
Letztes Jahr entgingen Schweizer Unternehmen 365 Millionen Franken durch betrügerische Aktivitäten ihrer Mitarbeiter. Das Durchschnittsprofil eines Wirtschaftsbetrügers: Er ist männlich, arbeitet seit mehreren Jahren im Unternehmen und handelt selten allein.
Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG hat in einer internationalen Studie das Durchschnittsprofil eines Wirtschaftsbetrügers ermittelt: Dieser ist männlich, arbeitet seit mehreren Jahren im Unternehmen und handelt selten allein. Die Täter haben ähnliche Motive und bleiben trotz Warnsignalen oftmals lange unerkannt. Die Studienergebnisse zeigen, dass der Täteranteil in der obersten Führungsebene, aber auch unter den Angestellten zugenommen hat.
Letztes Jahr entgingen Schweizer Unternehmen 365 Millionen Franken durch betrügerische Aktivitäten ihrer Mitarbeiter - 1 Millionen US-Dollar sind es im europäischen Durchschnitt pro Fall. Neben den Täterangaben ermittelte KPMG zudem, wo die meisten Betrugsfälle stattfinden, was die Motive dazu sind und wie Betrugsfälle frühzeitig erkannt werden können.
Das Profil
Aufgrund der gesammelten Daten konnte ein spezifisches Profil eines Wirtschaftsbetrügers angefertigt werden. Ein durchschnittlicher Täter besitzt folgende Merkmale:
Er ist männlich,
36 bis 45 Jahre alt,
in einer Finanz-Funktion oder im finanznahen Bereich tätig,
befindet sich im Senior-Management,
arbeitet seit mehr als zehn Jahren für die gleiche Firma
und operiert gemeinsam mit anderen Tätern.
Regionale Unterschiede
Die meisten Betrugsdelikte werden nach wie vor von Männern begangen, ihr Anteil (87%) ist jedoch im internationalen Vergleich nicht überall gleich hoch. Vor allem in Amerika (22%) und Asien (23%) ist der Frauenanteil in den Kriminalstatistiken markant höher als in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMA), wo er nur acht Prozent beträgt. Dies hängt unter anderem mit dem tiefen Frauenanteil in Management-Postionen im europäischen Raum zusammen.
Betrüger in Amerika kollaborieren in 66 Prozent der Fälle mit anderen Personen, während dies in der EMA-Region nur 59 Prozent der Täter tun. Auch die Schweizer Betrüger arbeiten öfter gemeinsam, wie Anne van Heerden, Head of Risk & Compliance von KPMG Schweiz bestätigt: «Ein typischer Betrüger versucht beispielsweise, Geld von inaktiven Konten zu transferieren. Dieses Vorgehen bedingt oftmals die Zusammenarbeit mit externen Parteien oder internen Verbündeten.»
Ähnliche Ursachen
Die Motive für eine kriminelle Tat im Unternehmen sind zwar unterschiedlich, weisen aber zumeist gemeinsame Muster auf: Oftmals stehen die Täter unter finanziellem Druck aufgrund eines exzessiven Lebensstils, sie fühlen sich - gemessen an der getragenen Verantwortung - unterbezahlt oder sie betrügen, um hochgesteckte finanzielle Ziele zu erreichen. Daneben begünstigen weitere Faktoren Wirtschaftsdelinquenz: interne Kontrollen weisen Schwächen auf, dem Täter wird genügend Vertrauen entgegengebracht und er ist mit genügend Handlungsspielraum ausgestattet. Darüber hinaus ist der Eindruck von fehlender Wertschätzung (finanziell oder symbolisch) ebenfalls ein wichtiges Element.
Führungskräfte anfällig
Auffallend ist auch, dass der Täteranteil in der obersten Führungsebene (GL- und VR-Mitglieder) und im mittleren Management sowie unter Angestellten ohne Führungsverantwortung gegenüber der letzten Untersuchung von 2007 deutlich zugenommen hat. Einzig innerhalb des oberen Kaders («Senior Management») ist es zu einem deutlichen Rückgang der Betrugsfälle gekommen. «Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass in den letzten Jahren gerade auf Ebene des Senior Managements vielerorts Programme zur Bekämpfung von Betrug eingeführt wurden. Dennoch ereignen sich auf dieser Ebene nach wie vor die meisten Betrugsfälle», sagt van Heerden.
Oftmals langjährige Mitarbeiter
Je länger ein Mitarbeiter in einem Unternehmen verweilt, desto höher die Wahrscheinlichkeit für Wirtschaftsbetrug. Auch diesen Schluss legt die Studie nahe: 33 Prozent aller Betrugsdelikte werden von Angestellten begangen, die seit mehr als zehn Jahren im Unternehmen arbeiten. Dies kann mit dem steigenden Vertrauen, nachlässigeren Kontrollen, aber auch mit der Zunahme des Handlungsspielraums dieser Mitarbeiter erklärt werden. Ihr Anteil ist gegenüber dem Ergebnis der letzten Untersuchung (22%) deutlich gestiegen.
Warnsignale für Betrug
Es gibt diverse Warnsignale, die auf einen möglichen Betrug hindeuten. In 56 Prozent der Fälle sind solche Hinweise vor einem Betrugsfall vorhanden. Diese ziehen allerdings, wenn sie denn erkannt werden, keine Folgen nach sich. Gegenüber der letzten Untersuchung (45%) ist diese Zahl stark gestiegen. Mögliche Warnsignale sind:
Verweigerung von Ferien
auffällige Verhaltensänderungen (dominierendes, absolutes Verhalten)
aussergewöhnliche Grosszügigkeit
spezielles Interesse für spezifische Unternehmensabläufe
Spielsucht / exzessiver Lebensstil
fehlende oder unvollständige Dokumente
(ms/sda)

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