KPMG-Studie «Global Corporate Capital Flows»
China überflügelt USA bei Direktinvestitionen
publiziert: Mittwoch, 18. Jun 2008 / 07:10 Uhr

Die USA ist heute noch der führende Standort für Direktinvestitionen aus dem Ausland. Binnen fünf Jahren wird China die USA aber von Platz 1 verdrängen. Indien wird in dieser Zeit den grössten Anstieg von Unternehmensinvestitionen verzeichnen. Für die Schweiz haben China und Deutschland zukünftig die grösste Bedeutung.

Schweizer Unternehmen sind im Vergleich zu anderen Ländern deutlich globaler aufgestellt, aber auch vorsichtiger.
Schweizer Unternehmen sind im Vergleich zu anderen Ländern deutlich globaler aufgestellt, aber auch vorsichtiger.
Innerhalb von fünf Jahren wird China die USA als weltweit führenden Empfänger von Direktinvestitionen überholen. Das Land der Mitte wird vor allem zum Top-Investitionsstandort für die Branchen IT/Telekommunikation, Industrieerzeugnisse und Bergbau. Zu diesem Ergebnis kommt eine weltweite Studie von KPMG über die zukünftigen Investitionen multinationaler Unternehmen. An der Untersuchung haben Investitionsspezialisten, darunter Geschäftsführer, Finanzchefs und Strategieverantwortliche, von insgesamt 311 weltweit tätigen Unternehmen in 15 Ländern teilgenommen.

BRIC-Staaten auf dem Vormarsch

Die Resultate belegen einen deutlichen Rückgang bei der Anzahl der Direktinvestitionen in die USA (-4 Prozentpunkte), aber auch nach Japan, Singapur und in die Vereinigten Arabischen Emirate (jeweils -2 Prozentpunkte). Drastischere Zuwächse werden für die BRIC-Staaten Indien, China, Russland und Brasilien erwartet: So geben 17 Prozent der befragten Unternehmen an in den Jahren 2008/9 in China investieren zu wollen, im Vergleich zu 24 Prozent in den Jahren 2013/14. Zudem möchten immer mehr Unternehmen in Russland (2008/9: 12 Prozent; 2013/14: 19 Prozent) und Brasilien (2008/9: 10 Prozent; 2013/14: 14 Prozent) investieren. Indien wird seinen Anteil an den Unternehmensinvestitionen im gleichen Zeitraum sogar von 10 auf 18 Prozent ausbauen können. Dies ist der stärkste Anstieg an Direktinvestitionen im Vergleich aller Länder und basiert vor allem auf einem zu erwartenden starken Ausbau der Kapazitäten im Bereich der verarbeitenden Industrie.

Jeder Vierte investiert in Indien

Ebenso eindrücklich zeigt die Studie: Jedes vierte Produktionsunternehmen, das an der Befragung teilgenommen hat, wird bis 2013/14 in Indien investieren. Für zwei Drittel der befragten Unternehmen wird es sogar die erste Investition nach Indien überhaupt sein. Im Gegensatz dazu wird die Anzahl der Direktinvestitionen in die USA von 27 auf 23 Prozent zurückgehen. Somit werden die USA bis 2013/14 nur noch den zweiten Platz im weltweiten Ranking der Direktinvestitionen belegen und damit hinter China (24 Prozent) zurückfallen. Die Studie zeigt aber auch, dass die USA ihre Führungsrolle in den Branchen Konsum, IT/Telekommunikation, verarbeitende Industrie und Bergbau in den nächsten fünf Jahren an China verlieren werden.

Ergebnisse für die Schweiz

Jörg Walker, Leiter Steuerberatung und verantwortlich für den Bereich Emerging Markets bei KPMG Schweiz, weist daraufhin: «Wenn auch die meisten Schweizer Unternehmen angeben, im laufenden Jahr in China (60 Prozent der Unternehmen) und den USA (45 Prozent) investieren zu wollen, so sind sie doch der Meinung, dass ihre Investitionen in fünf Jahren vor allem nach China (65 Prozent), Deutschland (50 Prozent) und Indien (40 Prozent) fliessen werden. Während die Prognosen für Deutschland stark nach oben zeigen (+15 Prozentpunkte), werden die USA an Bedeutung verlieren (-10 Prozentpunkte). Somit sind Asien und Europa auch zukünftig interessante Alternativen zu den USA .»

Schweizer globaler aufgestellt

Die Studie enthüllt zudem: Schweizer Unternehmen sind im Vergleich zu anderen Ländern deutlich globaler aufgestellt. Nur 15 Prozent der Unternehmen investieren zum ersten Mal im Ausland – im Vergleich zu 29 Prozent in anderen Ländern. Allerdings sind Schweizer Unternehmen beim Gang ins Ausland deutlich vorsichtiger: Sie möchten ihr Auslandsengagement nur zu 35 Prozent aus dem Mutterland fördern. Anderswo sind es 58 Prozent.

(sm/KMU Magazin)

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