Kein Zucker mehr
Coca-Cola-Produktion in Venezuela gestoppt
publiziert: Dienstag, 24. Mai 2016 / 06:27 Uhr
Coca-Cola ist in Venezuela ein beliebtes Getränk.
Coca-Cola ist in Venezuela ein beliebtes Getränk.

San Francisco - In Venezuela ist die Produktion von Coca-Cola wegen Zuckerknappheit gestoppt worden. Die Lieferanten hätten den Konzern informiert, dass aufgrund fehlender Rohstoffe die Zucker-Herstellung derzeit ruhe, sagte eine Sprecherin.

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Entsprechend könne auch das Süssgetränk nicht produziert werden. Die Produktion von Getränken wie Wasser und Coca-Cola Light sei nicht betroffen und laufe weiter. Man sei mit Zuliefern und Regierungsbehörden im Gespräch, «um die notwendigen Massnahmen zur Lösung der Situation zu ergreifen.»

In dem Land mit den grössten Ölreserven der Welt ist die braune Brause sehr beliebt und war zuletzt oft einfacher zu bekommen als Wasser, das auch zum Mangelprodukt wird. Venezuela steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Bevölkerung leidet unter einem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten sowie unter extremer Inflation. Auch Strom ist knapp. Zum Teil fehlt in Spitälern Sauerstoff zur Beatmung von Patienten.

Erst Ende April hatte Polar, der grösste Bierbrauer Venezuelas, wegen Gersten-Mangels seine Produktion in allen vier Produktionsstätten vorläufig eingestellt. Schuld sei die Devisenpolitik der Regierung, die es unmöglich mache, weitere Gerste aus dem Ausland einzuführen. Polar hat Schulden von 170 Millionen US-Dollar seit über zwei Jahren angehäuft und alle Kreditlinien sind erschöpft.

Angst vor Besetzung der Fabriken

Wie das Portal «El Nacional» berichtete, bewachen Arbeit von Polar, das 80 Prozent des Bieres in Venezuela produziert und der grösste private Lebensmittelkonzern ist, die vier Produktionsstätten, weil sie eine Besetzung befürchten.

Präsident Nicolás Maduro hat per Dekret den Ausnahmezustand verhängt und das Militär und von den Sozialisten kontrollierte Bürgerwehren ermächtigt, notfalls mit Waffengewalt die Lebensmittelversorgung im Land sicherzustellen.

Venezuela, einst prosperierend durch die hohen Öleinnahmen, steht kurz vor dem Ruin. Trotzdem hält Maduro an üppigen Sozialprogrammen fest. Durch die höchste Inflation der Welt können die Menschen aber immer weniger für ihr Geld kaufen, zudem gibt es wegen Devisenmangels kaum noch ausreichend Lebensmittel und Medikamente, die eingeführt werden können. Die Versorgung wird stark rationiert, immer wieder kommt es zu Plünderungen, zudem ist die Gewaltrate weiter gestiegen.

Etwa 95 Prozent der Deviseneinnahmen Venezuelas speisen sich aus dem Verkauf von Erdöl, der ist zum einen eingebrochen, zum anderem komplett staatlich organisiert. Gerade private Unternehmen kommen kaum noch an Devisen. Zwar stieg der Ölpreis zuletzt wieder, aber in diesem Jahr liegt der Preis für venezolanisches Erdöl bisher bei im Schnitt 28,70 US-Dollar je Fass, nach 44,65 Dollar 2015 und 88,42 Dollar im Jahr 2014.

«Dem Hunger den Krieg erklären»

Mit dem Dekret werden auch Rechte des von der Opposition dominierten Parlaments eingeschränkt, zudem warnte Maduro vor einer Invasion, 520'000 Soldaten, Reservisten und Freiwillige, beteiligten sich am Wochenende an einer Militärübung. Oppositionsführer Henrique Capriles, der bei der Präsidentenwahl 2013 knapp gegen Maduro verloren hatte, betonte mit Blick darauf: «Den Krieg, den man in Venezuela erklären muss, ist der gegen den Hunger.»

Der Gouverneur des Bundesstaates Miranda wirft dem Nachfolger des 2013 gestorbenen Staatschefs Hugo Chávez vor, einen Staatsstreich zu planen, um das vom Oppositionsbündnis «Tisch der demokratischen Einheit» (MUD) auf den Weg gebrachte Referendum zu Maduros Abwahl zu verhindern. Im Dezember hatte die Opposition die Parlamentswahl klar gewonnen.

Die Regierung will ein Referendum noch 2016 verhindern, da es dann Neuwahlen geben müsste. Findet es hingegen weniger als zwei Jahre vor Ende des Mandats Maduros statt und er würde abgewählt, würde der Vizepräsident gemäss der Verfassung die Amtsgeschäfte übernehmen - derzeit ist das Aristóbulo Istúriz, ebenfalls Sozialist.

(bg/sda)

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Solange die Einnahmen sprudelten, hatte der Staat auch keinen hinreichenden Anlass, etwas gegen die Selbstbereicherung, Verschwendung und Misswirtschaft zu unternehmen, denn für die arme Bevölkerungsmehrheit fielen immer noch genug Brosamen ab, um nicht aufzubegehren. Jetzt, wo der internationale Erdölpreis im Keller ist, droht das System zusammenzubrechen.
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