Cervelat vom Aussterben bedroht
publiziert: Samstag, 29. Dez 2007 / 11:36 Uhr / aktualisiert: Samstag, 29. Dez 2007 / 12:15 Uhr

Bern - Alarm an der Cervelat-Front: Wurst-Hüllen aus brasilianischen Rinderdärmen sind seit über einem Jahr verboten, und die Branche hat bisher keine Alternative gefunden. Der Vorrat reicht gerade noch für drei bis fünf Monate.

Die Cervelat-Haut solle zur Chefsache erklärt werden.
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Die Schweizer lieben Cervelats: Jährlich verspeisen sie rund 160 Millionen Würste - beim Bräteln, als Salat oder auch einfach roh.

Nötig für die 25'000 Tonnen Fleisch sind 15 bis 20 Millionen Meter feinster Rinderdarm, der bisher zu 80 Prozent aus Grossfarmen in Brasilien stammte.

Per 1. April 2006 hatte die EU ein Importverbot für Rinderdärme aus Brasilien verhängt.

Als Vorsichtsmassnahme vor BSE müssen die brasilianischen Bauern ihre Rinderdärme seither vernichten - wie alle europäischen Länder auch. Die Schweiz hat sich im Rahmen der bilateralen Verträge dem EU-Verbot angeschlossen.

Vorräte gehen bald zur Neige

«Die schweizerische Nationalwurst ist somit vom Aussterben bedroht», sagt Andreas Wöllner vom Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) der Nachrichtenagentur SDA. Die Vorräte gingen bald zur Neige.

Der SFF hat seit dem Importstopp Alternativen getestet, allerdings ohne den gewünschten Erfolg: Eine Haut aus Schweinedarm lässt sich nur schwer schälen, Kunsthaut ist nicht essbar.

Auch Importe aus anderen Ländern sind vorerst keine Lösung: Paraguay ist an einer Lieferung nicht interessiert, und der Durchmesser argentinischer Rinderdärme ist zu gross für Schweizer Cervelats. Nur die Verhandlungen mit Uruguay sind laut Wöllner noch nicht abgeschlossen.

Ausnahmeregelung erwünscht

Im Vordergrund steht für den SFF nun die Wiederzulassung brasilianischer Därme und damit eine Ausnahmeregelung für die Schweiz.

«Nur ein kleines Stückchen des Rindsdarms könnte eine BSE-Gefahr sein», sagt Wöllner. Dieses Stück könnte vor dem Import weggeschnitten werden. «Der Rest des Darmes kann vorbehaltlos verwendet werden.»

Der SFF hat laut Wöllner bereits mit Brüssel verhandelt, leider erfolglos. Er fordert nun, dass die Cervelat zur «Chefsache» wird, dass Bundesrätin Doris Leuthard persönlich bei der EU vorstellig wird.

(rr/sda)

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