Sanktionen gegen Russland
Die EU sollte den Handel aussen vor lassen
publiziert: Samstag, 22. Mrz 2014 / 14:23 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 23. Mrz 2014 / 21:16 Uhr
Putin lässt bisher «nur» in der Aussenpolitik seine Muskeln spielen.
Putin lässt bisher «nur» in der Aussenpolitik seine Muskeln spielen.

Mit Schwung hat Wladimir Putin ein neues Kapitel in der turbulenten Geschichte der Krim geschrieben und die Region wieder unter russische Herrschaft gebracht.

7 Meldungen im Zusammenhang
Vor sechzig Jahren wurde die Halbinsel nicht weniger rasant an die Ukraine angegliedert, nachdem Nikita Chruschtschow sowjetischer Parteichef geworden war.

EU nicht ganz so schnell wie Putin

Die EU, die inzwischen aus 28 Staaten besteht, kann ihrerseits nicht ganz so schnell und unkompliziert auf die unverfrorene Landnahme Russlands im Osten reagieren. Denn anders als beim überstürzten Referendum auf der Krim hat in Europa jedes Mitgliedsland ein Mitspracherecht.

Nachdem anfangs ein paar weniger bekannte Politiker und Militärs mit Einreiseverboten und der Sperrung ihrer Konten belegt wurden, werden nun Rufe laut, die EU solle ihren Massnahmenkatalog erweitern, um besonders die russischen Unternehmer gezielter und härter zu treffen; Mit dem Ziel denjenigen, die in Russland die Macht haben, die andere Seite der Medaille aufzuzeigen.

Alexei Nawalny, der sich einst als Bürgermeisterkandidat für Moskau aufstellen liess und inzwischen wegen Auflehnung gegen das Regime unter Hausarrest steht, rief die Staats- und Regierungschefs Europas dazu auf, ein Verbot zu verhängen. Dieses solle - angefangen bei Wladimir Putins persönlichem Banker bis hin zu Roman Abramowitsch, dem Besitzer des englischen Fussballclubs FC Chelsea - unmöglich machen, an ihr Geld auf ausländischen Konten zu kommen oder Angehörige im Ausland zu besuchen.

Eingefrorene Konten und Einreiseverbote

Eingefrorene Konten oder Visa-Restriktionen sind zwei Optionen, die sich relativ problemlos realisieren lassen. Sie bieten der EU einen gewissen Handlungsspielraum und können ohne aufwändige und langwierige rechtliche Hürden umgesetzt werden. Russland verhängt ständig Einreiseverbote gegenüber Personen, die man nicht im Land haben möchte. Ein Beispiel ist Investor Bill Browder, der die Firma Hermitage Capital gegründet hat. Er verlor 2005 nicht nur das Einreiserecht für Russland, sondern auch den Zugriff auf sein in Moskau gehaltenes Geld; das Risiko einer erneuten Einreise in das Land nimmt er nicht auf sich.

Russland unterzeichnete zudem ein Adoptionsverbot für US-Familien, als Antwort auf die Einführung eines Anti-Korruptionsgesetzes in Amerika, das nach Sergei Magnitski benannt wurde. Der Wirtschaftsprüfer arbeitete für Bill Browders Unternehmen Hermitage und starb unter nie geklärten Umständen in einer Haftanstalt in Moskau, nachdem er knapp ein Jahr inhaftiert war. Allem Anschein nach wurde er zu Tode geprügelt.

Sollte Europa nun die «Geld-ist-Macht-Karte» spielen wollen, muss mit Konsequenzen gerechnet werden - denn Geld ist bekanntlich flüchtig.

Sanktionen sind keine Einbahnstrasse

Die europäischen Staats- und Regierungschefs sollten erkennen, dass Sanktionen letztlich eben keine Einbahnstrasse sind und beiden Seiten Schaden zufügen. Russlands reisefreudige Geschäftswelt ins Visier zu nehmen, wäre eine Möglichkeit, die dürftige Unterstützung, die man Präsident Putin entgegenbringt, weiter zu untergraben. Diese Strategie könnte noch einen weiteren positiven Aspekt haben: EU-Länder könnten so die Möglichkeit bekommen, endlich einige der weniger schönen Seiten der Vetternwirtschaft anzugehen, darunter Geldwäsche und Korruption, die seit Jahren die Preise für Londons Immobilien oder für Picasso-Gemälde in die Höhe schnellen lassen.

Beim Thema Handelsverbote sollte Europa sich jedoch zurückhalten. So sind zwei Jahrzehnte postsowjetischer Annäherung und der Handel zwischen Russland und der EU mit einem Volumen von fast 500 Milliarden US-Dollar zu bedeutend, um sie einfach aufs Spiel zu setzen. Es stimmt, dass jeder Handelskrieg Russland wesentlich härter treffen würde als die EU - nicht zuletzt deshalb, weil sich die Exporte Russlands in die EU auf 15 Prozent des russischen BIP belaufen. Doch Europa, das stark vom russischen Gas abhängig ist, hätte ohne die Energielieferungen aus dem Osten Schwierigkeiten, die Fabriken am Laufen und die Bürger warm zu halten.

Handelswege halten den Dialog am Leben

Und während Putin in der Aussenpolitik seine Muskeln spielen lässt, halten die Handelswege den Dialog am Leben und verschaffen allen Seiten die Möglichkeit, das Thema zu wechseln und Dialoge zu führen, die weniger angespannt sind.

Keiner kann es sich erlauben, diese Lebensader zu durchtrennen - vor allem, nachdem sich Europas Wirtschaft endlich zu erholen scheint und die russische indes droht, in eine Rezession abzugleiten.

Über Nina dos Santos:
Nina Dos Santos moderiert die tägliche Wirtschaftssendung World Business Today auf CNN International. Für den Nachrichtensender hat sie bereits aus Brüssel, Paris und Rom über die EU-Schuldenkrise berichtet und führende Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft interviewt, darunter IWF-Chefin Christine Lagarde, die Premierminister von Schweden, der Tschechischen Republik und Luxemburg sowie José Manuel Barroso, den Präsidenten der EU-Kommission.

(Nina dos Santos, CNN International/CNN-Today)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Moskau - Nach der Verhängung internationaler Wirtschaftssanktionen gegen Moskau ... mehr lesen
Russisches Einfuhrverbot von Obst und Gemüse aus Polen: Polen habe «wiederholt» gegen Regelungen zur Nahrungsmittelsicherheit verstossen. (Symbolbild)
Das Wirtschaftswachstum in Russland hat sich in den vergangenen Jahren bereits verlangsamt.
Moskau - Die Ukraine-Krise hat Russland nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) bereits in die Rezession gestürzt. Grund sei der Rückgang der Investitionen wegen der westlichen ... mehr lesen 1
Moskau - Kremlchef Wladimir Putin hat für die Krim die Einführung neuer ... mehr lesen 8
Putin hatte den Vertrag über die Aufnahme der zur Ukraine gehörenden Schwarzmeer-Halbinsel in die Russische Föderation am Freitag besiegelt.
Brüssel - Die Europäische Union ... mehr lesen
Frankreichs Präsident François Hollande. (Archivbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bill Fox, Experte für Finanzkriminalität bei der Bank of America, nennt Russland ein Land, das zurückbeissen kann.
Hollywood - US-Banken befürchten wegen der Krim-Krise einen Sanktionswettlauf der heimischen Regierung mit Russland. «Ich denke, das ist eines der ersten Male, dass die USA Sanktionen ... mehr lesen 3
Bern - Die Schweiz hat erstmals mit ... mehr lesen 2
Johann Schneider-Ammann: Die Schweiz setzt ein erstes formelleres Zeichen.
Unterkühlte Diskussionen um den Ölpreis im kalten Davos.
Unterkühlte Diskussionen um den Ölpreis im kalten Davos.
Widersprüchliche Aussagen  Wenn die sogenannten Mächtigen und Grossen diese Woche im Rahmen des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Alpenresort Davos anreisen, werden sie die widersprüchlichen Aussagen von den Mitgliedern der OPEC noch im Ohr haben. mehr lesen 
Die vierte industrielle Revolution?  Als wäre die dritte Januarwoche nicht schon deprimierend genug, müssen wir uns für das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos nun wieder einmal in die verschneiten Bündner Alpen ... mehr lesen
Richard Quest, CNN International Wirtschaftskorrespondent und Moderator von «Quest Means Business».
CNN Korrespondent John Defterios ist Experte für Wachstumsmärkte mit Sitz in Abu Dhabi.
Weltweite Konjunkturaussichten  Es ist nicht leicht, den wirtschaftlichen ... mehr lesen  
 
News
         
Flyer von Flyeralarm
Startup News FLYERALARM  FLYERALARM zählt zu den führenden Online-Druckereien Europas im B2B-Bereich. 2002 gegründet, beschäftigt das Familienunternehmen heute knapp ... mehr lesen
Auto auf Schnellstrasse
Publinews so profitiert auch Autoteilhändler Autodoc vom Boom  Für die Autodoc GmbH liefen die letzten Geschäftsjahre gut - alleine 2016 verzeichnete das Berliner Unternehmen einen Gesamtumsatz von 118,5 Millionen Euro. Das ... mehr lesen
Team von AquAero beim StartUpForum Aargau
Startup News StartUpForum Aargau  Christoph Müller und Thomas Manyoky, AquAero GmbH, berichten am StartUpForum Aargau über Ihre Erfahrungen als Jungunternehmer ... mehr lesen
Coworking in Solothurn
Startup News Von Adriana Gubler, Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn  Die Forschungs- und Hochschulstandorte sind die grossen Start-up-Motoren der Schweiz. Aber auch im Kanton Solothurn entwickelt sich eine vielfältige ... mehr lesen
Nahaufnahme eines Lochblechs
Publinews Lochblech - was ist das überhaupt?  Lochblech findet inzwischen in vielen verschiedenen Bereichen Einsatz: in der Industrie, in der Architektur und sogar beim Kfz-Tuning. ... mehr lesen
Eine Schutzhaube sorgt dafür, dass nicht versehentlich Haare ins Essen fallen.
Publinews Schutzkleidung - ein absolutes Muss  Berufsbekleidung bedeutet so viel. In bestimmten Berufszweigen dient sie als Erkennungsmerkmal, das auf Tradition begründet ... mehr lesen
Publinews Interview  Als der Unternehmer Peter Baumann die pebe AG gründete, war ein Magnetstreifen auf einem Kontoblatt noch etwas Modernes. Heute beschäftigt uns ... mehr lesen
Das rege Messegeschehen aus der Vogelperspektive.
Publinews SOM & Swiss eBusiness Expo  Am 5. und 6. April trifft sich die Online-Branche in Zürich. Rund 80 Programmpunkte werden eindrucksvoll beweisen, ... mehr lesen
Was sind die Hausaufgaben für Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung?
Publinews Swiss Online Marketing & Swiss eBusiness Expo  Google, Post, Handel Schweiz, VSV, GS1: Am Mittwoch, den 5. April diskutieren Big Player und Marktexperten über das «Schreckgespenst Digitalisierung - ... mehr lesen
saleduck.ch, Luc van der Blij
Publinews Ziel: die teure Schweiz günstiger machen!  Das Affiliate Marketing ist heute ein nicht mehr wegzudenkender Teil eines jeden erfolgreichen e-Commerce Unternehmens. ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
19.01.2018
18.01.2018
Bally Schuhfabriken AG Logo
18.01.2018
Tilsiter SWITZERLAND Logo
18.01.2018
SWIZZROCKER Logo
18.01.2018
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 4°C 5°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen starker Schneeregen
Basel 5°C 6°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 4°C 2°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneefall starker Schneeregen
Bern 5°C 5°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen stark bewölkt, Regen
Luzern 6°C 7°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen starker Schneeregen
Genf 8°C 8°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen trüb und nass
Lugano 1°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten