Bundesrat Merz steht seit Wochen in der Kritik. Nun will der Bundesrat rasch auf die Kritik reagieren, die die Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) am Verhalten der Regierung im Zusammenhang mit der UBS-Affäre übt. news.ch hat sich mit SVP-Nationalrat Lukas Reimann über den GPK-Bericht, die Amtshilfe-Problematik und die Tragbarkeit der Schweizer Regierung unterhalten.
Lukas Reimann: Tatsächlich ist der heutige Bundesrat nicht in der Lage, die Schweiz so zu führen, wie es von einer fähigen Exekutive zu erwarten ist. Der Bericht zeigt das Versagen der zuständigen Departementsvorsteher sowie die Unfähigkeit des Gesamtbundesrates zur Bewältigung der Krise auf. Schockierend ist die Tatsache, dass das Geschäft offenbar während Monaten kaum geführt wurde, und dass wichtige Entscheide des Bundesrates und deren Entstehung nicht dokumentiert wurden.
news.ch:Bundesrat Merz habe ausserdem vor seinen Regierungskollegen relevante Informationen aus Angst vor Indiskretionen verheimlicht – ist ein Bundesrat in dem Misstrauen herrscht, überhaupt regierungsfähig?
Lukas Reimann: Tatsächlich gibt es immer wieder Indiskretionen aus dem Bundesrat. Von Kollegialität und Teamwork ist nichts zu spüren. Christoph Blocher wurde abgewählt mit der Begründung, er schade der Kollegialität und Zusammenarbeit der Bundesräte. Seit seiner Abwahl hat sich die Situation aber massiv verschärft. Der heutige Bundesrat stellt in diesem Zustand ein grosses Risiko für die Stabilität und Zukunft unseres Landes dar.
news.ch: Bundesrat Merz wird auch in der Amtshilfe-Problematik scharf für seine Führungsschwäche und Informationspolitik kritisiert. Ist dieser Mann in der Schweizer Regierung noch tragbar?
Lukas Reimann: Bei verschiedenen Bundesrätinnen und Bundesräten stellt sich die Frage nach der Tragbarkeit. Frischer Wind und neue Ideen würden dem Gremium auf alle Fälle gut tun und hoffentlich wieder Kraft und Motivation verleihen, um für die Zukunft der Schweiz erfolgreich zu arbeiten.
«Im Bundesrat sitzen oft profillose Taktierer»
news.ch: Laut GPK-Bericht hat es an den elementarsten Mitteln der Teamarbeit im Bundesrat gemangelt. Woran liegt es, dass der Bundesrat scheinbar innerlich so zerrissen ist, dass er nach aussen nicht mehr effektiv handeln kann?
Lukas Reimann: Primär ist es ein personelles Problem. Nicht die stärksten und kompetentesten Persönlichkeiten sind im Bundesrat, sondern oft profillose Taktierer, welche im Parlament geschickt Allianzen schmiedeten. Hier stellt sich die Frage nach dem Wahlmodus des Bundesrates. Eine Volkswahl bringt eine Entschärfung der Probleme und stärkt den Bundesrat über die direkte Legitimation durch das Volk.
news.ch: Liest man im GPK-Bericht, wie es zur Übergabe der Bankkundendaten kam, kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Schweiz hier zwischen der UBS und den USA in einer fast unlösbare Klemme gebracht wurde. Wie lassen sich solche Desaster in Zukunft vermeiden?
Lukas Reimann: Die Schweiz ist weder den USA noch der UBS verpflichtet, sondern ihren Bürgern, der Bundesverfassung und dem Rechtsstaat. Deshalb ist das US-UBS-Amtshilfeabkommen abzulehnen. Die «too-big-to-fail»-Problematik der Grossbanken muss aber rasch angegangen werden, damit die Schweiz unabhängiger handeln kann und nicht indirekt erpressbar wird.
«Kleinstaaten überstehen Krisen viel besser»
news.ch: Die USA haben ohne Respekt für unsere Rechtsordnung einseitig Druck aufgebaut – haben Kleinstaaten überhaupt noch eine Chance, sich in der heutigen Welt gegen Grossmächte durch zu setzten?
Lukas Reimann: Ja! In der Krise zeigt sich sehr eindrücklich, dass Kleinstaaten die Krise viel besser überstehen und eine höhere Flexibilität in ihren Handlungen aufweisen. Insbesondere unsere Nicht-Mitgliedschaft in der EU und beim Euro hat uns vor weiterem Unheil bewahrt. Um sich in der globalisierten Machtpolitik durchzusetzen, braucht es aber von der schweizerischen Behörden dringend mehr Selbstbewusstsein und Widerstandskraft. Wir sind nicht derart schwach, dass wir allen Forderungen aus dem Ausland gleich nachgeben müssen. Mit unserer Innovationskraft und einer freiheitlich-demokratischen Politik haben wir weiterhin gute Karten in der Hand, um eines der wohlhabendsten und attraktivsten Länder der Welt zu bleiben. Nur muss die Politik diese Karten auch spielen.
news.ch: Das ganze Problem sei erst durch den Rechtsbruch der UBS in den USA entstanden und wegen der immensen Bedeutung der UBS für die Schweiz war es nicht möglich, diesen Finanzkonzern einfach die rechtlichen Konsequenzen seines Handelns tragen zu lassen und wurde dadurch erpressbar. Gibt es Möglichkeiten, ein solches Desaster in der Zukunft zu vermeiden?
Lukas Reimann: Die Folgen für die UBS werden überschätzt. Trotzdem: Es braucht Massnahmen. Präventiv wirkt die empfohlene Erhöhung der Anforderungen in den Bereichen Eigenmittel, Liquidität und Risikoverteilung. Dies ist das zentrale Element zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz einer systemrelevanten Bank. Da eine Verschärfung der Krise nicht ausgeschlossen werden kann, sind aber auch schadensbegrenzende Massnahmen nötig. In diesem Bereich sind Eingriffe in die Organisation, wie Struktur, Führung, Kontrolle sowie konzerninterne Liquiditäts- und Kapitalflüsse zu prüfen, welche zur Weiterführung von systemrelevanten Funktionen im Falle einer Insolvenz der Bank notwendig sind.
news.ch: Der Gesamt-Bundesrat verzichtete auf Drängen von Bundesrat Merz auf das Führen von Protokollen in der Sache UBS. Ist dies in einer Demokratie tolerierbar?
Lukas Reimann: Ganz klar Nein – das ist nicht tragbar, dubios und macht misstrauisch. Es stellt sich die Frage, was hier verheimlicht werden musste.
«Tragweite der Ereignisse erfordert zwingend eine PUK»
news.ch: Wie stehen Sie dazu, dass es sehr wahrscheinlich keine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) zu der Angelegenheit geben wird?
Lukas Reimann: Hier wird gezielt vertuscht und Transparenz verhindert! Im Bericht fehlen wichtige Abklärungen. So werden beispielsweise die Umstände, welche zur widerrechtlichen Herausgabe von 285 UBS-Kundendaten an die USA im Februar 2009 sowie zum Abschluss des verhängnisvollen Staatsvertrages Schweiz/USA im August 2009 geführt haben, nur ungenügend ausgeleuchtet. Im Weiteren sind verschiedene Schnittstellenbereiche nur oberflächlich behandelt. Es handelt sich um rechtsstaatlich äusserst gravierende Vorgänge, die lückenlos aufzuarbeiten sind. Dies kann nur eine PUK mit den ihr zur Verfügung stehenden umfassenden Instrumenten gewährleisten. Die Tragweite der Ereignisse erfordert deshalb zwingend die Einsetzung einer PUK.
news.ch: Welche Lehren müssen Ihrer Meinung nach aus der Krise für die Schweiz gezogen werden?
Lukas Reimann: Die Schweiz muss sich auf ihre erfolgreichen Werte zurückbesinnen und ihr Führungsproblem, welches in der Landesregierung besteht, rasch lösen. Demokratie, Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit müssen wiederhergestellt werden.
Auch sollte sie ein Krisenmanagement vorbereiten, das alle möglichen Situation durchdenkt, um für alle möglichen Zukunftsszenarien gerüstet zu sein. Wichtig bleibt, das Land mit tiefen Steuern, wenig Regulierungen und einer tiefen Schuldenlast attraktiv zu halten. Auch muss unser Land selbstbewusster gegenüber dem Ausland auftreten und möglichst von anderen Staaten unabhängig bleiben. Die Unabhängigkeit könnte fiskal beispielsweise über eine hohe Golddeckung des Frankens als Absicherung, über den Rückzug des EU-Beitrittsgesuches und über einen Austritt aus dem IWF verstärkt werden.
(et/sl/news.ch)
Ach nein der ist ja schon dabei alle möglichen Situationen durchzudenken, um für alle möglichen Zukunftsszenarien gerüstet zu sein.
(((für alle möglichen Zukunftsszenarien gerüstet zu sein.)))
Da hat wohl einer zuviel Jules Verne gelesen.
Beim Fall der UBS hat die Regierung wirklich keine gute Falle gemacht und bei Lybien... Nja, da war sicher kein böser Wille dahinter, eher Naivität.
SVPler Reimann wäre mit sicherheit ein Super Bundesrat, generell zeichnen sich die Bundesräte dieser Partei durch ihre Staatstragende und kollegiale Art aus. Diese Herren haben unser Land wirklich weitergebracht und mitgeholfen das in unserem Land konstruktiv Politik gemacht wird........
Ernsthaft, der Bundesrat gehört sicher revormiert, aber glaubt irgend jemand das die SVP dafür die richtigen Leute hat? Denen geht es nur um den Kravall.
z.B der Rückzug des EU Betrittsgesuch ändert ja wohl kaum was. Golddeckung vom Franken könnte OK sein.
Auch den Austritt aus dem IWF halt ich für ein Land der Banken nicht gerade clever.
Nur sind wir mal ehrlich, dass solche Änderungen an der Führungskriese gar nichts ändern.
Die SVP kann halt vor allem mal gut meckern, andere anschwärzen und von eigenen Schwächen ablenken. Leider überwiegt das meistens die guten Ansätze in dieser Partei.
Der Bundesrat ist aber wirklich nicht fähig die Schweiz zu führen in diesen Zeiten.
Das kann man nicht wegreden.
Das Merz noch ins Bundeshaus gelassen wird, ist ein Skandal. Nach dem GPK Bericht, von dem man jetzt weiss, dass brisante Dokumente absichtlich nicht beigefügt wurden, ist klar, Merz hat komplett versagt.
In jedem anderen Land wäre Merz schon lange weg. Na dann freuen wir uns doch auf den Bericht über die Libyen Affäre...
Falls die SVP noch irgendeinen Sinn beinander hat, wird sie zusammen mit der SP und evtl. noch anderen kleinen Parteien die PUK durchsetzen, damit der ganze Schlamassel mal richtig aufgedeckt wird und nicht die UBS immer geschützt wird, oder eigene Bundesräte.
:
Lukas Reimann: Die Schweiz muss sich auf ihre erfolgreichen Werte zurückbesinnen und ihr Führungsproblem, welches in der Landesregierung besteht, rasch lösen. Demokratie, Rechtssicherheit und Rechtsstaatlichkeit müssen wiederhergestellt werden.
Auch sollte sie ein Krisenmanagement vorbereiten, das alle möglichen Situation durchdenkt, um für alle möglichen Zukunftsszenarien gerüstet zu sein. Wichtig bleibt, das Land mit tiefen Steuern, wenig Regulierungen und einer tiefen Schuldenlast attraktiv zu halten. Auch muss unser Land selbstbewusster gegenüber dem Ausland auftreten und möglichst von anderen Staaten unabhängig bleiben. Die Unabhängigkeit könnte fiskal beispielsweise über eine hohe Golddeckung des Frankens als Absicherung, über den Rückzug des EU-Beitrittsgesuches und über einen Austritt aus dem IWF verstärkt werden.
Zu Überdenken wäre auch die Grundeinstellung eines obersten Gremiums der Schweiz. Wir sollten zurück kommen zum Ansatz was der Politiker für die Schweiz (und deren Volk) tun kann und nicht in erster Linie Zeit darin investiert, möglichst lange auf einem Sessel zu sitzen dessen Funktion er gar nicht wahrnehmen kann nur um sich und weiss ich wem (unter anderem geht es ja auch um Geld) zu beweisen, wie gut doch sein persönliches Sesselkleben funktioniert.
Vielleicht sollte man diese bestehenden Bundesrats-Sitze mal in Rodeo-Stühle umbauen... Sorry hat nichts mit der Sache zu tun aber das Bild gefällt mir....
Wir sollten uns grundlegende Gedanken über das System machen. Das Parlament ist aber leider auch unfähig etwas auf die Beine zu kriegen. Die beschäftigen sich 1 Tag nach der Wahl, hauptsächlich mit ihrer nächten Wiederwahl.
Die Wahltaktik steht an der ersten Stelle. Wenn bisdahin das Volk noch nicht verhungert ist, haben sie Zeit ihnen einen alten Knochen zuzuwerfen.
Übrigens von Reinmann halte ich gar nichts. Ich hatte noch nie eine konstruktivern Vorschlag oder einen Lösungsansatz aus seinem Mund gehört.
Ebenso verstehe ich den Artikel auch nicht als Pro-Blocher - in keiner Weise. Es ging doch her darum Fakten aufzuzeigen, welche grundsätzlich noch viel gravierender sind als hier tatsächlich dargestellt.
Seit Wochen deuten alle Zeichen darauf hin, dass viele Ungereimtheiten - im Speziellen bei der UBS-Geschichte und dauernd wird nur ums Thema herum geschrieben.
Bedauerlich für unseren Staat von solch einem heuchlerischen Verein "geführt" zu werden.
Es gibt diverse andere politische Themen die ähnlich absurd gelagert sind und nicht bzw. gar nicht erwähnenswert erscheinen.
Ich begrüsse die Ansätze des Grünschnabels, uns wieder auf die Stärken des Kleinstaates Schweiz zu besinnen. Die Forderung nach dem Austritt aus dem IWF habe ich schon öfters gemolden - auch dem Bundesrat selbst (der es übrigens nicht mal nötig hat, sich mit den Bürgern auseinanderzusetzen).
Es wird Zeit, dass Exponenten wie Herr Reimann, die sich getrauen, die Probleme der Regierung ( uns damit diejenigen, welche jeden einzelnen Schweizer Bürger betreffen) beim Namen zu nennen.
Ich bin wie Sie BigBrolther der Meinung, dass wie das Kompetenzproblem nicht mit einer Volkswahl lösen - Nein wir lösen den Bundesrat auf - per dringlichen Volksvbeschluss, ein Recht, welches wir uns mit einer Volksinitiative erwerben und darüber abstimmen. So die sind wenigstens Volksbeschlüsse legitim.
Danach richten wir einen Ältestenrat und einen Kinderrat ein, welcher nur bei
Einigkeit beschlussfähig ist.
Ich freue mich auf grundlegende Änderungen am Schweizer Regierungssystem. Die Zeit dafür wäre mehr als nur reif.
- thomy aus Bern 3503
Ich denke auch so: Mir erscheint es und erschien es in den letzten Jahren immer mehr, dass ... gestern 17:41 - shimano aus Therwil 114
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