Den Blutzucker übers Auge bestimmen
publiziert: Freitag, 10. Nov 2006 / 08:10 Uhr / aktualisiert: Freitag, 10. Nov 2006 / 13:46 Uhr

Die Firma EyeSense AG hat eine neue Methode entwickelt, mit der Diabetiker ihren Blutzucker bestimmen können. Ein kleines Implantat im Auge soll das lästige in den Finger Stechen erübrigen.

Monitoring of glucose by inconvenient finger-pricking was yesterday - with eyesense the future has just begun
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Bis zu fünfmal täglich müssen sich Diabetiker die Fingerbeeren stechen, um in einem Bluttropfen den Zuckergehalt zu bestimmen. Dies ist schmerzhaft und in der Öffentlichkeit aus hygienischen Gründen ungern gesehen. Für die stetig steigende Zahl an Diabetikern hat die Firma EyeSense AG nun eine wesentlich einfachere Technik zur Blutzuckerüberwachung entwickelt.

Unter die Bindehaut des Auges setzt sie einen drei Millimeter breiten und sehr dünnen Chip ein, „Insert“ genannt, der den Zuckergehalt im Bindegewebe misst. Dieser Wert ist kompatibel mit dem Zuckergehalt im Blut. Der Träger des Inserts kann den Blutzuckerwert mittels eines Handphotometers in der Grösse eines Mobiltelefons ablesen, indem er dieses kurz vors Auge hält. Die Einpflanzung erfolgt unter lokaler Betäubung in lediglich drei Minuten. Danach braucht sich der Diabetiker ein Jahr lang nicht mehr zu kümmern.

Der Träger spürt nichts

Erste Tests verliefen vielversprechend. „Das Insert stört den Sehbereich des Auges nicht, ist unsichtbar und erzeugt kein Fremdkörpergefühl“, unterstreicht Peter Herbrechtsmeier, General Manager von EyeSense. Bei Versuchspersonen seien nach dem Entfernen des Chips keinerlei Vernarbungen nachweisbar gewesen. Trotzdem dürfte es noch rund vier Jahre dauern, bis das Produkt marktreif ist.

EyeSense ist als Spinoff-Company aus der Novartis-Tochter Ciba Vision hervorgegangen, bei der Herbrechtsmeier zuvor eine leitende Stellung innehatte. Der Patentschutz für die neue Diagnosetechnik besteht denn auch bereits seit drei Jahren, die Firmengründung erfolgte jedoch erst im vergangenen März. Finanzielle Mittel erhält das Unternehmen aus dem Novartis Venture Fond, sowie von BioMedinvest.

Derzeit arbeiten 11 Wissenschaftler und Manager bei EyeSense. „Wir wollen die Mitarbeiterzahl eher klein halten und setzen auf externe Kooperationen“ erklärt der Unternehmer seine Geschäftsstrategie. Das Klima für Firmengründungen in der Schweiz schätzt Herbrechtsmeier als sehr innovativ ein.

Grosser Markt wegen Fehlernährung

Mit der epidemischen Zunahme von Fehlernährung und Fettleibigkeit wird die Zahl der Diabetiker weltweit zunehmen. Eine niederschwelligere Blutzuckerbestimmung kann helfen, Folgekrankheiten wie Durchblutungsstörungen in den Extremitäten, Einbusse der Sehkraft und Nierenschäden einzudämmen. EyeSense steht zwar bezüglich neuer Diagnosetechniken in Konkurrenz mit anderen Firmen. Diese würden jedoch mit Implantaten im Bauchbereich arbeiten, wo Abstossungen und Vernarbungen häufig seien, erklärt der General Manager. „Wir sind die einzigen, die das Auge nutzen“, ist er von seiner Innovation überzeugt.

(as/IFJ)

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