Christliche Hilfswerke gegen Nahrungsmittelspekulation
publiziert: Dienstag, 17. Sep 2013 / 16:33 Uhr
Die Schweizer Banken - allen voran die CS - reden ihren Einfluss bei Nahrungsmittelspekulationen klein.
Die Schweizer Banken - allen voran die CS - reden ihren Einfluss bei Nahrungsmittelspekulationen klein.

Bern - Schweizer Banken sollen die unethische Spekulation auf Nahrungsmittel stoppen, fordern die Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer. Nach ihren Angaben bieten in der Schweiz zehn Banken Finanzprodukte mit Anlagen auf Agrarrohstoffe wie Weizen, Mais oder Reis an.

Entwicklung von Exportmärkten für die Food Industrie
9 Meldungen im Zusammenhang
Diese hätten ein Volumen von 3,6 Mrd. Franken, heisst es in der am Dienstag veröffentlichten Studie. Der mit Abstand grösste Schweizer Anbieter solcher Finanzprodukte ist mit einem Volumen von 2,4 Mrd. Fr. demnach die CS-Gruppe.

Auf Platz zwei dieser Liste rangieren die Privatbank J. Safra Sarasin und die Grossbank UBS mit je rund 340 Mio. Fr. Agrar-Investitionen. Aber auch die Waadtländer und die Zürcher Kantonalbank sind unter den ersten Zehn platziert.

Die Hilfswerke argumentieren, die Spekulation auf Nahrungsmittel führe zu starken Preisschwankungen auf den Rohwarenbörsen. Dies gehe schliesslich zu Lasten der Ärmsten, die ohnehin zwischen 50 und 90 Prozent ihres monatlichen Einkommens für Lebensmittel aufwenden müssten. Zudem führe die Spekulation in vielen Teilen der Welt, insbesondere in den Ländern des Südens, zu mehr Hunger.

An die Schweizer Banken - und allen voran an die Credit Suisse - wird daher der Appell gerichtet, sich aus dem «unethischen Geschäft» zurückzuziehen und die Spekulation auf Agrarrohstoffe zu stoppen.

CS leitet Teilausstieg ein

Die CS lässt diesen Vorwurf nicht einfach auf sich sitzen: «Die Credit Suisse betreibt keinen Eigenhandel mit Agrarrohstoffen und führt ausschliesslich Transaktionen im Auftrag von Kunden aus», teilte die Bank auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit.

Die wenigen CS-Anlageprodukte, die einzig in Nahrungsmittel investierten, würden mit dem Ende ihrer Laufzeit nicht mehr verlängert und damit vom Markt entfernt. Es würden auch keine neuen solche Produkte aufgelegt. Diesen Ausstieg hat die CS laut ihrem Sprecher Marc Dosch bereits im April angekündigt. Die Grossbank nähme die Bedenken über die Rolle der Finanzmärkte in diesem Bereich ernst.

Die Autoren sprechen in ihrer Studie jedoch viel allgemeiner von «Investmentfonds, bei denen mindestens ein Teil des Kapitals in Agrarrohstoffen angelegt ist», und schliessen sogenannte Mischfonds mit ein. Sie fordern entsprechend einen Stopp jeglicher Finanzanlagen auf Agrarrohstoffe.

Weitere Ursachen

Die Untersuchung der Hilfswerke basiert ausschliesslich auf Zahlen von öffentlich zugänglichen Finanzprodukten. Nicht öffentlich zugängliche Anlageprodukte, etwa aus dem Privatkunden-Geschäft, werden nicht berücksichtigt. Das Spekulationsvolumen dürfte insgesamt noch höher sein, schreiben die Autoren dazu in der Mitteilung.

Die CS kommt laut Dosch entsprechend zu anderen Zahlen als die Autoren. Die Frage, wie stark die Investment-Tätigkeiten von Banken für die Preisschwankungen bei den Nahrungsmitteln mitverantwortlich sind, ist zudem umstritten, auch unter Ökonomen.

Die CS etwa misst anderen Faktoren einen viel entscheidenderen Einfluss zu, etwa der steigenden globalen Nachfrage (getrieben vor allem durch Bevölkerungswachstum, verändertes Essverhalten in aufstrebenden Ländern, Biotreibstoffe) sowie Klimaeinflüssen oder Exportrestriktionen.

«Zudem sind wir ein äusserst kleiner Marktteilnehmer bei Anlageprodukten, die ausschliesslich in Nahrungsmittel investieren», schreibt die CS in ihrer Stellungnahme weiter. Die wirklich grossen Akteure seien Institute wie die Investmentbanken Goldman Sachs oder Morgan Stanley, so Dosch. Gemessen am globalen Volumen sei der Einfluss der Schweizer Banken schwindend klein.

Gewisse Geldhäuser haben dem öffentlichen Druck jedoch nachgegeben und angekündigt, die Nahrungsmittelspekulation ganz aufzugeben. So etwa die deutsche Commerzbank.

Volksinitiative lanciert

In der Schweiz ist ein Ausstieg aus der Spekulation mit Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen bereits ein Thema. Ende September 2012 haben die Jungsozialisten (Juso) eine entsprechende Volksinitiative lanciert. Sie soll unter anderem Banken, Versicherungen und Pensionskassen den Handel und das Investieren in diese Finanzprodukte verbieten. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis Ende März 2014.

 

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Frankfurt - Die Deutsche Bank kommt Kritikern von Spekulationsgeschäften mit Lebensmitteln entgegen. Künftig will Deutschlands ... mehr lesen
Deutsche Bank: Es sollten keine Fonds mehr angeboten werden, die auf sogenannten Momentumstrategien beruhen, welche auf kurzfristige Preistrends bei Agrarrohstoffen setzen.
Die Spekulation mit Nahrungsmitteln soll weltweit bekämpft werden.
Bern - Die Jungsozialisten wollen der Spekulation mit Nahrungsmitteln ... mehr lesen
Bern/Luzern - Nachdem die EU mit einer neuen Richtlinie die Spekulation mit Nahrungsmitteln eindämmt hat, soll die Schweiz ... mehr lesen
Kunden auf einem Markt in Spanien. (Symbolbild)
Strassburg - Das Europaparlament will die Nutzung von Biokraftstoffen begrenzen. Künftig soll der Anteil von herkömmlichen ... mehr lesen
Der konventionelle Biosprit aus Raps oder Soja (Bild) ist umstritten.
Weitere Artikel im Zusammenhang
1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel werden jährlich verschwendet.
Rom/Nairobi - Ein Drittel der weltweit ... mehr lesen
Chicago/München - Wegen der langanhaltenden Dürre im Mittleren Westen der USA steigen die Preise für zahlreiche Agrarrohstoffe ... mehr lesen
Spekulationen und Dürre treiben den Preis für Weizen nach oben.
Laut Studie bestimmen hauptsächlich Angebot und Nachfrage den Preis von Agrargütern.
Halle - Die zunehmende Kritik an der Spekulation mit Finanzinstrumenten im globalen Geschäft mit Agrarrohstoffen ist laut einer Untersuchung der Universität Halle-Wittenberg ... mehr lesen
Bern - Die JUSO kann die Unterschriftensammlung für ihre Volksinitiative gegen Nahrungsmittelspekulation ... mehr lesen
JUSO-Volksinitiative gegen Nahrungsmittelspekulation lanciert
Entwicklung von Exportmärkten für die Food Industrie
Für die Bauern ändere sich dabei kaum etwas.
Für die Bauern ändere sich dabei kaum etwas.
Schwarzbeinigkeit und Nassfäule  Bern - Ein Forschungsteam der Berner Fachhochschule hat in der Schweiz zwei neue Bakterienarten nachgewiesen, die Schwarzbeinigkeit und Nassfäule bei Kartoffeln hervorrufen. Bakterien, die bei Kartoffeln Fäulnis verursachen, haben hohe Ernteausfälle und Qualitätsverluste zur Folge. 
Delfinjagd  Taiji - Im japanischen Walfangort Taiji hat am Montag die Saison für die Jagd auf Delfine begonnen. Wegen schlechten Wetters blieben die ...  
Die alljährlich zwischen September und März stattfindende Jagd auf die Delfine stört weltweit auf Empörung. (Symbolbild)
Das Essen von Tomaten senkt das Prostatakrebsrisiko. (Symbolbild)
Ernährung analysiert  Bristol - Das Essen von Tomaten könnte laut einer Studie der University of Bristol das Prostatakrebsrisiko verringern.  
Weniger Schweizer sterben an Krebs Neuenburg - Obwohl immer mehr Neuerkrankungen diagnostiziert werden, geht das Sterberisiko bei Krebs in der Schweiz ...
Krebs ist nach wie vor die zweithäufigste Todesursache.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2607
    Wir.. Ich mische mich natürlich nicht in die inneren Angelegenheiten von ... heute 02:41
  • kubra aus Port Arthur 3115
    Jetzt muss ich doch mal einen Hering verschenken, Putinsdackel oder besser ... heute 01:08
  • thomy aus Bern 4163
    Nun denn, keinschaf, dann lass' ich's, ... ... nämlich Ihnen zum Thema noch ausführlicher zu antworten: Aber, ... gestern 19:07
  • thomy aus Bern 4163
    Stimmt - teilweise! Aber ich möchte, mag mich nicht auf einen Detailkrieg mit Ihnen ... gestern 12:23
  • Midas aus Dubai 3471
    Nicht geschenkt Eigentlich hat das nichts mit dem Thema hier zu tun. Den Job von ... gestern 11:46
  • Midas aus Dubai 3471
    Ja klar Ja klar.....und von der Schweiz könnte Island lernen wie man mit einer ... gestern 11:43
  • jorian aus Dulliken 1499
    Island hat es vorgemacht! Als die systemrelevanten Banken bankrott gingen. Hat der Staat nicht ... gestern 06:44
  • keinschaf aus Wladiwostok 2607
    Machen wir doch mal eine solche Analyse.. ...von Ihrer Lieblingsbundesrättin, die Sie immer durch alle Böden ... So, 31.08.14 21:12
Klaus Janosch ist Doktorand in Pflanzenernährung an der ETH Zürich.
Green Investment Bedrohter Boden Fruchtbarer Boden ist ein wertvolles Gut, dessen Verlust sowohl für uns als ...
Juliane Fritz, Investment Manager b-to-v Partners AG
Startup News Auf der Suche nach dem nötigen Kleingeld? Tipps von einer Investment Managerin Venture Capitalist über Business Angels zu Inkubatoren: Es gibt viele Wege wie man als Startup Investoren finden kann. Die ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
27.08.2014
26.08.2014
26.08.2014
26.08.2014
26.08.2014
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DI MI DO FR SA SO
Zürich 9°C 13°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 6°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 9°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 8°C 19°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 10°C 17°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 11°C 21°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 16°C 25°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten