Studie «China Manufacturing Competitiveness»
China riskiert Rolle als Nummer Eins
publiziert: Montag, 26. Mai 2008 / 11:07 Uhr

Mehr als die Hälfte der ausländischen Unternehmen in China gehen davon aus, dass der Produktionsstandort China an Wettbewerbsfähigkeit einbüsst. Knapp 20 Prozent planen, Standorte zu verlagern. Verantwortlich sind die starke Währung und steigende Lohnkosten verantwortlich. Vietnam und Indien gelten zurzeit als attraktivste alternative Standorte.

Profitabel ist vor allem, wer China sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt sieht.
Profitabel ist vor allem, wer China sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt sieht.
Die Zeiten, in denen China bei multinationalen Unternehmen attraktivstes Niedriglohnland und Produktionsstandort war, sind vorbei. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Untersuchung «China Manufacturing Competitiveness». Diese wurde gemeinsam von der internationalen Strategieberatung Booz & Company und der Amerikanischen Handelskammer in Shanghai erstellt.

Auf dem Prüfstand

Mehr als die Hälfte (54%) der in China aktiven, befragten ausländischen Unternehmen glaubt, dass China seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Low-Cost-Ländern einbüssen wird. Daher plant bereits rund ein Fünftel der Firmen in den nächsten Jahren Standorte von China in andere Regionen wie Vietnam und Indien zu verlagern. Die Gründe für den Attraktivitätsverlust liegen vor allem im Erstarken der chinesischen Währung Renminbi sowie den steigenden Lohnkosten. «Multinationale Unternehmen und Investoren müssen ihre gesamte Produktionsstrategie, die sie in den letzten Jahrzehnten in China verfolgt haben, grundlegend überdenken», sagt Ron Haddock, Partner und Chinaexperte bei Booz & Company. «Kostenwandel und Währungsstruktur haben sich substanziell verändert. Daher müssen Unternehmen ihre Standorte und Unternehmensaktivitäten in China kritisch auf den Prüfstand stellen.»

Starker Renminbi und Lohninflation

Sieben von zehn der Konzerne nennen das Erstarken der chinesischen Währung als Ursache dafür, dass Chinas Wettbewerbsfähigkeit als Standort sinkt. Über die Hälfte der Konzerne sieht die Lohninflation als wichtigsten Grund. So stiegen die Gehälter bei Managern durchschnittlich um 9,7 Prozent und bei Arbeitern um 7,6 Prozent. Während die Kosten auf der einen Seite steigen, hinkt China auf der anderen Seite globalen Standards in puncto Standortfaktoren noch immer hinterher. Die teilnehmenden Unternehmen nennen vor allem die logistische Infrastruktur, den Zugang zu Technologien, Management-Kapazitäten und den Schutz geistigen Eigentums als Schwachstellen. Auch die Mitarbeiterbindung ist laut Umfrage ein grosses Problem und für 33 Prozent der Befragten schuld am Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.

Vietnam und Indien holen auf

Unter den 20 Prozent jener Firmen, die bereits konkrete Pläne verfolgen, ihre chinesischen Standorte in andere Länder zu verlagern, geben 89 Prozent an, in China ursprünglich aufgrund der niedrigen Lohnkosten investiert zu haben. Heute aber seien Lohnniveau und geringe Steuersätze anderer Länder attraktiv geworden. Vietnam ist Spitzenreiter unter den alternativen Standorten. 63 Prozent der Befragten nannten den asiatischen Staat als beste Alternative zu China. Für 37 Prozent ist Indien die erste Wahl.

Duale Strategie als Schlüssel zum Erfolg

Die Untersuchung zeigt auch: Profitabel sind vor allem solche Player, die China sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt sehen und sich nicht allein auf einen der beiden Aspekte fokussieren. Firmen, die den Markt integriert bearbeiten, sind deutlich erfolgreicher als jene, die sich nur auf eines der Ziele konzentrieren (29,6% im Vergleich zu 17,8%). Trotz der potenziell höheren Ertragschancen versucht nur ein Viertel der Firmen, Produktionsaktivitäten und inländischen Absatz miteinander zu vereinen.

Mangelnder Transfer wichtiger Erfahrungswerte

Steigende Kosten und eindimensionale Marktbearbeitung bilden jedoch nicht die einzigen Ursachen, weshalb multinationale Unternehmen in China unprofitabel arbeiten. Der überwiegende Teil der Konzerne (drei Viertel) ist nicht in der Lage, Best-Practice-Strategien in China anzuwenden. Nur 11 Prozent stützen sich auf durchgängig integrierte Planungssysteme wie Enterprise Ressource Planning (ERP) und Manufacturing Ressource Planning (MRP). Noch weniger Unternehmen (7%) setzen differenzierte analytische Inventur-Berechnungs-Tools und -Verfahren ein. Nur 4 Prozent wenden Best-Practice-Strategien im Bereich des Supply Chain Risk Management an.

Noch scheuen Konzerne Investitionen

Derzeit hält die Mehrheit (83%) der Konzerne an ihren chinesischen Standorten und Aktivitäten fest. 78 Prozent planen, den chinesischen Heimatmarkt als Absatzmarkt weiter zu erschliessen. 39 Prozent geben dabei jedoch an, den Aufwand zu scheuen, eine neue Supply Chain in anderen Low-Cost-Regionen aufzubauen. Das heisst, nicht Standortvorteile im Reich der Mitte, sondern die Hemmschwelle, an anderer Stelle zu investieren, fallen beim Thema Standort momentan noch zugunsten Chinas aus.

Für Konzerne, die ihre China-Strategie überdenken, kann die Vorgehensweise erfolgreicher Firmen ein hilfreiches Vorbild sein. «Unternehmen, die in China am profitabelsten sind, sehen China inzwischen in einer erweiterten globalen Perspektive und nicht nur als ein Schwellenland», erklärt Ron Haddock. «Wir nennen diese Unternehmen ‚Globale Integratoren’. Diese haben ihr Engagement vor Ort in ihre globale Marktplanung integriert.» Auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Strategie haben die meisten Investoren in China allerdings noch einen weiten Weg vor sich.

Zum Studiendesign

Booz & Company und die Amerikanische Handelskammer in Shanghai haben 66 der grössten multinationalen Unternehmen in China befragt. Diese repräsentieren mehr als 10 Prozent der 600 grössten multinationalen Unternehmen in China. Dabei wurden Online-Fragebögen, Vor-Ort-Besuche und Tiefeninterviews eingesetzt. Von den befragten Unternehmen waren 81 Prozent vollständig in ausländischem Besitz, 10 Prozent waren Joint Ventures zwischen multinationalen und chinesischen Partner und 9 Prozent fielen in die Kategorie «Sonstige».

Die Branchen der Unternehmen umfassten Konsumgüter, Industrie, Gesundheit und Werkstoffe, wobei die Umsätze je nach TK unterschiedlich waren. Zu den Herkunftsländern der Unternehmen zählen die Vereinigten Staaten, Japan und West Europa. Ungefähr 30 Prozent der Befragten haben über ihre Manufacturing Footprints hinaus zusätzlich ihre Hauptpräsenz in China, inklusive Repräsentantenbüro, regionale oder globale Zentralen, Beschaffungszentren und Forschungs- und Entwicklungszentren.

(ra/KMU Magazin)

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