauschen sich über ... mehr lesen
Umfangreiches Rahmenprogramm mit spannenden Keynotes.
Publinews Insiderwissen, Networking und jede Menge Content auf der Messe Zürich  Am 18. und 19. April dreht sich auf der Messe Zürich alles rund ums Thema E-Commerce, Online Marketing und Kundendialog. Die Fachbesucher erwartet an ... mehr lesen
Wenn Sie noch nicht damit begonnen haben, die Handy-Nummern Ihrer Kunden zu sammeln, sollten jetzt damit anfangen.
Publinews Die SMS ist tot. Lang lebe die SMS  Vielleicht denken Sie, dass SMS bereits verschwunden sei, da die meisten Leute mit Whatsapp, Facebook Messenger, LINE, ... mehr lesen
Primär für KMU und Start-ups. In zwei Stunden erhalten die Teilnehmer einen vertieften Einblick, was heute im Marketing wichtig ist und wie man geplante Massnahmen richtig umsetzt.
Publinews Der international erfolgreiche sowie ausgewiesene Marketing- und KMU-Experte Benno Stäheli zeigt in kostenlosen Workshops auf, wie KMU auch im ... mehr lesen
Volles Plenum bei der Keynote von Christian Gisi -
 Mammut Sports Group.
Publinews 10 Jahre SOM - am 18. und 19. April auf der Messe Zürich  Die SOM ist das Schweizer Gipfeltreffen für eBusiness, Online Marketing und Direct Marketing. Am 18. und 19. April feiert die Fachmesse ihr zehnjähriges Jubiläum ... mehr lesen
ASPSMS ist durch die Mobile Messaging Einstellungen nun ein Bestandteil von Matomo.
Publinews Benachrichtigungen per SMS  Matomo, ehemals Piwik, ist eine weltweit führende Open Source Analytics-Anwendung. Sie kann sowohl lokal als auch in der Cloud installiert werden. ... mehr lesen
Empörte oder enttäuschte Kunden können über die sozialen Medien sehr leicht einen Shitstorm erzeugen, der dem Ansehen eines Unternehmens grossen Schaden zufügen kann.
Publinews GSD Master AG  Martin Schranz ist ein Unternehmer, dessen Erfolg vor allem auf sein Durchhaltevermögen zurückzuführen ist. Nach zahlreichen Rückschlägen hat er die ... mehr lesen
Mithilfe Vergleichsportalen können Kunden nicht nur bei einer Bank die Konditionen erfragen, sondern in kurzer Zeit gleich mehrere Banken miteinander vergleichen.
Publinews Zentralstelle für Kreditinformation  Verbraucher, die einen neuen Kredit aufnehmen möchten, sehen sich bei der Beantragung mit einer Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Eine der Hürden bei der Kreditvergabe ist ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
HempMate AG Logo
24.05.2018
Airex AG Logo
24.05.2018
24.05.2018
24.05.2018
TIMMswisslogger Logo
24.05.2018
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 14°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
Basel 14°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
St. Gallen 13°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Bern 13°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
Luzern 13°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
Genf 13°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewitterhaft
Lugano 17°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten