Finanzielle Unterstützung zu gering - Rückzug droht
Demenz in England: Pharmariesen fehlt Beistand
publiziert: Freitag, 21. Sep 2012 / 11:15 Uhr / aktualisiert: Freitag, 21. Sep 2012 / 11:37 Uhr
Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Grossbritannien mehr als 800'000 Menschen dement sind. (Archivbild)
Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Grossbritannien mehr als 800'000 Menschen dement sind. (Archivbild)

Alzheimer's Research UK sieht eine ernste Gefahr, dass sich Pharmaunternehmen ohne weitere finanzielle Unterstützung aus der Demenzforschung zurückziehen könnten. Es seien mehr finanzielle Mittel seitens der britischen Regierung erforderlich, um zu verhindern, dass sich die Pharmaindustrie aus der Suche nach neuen Medikamenten zurückzieht. Zwei Studien sind bereits gescheitert.

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Diese Warnung folgt auf enttäuschende Ergebnisse bei klinischen Studien. Laut der Association of the British Pharmaceutical Industry wird derzeit an mehr als 200 Medikamenten gegen Alzheimer geforscht. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Grossbritannien mehr als 800'000 Menschen dement sind. Der Grossteil leidet an Alzheimer. Die Anzahl der Betroffenen steigt rasch an und damit auch der Bedarf nach neuen und wirksamen Medikamenten.

Dennoch sind in diesem Sommer zwei grosse klinische Studien gescheitert. Die Medikamente Bapineuzumab und Solanezumab waren nicht so wirksam wie die Forscher gehofft hatten. Alzheimer's Research UK befürchtet jetzt, dass Unternehmen die Entscheidung treffen könnten, dass der Einsatz von Ressourcen für die Forschung zu riskant sein könnte. Laut dem wissenschaftlichen Direktor Eric Karran sind diese Rückschläge sehr enttäuschend.

«Wenn man ein Unternehmen betreibt und die Option besteht, wichtige neue Medikamente gegen Krebs, Diabetes oder in der Neurowissenschaft zu entwickeln, dann wird man eher in Bereiche investieren, die einen besseren Ertrag versprechen», kritisiert Karran. Er spricht sich zudem für ein neues Finanzierungsmodell aus, das sicherstellen soll, dass sich die Pharmaindustrie nicht aus der Suche nach neuen Medikamenten gegen Demenzerkrankungen zurückzieht.

Nur 66 Mio. Pfund bis 2015

Im März dieses Jahres hat der britische Premierminister David Cameron erklärt, zusätzliche Forschungsmittel als einen zentralen Teil seiner Strategie zur Bekämpfung der «nationalen Demenzkrise» zu machen. Bis zum Jahr 2015 sollen die Mittel auf insgesamt 66 Mio. Pfund (rund 99 Mio. CHF) ansteigen.

Andrew Chidgey von der Alzheimer's Society betont, dass die zur Verfügung gestellten Mittel angesichts der Ausmasse des Problems immer noch zu gering ausfallen. «Derzeit gib es 150 Mal so viele klinische Studien zur Behandlung von Patienten in den letzten Stadien einer Krebserkrankung als zu Alzheimer. Einer von drei Menschen über 65 Jahren wird an den Folgen einer Demenzerkrankung sterben», so seine nüchterne Einschätzung.

(bert/pte)

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