Wirtschaftsdelikte
Der typische Betrüger
publiziert: Dienstag, 21. Jun 2011 / 16:24 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 21. Jun 2011 / 17:40 Uhr
Wirtschaftsbetrüger sind häufig langjährige Mitarbeitende.
Wirtschaftsbetrüger sind häufig langjährige Mitarbeitende.

Letztes Jahr entgingen Schweizer Unternehmen 365 Millionen Franken durch betrügerische Aktivitäten ihrer Mitarbeiter. Das Durchschnittsprofil eines Wirtschaftsbetrügers: Er ist männlich, arbeitet seit mehreren Jahren im Unternehmen und handelt selten allein.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG hat in einer internationalen Studie das Durchschnittsprofil eines Wirtschaftsbetrügers ermittelt: Dieser ist männlich, arbeitet seit mehreren Jahren im Unternehmen und handelt selten allein. Die Täter haben ähnliche Motive und bleiben trotz Warnsignalen oftmals lange unerkannt. Die Studienergebnisse zeigen, dass der Täteranteil in der obersten Führungsebene, aber auch unter den Angestellten zugenommen hat.

Letztes Jahr entgingen Schweizer Unternehmen 365 Millionen Franken durch betrügerische Aktivitäten ihrer Mitarbeiter - 1 Millionen US-Dollar sind es im europäischen Durchschnitt pro Fall. Neben den Täterangaben ermittelte KPMG zudem, wo die meisten Betrugsfälle stattfinden, was die Motive dazu sind und wie Betrugsfälle frühzeitig erkannt werden können.

Das Profil

Aufgrund der gesammelten Daten konnte ein spezifisches Profil eines Wirtschaftsbetrügers angefertigt werden. Ein durchschnittlicher Täter besitzt folgende Merkmale:

Er ist männlich,

36 bis 45 Jahre alt,

in einer Finanz-Funktion oder im finanznahen Bereich tätig,

befindet sich im Senior-Management,

arbeitet seit mehr als zehn Jahren für die gleiche Firma

und operiert gemeinsam mit anderen Tätern.

Regionale Unterschiede

Die meisten Betrugsdelikte werden nach wie vor von Männern begangen, ihr Anteil (87%) ist jedoch im internationalen Vergleich nicht überall gleich hoch. Vor allem in Amerika (22%) und Asien (23%) ist der Frauenanteil in den Kriminalstatistiken markant höher als in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMA), wo er nur acht Prozent beträgt. Dies hängt unter anderem mit dem tiefen Frauenanteil in Management-Postionen im europäischen Raum zusammen.

Betrüger in Amerika kollaborieren in 66 Prozent der Fälle mit anderen Personen, während dies in der EMA-Region nur 59 Prozent der Täter tun. Auch die Schweizer Betrüger arbeiten öfter gemeinsam, wie Anne van Heerden, Head of Risk & Compliance von KPMG Schweiz bestätigt: «Ein typischer Betrüger versucht beispielsweise, Geld von inaktiven Konten zu transferieren. Dieses Vorgehen bedingt oftmals die Zusammenarbeit mit externen Parteien oder internen Verbündeten.»

Ähnliche Ursachen

Die Motive für eine kriminelle Tat im Unternehmen sind zwar unterschiedlich, weisen aber zumeist gemeinsame Muster auf: Oftmals stehen die Täter unter finanziellem Druck aufgrund eines exzessiven Lebensstils, sie fühlen sich - gemessen an der getragenen Verantwortung - unterbezahlt oder sie betrügen, um hochgesteckte finanzielle Ziele zu erreichen. Daneben begünstigen weitere Faktoren Wirtschaftsdelinquenz: interne Kontrollen weisen Schwächen auf, dem Täter wird genügend Vertrauen entgegengebracht und er ist mit genügend Handlungsspielraum ausgestattet. Darüber hinaus ist der Eindruck von fehlender Wertschätzung (finanziell oder symbolisch) ebenfalls ein wichtiges Element.

Führungskräfte anfällig

Auffallend ist auch, dass der Täteranteil in der obersten Führungsebene (GL- und VR-Mitglieder) und im mittleren Management sowie unter Angestellten ohne Führungsverantwortung gegenüber der letzten Untersuchung von 2007 deutlich zugenommen hat. Einzig innerhalb des oberen Kaders («Senior Management») ist es zu einem deutlichen Rückgang der Betrugsfälle gekommen. «Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in den letzten Jahren gerade auf Ebene des Senior Managements vielerorts Programme zur Bekämpfung von Betrug eingeführt wurden. Dennoch ereignen sich auf dieser Ebene nach wie vor die meisten Betrugsfälle», sagt van Heerden.

Oftmals langjährige Mitarbeiter

Je länger ein Mitarbeiter in einem Unternehmen verweilt, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Wirtschaftsbetrug. Auch diesen Schluss legt die Studie nahe: 33 Prozent aller Betrugsdelikte werden von Angestellten begangen, die seit mehr als zehn Jahren im Unternehmen arbeiten. Dies kann mit dem steigenden Vertrauen, nachlässigeren Kontrollen, aber auch mit der Zunahme des Handlungsspielraums dieser Mitarbeiter erklärt werden. Ihr Anteil ist gegenüber dem Ergebnis der letzten Untersuchung (22%) deutlich gestiegen.

Warnsignale für Betrug

Es gibt diverse Warnsignale, die auf einen möglichen Betrug hindeuten. In 56 Prozent der Fälle sind solche Hinweise vor einem Betrugsfall vorhanden. Diese ziehen allerdings, wenn sie denn erkannt werden, keine Folgen nach sich. Gegenüber der letzten Untersuchung (45%) ist diese Zahl stark gestiegen. Mögliche Warnsignale sind:

Verweigerung von Ferien

auffällige Verhaltensänderungen (dominierendes, absolutes Verhalten)

aussergewöhnliche Grosszügigkeit

spezielles Interesse für spezifische Unternehmensabläufe

Spielsucht / exzessiver Lebensstil

fehlende oder unvollständige Dokumente

(ms/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Eine breite Allianz konzernkritischer Organisationen erhöht den Druck auf Schweizer Unternehmen.
Eine breite Allianz konzernkritischer ...
Allianz erhöht den Druck  Bern - Eine breite Allianz konzernkritischer Organisationen erhöht den Druck auf Schweizer Unternehmen. Nachdem sie das Thema Konzernverantwortung mit der Kampagne «Recht ohne Grenzen» auf die politische Agenda gebracht haben, lancieren sie nun eine Volksinitiative. mehr lesen 1
Energiesparen  Die kleinen und mittleren Unternehmen ... mehr lesen
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
Spezialisten verdienen durchschnittlich 113.000 Franken.
Studie zur Vergütung von Fachkräften  Die Saläre von Spezialisten und Sachbearbeitern in der Schweiz steigen in diesem Jahr ähnlich moderat wie in den vergangenen Jahren: ... mehr lesen  
IT-Zufriedenheit  Besonders junge Berufstätige wollen mit neuen IT-Geräten arbeiten. Fast die Hälfte ist mit dem PC unzufrieden und gibt schlechte Noten für die ... mehr lesen  
Mehr als die Hälfte der Berufstätigen würden gerne den Arbeitscomputer durch ein neues Gerät ersetzen.
AKTUELLE AUSGABE
AKTUELLE AUSGABE

» Hier abonnieren


Die Fachzeitschrift
für Geschäftsleitung und Verwaltungsrat von Unternehmen mit 10 - 250 Beschäftigten.

» Hier abonnieren


Agenda
Wichtige Termine für Entscheider

» Termine anzeigen

Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wieso eigentlich? Brauchen wir doch gar nicht, die Menschenrechte, nicht mal in der ... So, 12.04.15 18:01
  • JasonBond aus Strengelbach 4115
    Zürich Weltmetropole Die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. In 10 Jahren ... Do, 24.02.11 11:02
  • jorian aus Dulliken 1754
    Rohstoffpreise A Wer keine Gold oder Silbermünzen hat ist selbst schuld! EU ... Fr, 04.02.11 03:57
  • Midas aus Dubai 3810
    Wir alle haben schuld Sehen Sie die Beiträge zur Waffeninitiative im Vergleich zu Ihrem ... Fr, 04.02.11 02:48
  • mriedl aus Aurolzmünster 1
    Schuld haben die Politker Ein Beispiel, der Heizölverbrauch sink jährlich um 5%, Tendenz weiter ... Do, 03.02.11 14:23
  • jorian aus Dulliken 1754
    Buchtipp ... Sa, 08.01.11 11:26
  • Betriebsrentner aus Wörthsee 1
    Die Versicherungswirtschaft läßt grüßen!! Wieder ein Versuch, diesmal auf europäischer Ebene, Menschen in die ... So, 06.06.10 16:59
  • ochgott aus Ramsen 695
    Eine Statistik die keinen Menschen weiterhilft. Mi, 26.05.10 16:26
Energie sparen, Elektroauto
Startup News So spart man mit dem Elektroauto Die Anschaffung eines Elektroautos mag sich für manche ...
 
News
         
Nahaufnahme eines Lochblechs
Publinews Lochblech - was ist das überhaupt?  Lochblech findet inzwischen in vielen verschiedenen Bereichen Einsatz: in der Industrie, in der Architektur und sogar beim Kfz-Tuning. ... mehr lesen
Eine Schutzhaube sorgt dafür, dass nicht versehentlich Haare ins Essen fallen.
Publinews Schutzkleidung - ein absolutes Muss  Berufsbekleidung bedeutet so viel. In bestimmten Berufszweigen dient sie als Erkennungsmerkmal, das auf Tradition begründet ... mehr lesen
Publinews Interview  Als der Unternehmer Peter Baumann die pebe AG gründete, war ein Magnetstreifen auf einem Kontoblatt noch etwas Modernes. Heute beschäftigt uns ... mehr lesen
Das rege Messegeschehen aus der Vogelperspektive.
Publinews SOM & Swiss eBusiness Expo  Am 5. und 6. April trifft sich die Online-Branche in Zürich. Rund 80 Programmpunkte werden eindrucksvoll beweisen, ... mehr lesen
Was sind die Hausaufgaben für Schweizer Unternehmen bei der Digitalisierung?
Publinews Swiss Online Marketing & Swiss eBusiness Expo  Google, Post, Handel Schweiz, VSV, GS1: Am Mittwoch, den 5. April diskutieren Big Player und Marktexperten über das «Schreckgespenst Digitalisierung - ... mehr lesen
saleduck.ch, Luc van der Blij
Publinews Ziel: die teure Schweiz günstiger machen!  Das Affiliate Marketing ist heute ein nicht mehr wegzudenkender Teil eines jeden erfolgreichen e-Commerce Unternehmens. ... mehr lesen
Die Garage wird inzwischen auch gerne als Hobbywerkstatt genutzt.
Publinews Unglaublich, aber wahr: Die Entwicklung macht selbst vor Garagen und Torantrieben keinen Halt. Wer sich früher aufgrund eines geringen Budgets noch mit ... mehr lesen
Das Leben ist gut - auch mit Velo?
Publinews Verträumt und sinnlich verklärend mag da der eine oder andere (vermutlich) ältere Zeitgenosse in den notorisch beschworenen «guten alten Zeiten» schwelgen, als ein Velo noch ... mehr lesen
Eine Hütte in den Schweizer Bergen - doch bis man sie erst einmal gefunden hat...
Publinews Pauschalreisen, klassische Hotelzimmer mit Zimmerservice, Essenspaketen und Getränke inklusive à Pauschalreisen, klassische ... mehr lesen
Die Besucher erwarten zwei kompakte Tage, an denen sich alles um Digital Marketing und E-Business dreht.
Publinews Swiss Online Marketing und Swiss eBusiness Expo  Swiss Online Marketing und Swiss eBusiness Expo sind das jährliche Gipfeltreffen für Digital Marketing und E-Business. Am 5. und 6. April ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
Zürich Musiki Cemiyeti Z C M 2014 ZÜRICH Logo
17.11.2017
Alpineline Logo
17.11.2017
IRV Interkantonaler Rückversicherungsverband UIR Union intercantonale de réassurance Logo
17.11.2017
17.11.2017
Grillland Logo
16.11.2017
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 2°C 6°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 4°C 7°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 1°C 2°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 3°C 6°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 3°C 5°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 3°C 7°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Lugano 5°C 12°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten