Transformationsprozesse zur Leistungsverbesserung und Kosteneinsparung
Deutsche Manager mögen Veränderungen nicht
publiziert: Freitag, 4. Jul 2008 / 07:08 Uhr

Spezielle Change-Management-Programme haben sich als integraler Bestandteil von Transformationsprozessen in Unternehmen durchgesetzt. Weltweit sind sie mittlerweile in 82 Prozent der Fälle verankert, in denen ein Unternehmen sich grundlegend verändert. Dies ergab eine Studie der internationalen Strategieberatung Booz & Company.

28 Prozent der deutschen Manager mit Führungsverantwortung opponieren gegen Veränderungsprozesse in ihrem eigenen Unternehmen.
28 Prozent der deutschen Manager mit Führungsverantwortung opponieren gegen Veränderungsprozesse in ihrem eigenen Unternehmen.
Befragt wurden Senior Manager, die in Unternehmen mit mehr als 5000 Beschäftigten solche Transformationen verantwortet haben. Demnach erzielen Change Management Programme in 82 Prozent aller Fälle eine positive Wirkung auf die Performance des Unternehmens. Deutschland erreicht hier lediglich 79 Prozent und rangiert damit gemeinsam mit Frankreich im Ländervergleich auf dem letzten Platz.

Management-Instrument

«Damit hat sich das Thema Change Management aus seinem früheren Nischendasein befreit», erklärt Rolf Habbel, Senior Partner bei Booz & Company. Lange als «weicher» Faktor belächelt, wurden Changeprogramme oft erst nachträglich auf bereits laufende Transformationen aufgepfropft. «Das hat sich grundlegend geändert. Die Studie zeigt aber auch: Mit der Umsetzung wird noch immer spät begonnen, und nach wie vor werden nicht alle Ebenen der Transformation ausreichend berücksichtigt», sagt Habbel weiter.

Die Verbesserung der Leistung (Deutschland 84%; international 79%) und Einsparung von Kosten (Deutschland 70%; international 62%) bilden mit grossem Abstand die häufigsten Anlässe für Transformationsprozesse, gefolgt von dem Wunsch, den Kundenservice zu verbessern (Deutschland 43%; international 51%). Entsprechend der hochgesteckten Ziele ziehen Transformationsprozesse für Mitarbeiter grundlegende Veränderungen auf verschiedensten Ebenen nach sich.

Widerstand im eigenen Unternehmen

Die Studie belegt auch, welch starke Widerstände eine Transformation angesichts der befürchteten Umstellung gewohnter Arbeitsabläufe hervorruft: So verhalten sich in Deutschland mehr als die Hälfte aller operativ tätigen Mitarbeiter innerhalb von Veränderungsprozessen aktiv ablehnend. Kritisch sind die Werte im deutschen Senior Management: 28 Prozent der deutschen Manager mit Führungsverantwortung opponieren gegen Veränderungsprozesse in ihrem eigenen Unternehmen. Damit erreichen sie im internationalen Ländervergleich einen negativen Spitzenwert.

Linienmanagement stärker einbeziehen

Im Rückblick würden Manager, die bereits Erfahrung mit solchen Veränderungsprozessen haben, vor allem das Linienmanagement stärker einbeziehen und gezielter auf die Herausforderungen vorbereiten. So gaben fast die Hälfte (48%) an, dass diese Ebene entsprechend vorbereitet war. Im Rückblick würden fast doppelt so viele der Befragten (88%) die Linienfunktionen schon deutlich früher ins Boot holen. Generell zeigt die Studie, dass Mitarbeiter, die von der Transformation direkt betroffen sind, vorab in den Transformationsprozess integriert werden müssen. Ein Praxisbeispiel: Lerninitiativen, in denen der Umgang mit neuen Arbeitsprozessen vermittelt wird, sollten nach Meinung der Befragten eher starten.

Haltung des Top-Managements entscheidend

«Die zweite Generation im Change Management wird sich stärker auf das ‚Wie’ als auf das ‚Was’ fokussieren», sagt Habbel. Der Haltung der Führungsmannschaft kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie muss den Wandel vorleben und die Mitarbeiter motivieren, aktiv neue Wege zu gehen und sich neue Fertigkeiten und Qualifikationen anzueignen. Die Studie zeigt, dass deutsche Manager die Bedeutung ihrer persönlichen Identifikation mit Change-Management-Prozessen noch nicht ausreichend verinnerlicht haben. Und dass Change Management innerhalb von Transformationsprozessen noch immer zu spät und nicht systematisch auf allen relevanten Ebenen angeschoben wird.

(ra/KMU Magazin)

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