SMS an den Arzt
Chip kontrolliert Medikamenten-Einnahme im Magen
publiziert: Samstag, 4. Aug 2012 / 20:39 Uhr
Ein Sensor, der in Pillen eingelassen wird, schickt eine Nachricht an ein Smartphone.
Ein Sensor, der in Pillen eingelassen wird, schickt eine Nachricht an ein Smartphone.

Washington - Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat erstmals Mikrochips zur oralen Einnahme zugelassen, wie Nature berichtet.

6 Meldungen im Zusammenhang
Ein Sandkorngrosser Sensor, der in Pillen eingelassen wird, reagiert auf Kontakt mit Verdauungssäften und schickt eine Nachricht an ein Smartphone, auf dem eine entsprechende App installiert ist. So können Ärzte kontrollieren, ob ihre Patienten ihre Medizin ordnungsgemäss einnehmen. Vorerst ist der Einsatz nur für Placebos erlaubt, in Kürze soll aber auch das Okay für verschiedenste Medikamente kommen. Hergestellt werden die Chips vom US-Unternehmen Proteus Digital Health.

«Das halte ich für ein orwell'sches Szenario, das nicht stattfinden darf. Die Kooperation der Patienten bei Behandlungen ist zwar ein internationales Problem, die Erfolgsquote ist aber von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Ein Funktionierendes Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist das beste Mittel für regelmässige Medikamenteneinnahme. Werden Menschen beispielsweise auf die Alkoholverträglichkeit eines Medikaments aufmerksam gemacht, ist eine Einnahme am Wochenende wahrscheinlicher», sagt Otto Pjeta vom Medikamentenreferat der Österreichischen Ärztekammer. Am Ende müsse aber jeder Patient das Recht haben, über seinen Körper zu bestimmen.

Kontrolle lebenswichtig

In den USA nehmen bis zu 50 Prozent der Patienten ihre Medikamente nicht regelmässig ein. «In Europa sind die Zahlen vergleichbar. Viele Menschen nehmen verschriebene Medizin entweder gar nicht oder nicht regelmässig», sagt Tassilo Korab, Sprecher des Healthcare Compliance Packaging Council Europe. Der Chip in der Pille könnte solche Probleme beheben. Der winzige Sensor aus Silizium und Spuren von Kupfer und Magnesium reagiert auf Kontakt mit Magensäure und sendet ein Signal, das an den Arzt geht.

Bei Unregelmässigkeiten können Mediziner einschreiten und die Dosis oder die Gabemethode anpassen. «Ähnliche Ansätze gibt es mit intelligenten Packungen, die Ärzte informieren, wenn eine Tablette entnommen wird. Diese Methoden sind allerdings aufwendig und teuer. Für Einzelfälle, in denen das Leben der Patienten von regelmässiger Medikamenteneinnahme abhängt - etwa Organtransplantationen - halte ich Überwachung für sinnvoll», so Korab. Die Chippille sei eine bessere Variante, weil sie die Einnahme tatsächlich garantieren kann. «Auch in schweren Fällen bin ich gegen eine Überwachung, weil sie die Würde der Menschen verletzen würde», so Pjeta.

Erst der Anfang

«Menschen, deren Leben von einem Medikament abhängt, sind oft dankbar für die Kontrolle. Angst vor Big Brother ist hier deshalb nicht angebracht. Für eine flächendeckende Anwendung macht die Technologie ohnehin keinen Sinn», so Korab. Bei weniger kritischen Fällen gibt es andere Mittel und Wege die Kooperation der Patienten zu gewährleisten.

«Die Wichtigkeit der Thematik muss Ärzten bereits im Studium beigebracht werden. Derzeit können viele Mediziner das Problem überhaupt nicht richtig einschätzen. Zusätzlich muss den Patienten die Einnahme eines Medikamentes so einfach wie möglich gemacht werden, durch entsprechende Gestaltung von Verpackungen und Beipacktexten. Angaben zu Nebenwirkungen, die dort aus Haftpflichtgründen stehen, haben dort eigentlich nichts zu suchen. Auch ein Kontrollinstrument für die Patienten selber kann helfen», so Korab.

In den USA setzt die Medizin trotzdem lieber auf die Technik. Einige Experten sehen im verschluckbaren Chip den Anfang einer schönen neuen Welt. Chips im Körper könnten künftig verschiedenste Daten liefern, mit Minilabors Analysen durchführen und sogar kontrolliert Medikamente verabreichen. «Die 2010er-Jahre werden als die Ära der digitalen medizinischen Elektronik in die Geschichte eingehen. Es wird gerade an vielen Technologien gearbeitet, die die Medizin verändern werden», sagt Eric Topol, Autor des Buches «The Creative Destruction of Medicine».

(bert/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Forscher entdecken Melanin als sicheren, effizienten Energiespeicher. mehr lesen
Die Tinte von Sepien eignet sich ausserordentlich gut für die Speicherung von Energie.
Verpackung: schützt vor abgelaufenen Präparaten.
Dank dem Verpackungsdesign «Self ... mehr lesen
eGadgets Brüssel/Wien - Der medizinische Sensor Scanadu Scout ist in der Lage, sämtliche körperlichen Vitalwerte eines ... mehr lesen
Es ist nun möglich blitzschnell medizinische Werte an ein Smartphone zu senden.
Überempfindlicher Smartphone-Touchscreen.
Daejon - Hightech-Smartphones wie das iPhone sind in puncto Anwendungsmöglichkeiten ungemein vielseitig. Neben der ... mehr lesen
Playa Vista - Medizinische Tricorder, mit denen in Star Trek binnen Augenblicken Krankheiten erkannt werden, sollen Realität ... mehr lesen
Mobile Geräte sollen bald die medizinische Diagnose übernehmen können.
Weitere Artikel im Zusammenhang
iPhone: Pharmabranche erleichtert sich mit Apps das Leben.
Immer mehr Arzneimittelhersteller investieren Millionen in die Entwicklung elektronischer Informationsportale und Apps für ... mehr lesen
Solutions for orphan diseases.
Value and Risk in Pharma and Biotech
Avance, Basel GmbH
Lautengartenstrasse 7
4052 Basel
R&D for new antibiotics and and their biotechnological production proce ...
Es werde kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei einer Investorentagung.
Es werde kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei ...
Ein Blick in die Zukunft  Zürich - Langfristig werden die Margen in der Pharma-Sparte von Novartis steigen. Allerdings werde dies kein gradliniger Weg, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez bei einer Investorentagung. Vielmehr werde es ein eher holpriger Weg. 
«Chem-Phys»  San Diego - Forscher der University of California San Diego (UCSD) haben den ersten flexiblen, tragbaren ...  
Bayer wird grösser.
Mega-Fusion in der Agrarchemie  Berlin - Nun steht der Preis fest: Der deutsche Chemiekonzern Bayer will den ...  
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    "Flüchtlingskrise" Lösen kann man das Problem nur in den Ländern aus denen die Leute ... heute 09:33
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    Der... Grund für die Misere liegt ganz woanders und ist im Prinzip sehr ... Di, 24.05.16 11:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3936
    Über... viele Jahre Schwarzarbeit ausüben, ist nur dann erlaubt, wenn sie aus ... So, 22.05.16 12:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Wer glaubt denn noch unserer Notenbank? Einen Monat bevor sie den Frankenkurs gegenüber ... Do, 12.05.16 16:43
  • jorian aus Dulliken 1752
    Solch ein Blödsinn! Der wahre Grund, dass man die grossen Noten abschaffen will, ist der, ... Mi, 11.05.16 17:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Na und? Hier wird beschrieben, wie eine Solaranlage sich selbst zurückregelt, ... Mi, 04.05.16 00:04
  • OldFred aus Thalwil 5
    Schweizer Pionierwerk Meine lieben "Ingenieur-Kollegen" von unserer innovativen "Hochschule", ... Di, 03.05.16 21:24
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Offenbar verstehen die USA nichts vom Verhandeln, dafür mehr vom Erpressen. Die Schweiz zahlt Milliarden ... Mo, 02.05.16 10:27
86 Prozent des Stroms aus Energieträgern wurden in der Schweiz produziert.
Green Investment Hälfte des Stroms stammt aus Wasserkraft Bern - Der Strom aus Schweizer Steckdosen stammte ...
Das Crowdfunding hat um 73 Prozent zugelegt.
Startup News Crowdfunding in der Schweiz markant gewachsen Luzern - Auf tiefem Niveau ist der Markt für Schwarmfinanzierung (sog. Crowdfunding) in der Schweiz erneut stark gewachsen. Diese Art der Geldbeschaffung ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
26.05.2016
data share Logo
25.05.2016
25.05.2016
DRIVING TEAM Logo
25.05.2016
25.05.2016
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Gewitter möglich
St. Gallen 14°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Bern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 14°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewitterhaft
Genf 12°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 16°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten