Öffentliche Kritik
Brief von Wirtschaftsexperten sorgt für Empörung
publiziert: Freitag, 6. Jul 2012 / 17:56 Uhr / aktualisiert: Freitag, 6. Jul 2012 / 18:49 Uhr
Statt präziser Analyse werden dumpfe Ressentiments bedient», sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin.
Statt präziser Analyse werden dumpfe Ressentiments bedient», sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin.

Berlin - Mit ihrem Brandbrief gegen eine Bankenunion haben Volkswirte bei Regierung und Opposition Empörung hervorgerufen. Ausgerechnet den Wissenschaftlern wird vorgeworfen, Ängste zu schüren.

3 Meldungen im Zusammenhang
Die öffentliche Kritik von rund 170 Volkswirten an den Beschlüssen des EU-Gipfels zur Eurokrise ist bei Politikern und Kollegen auf teils heftige Ablehnung gestossen. Nach Kanzlerin Angela Merkel wies auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) die Vorwürfe der Ökonomen um den Chef des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, entschieden zurück.

Die Fachleute hatten in einem offenen Brief davor gewarnt, dass die geplante Bankenunion neue Haftungsrisiken unter anderem für die deutschen Steuerzahler schaffe.

Schäuble nannte diese Argumentation eine Verwirrung der Öffentlichkeit. Aus dem Rettungsschirm für Staaten sei mit Sicherheit nicht ein Rettungsschirm für Banken geworden, betonte der Minister am Freitag im RBB-Inforadio.

Auch Opposition kritisiert Brief

Auch aus der Opposition kam scharfe Kritik an dem Appell: «Statt Argumente vorzubringen, werden Ängste geschürt. Statt präziser Analyse werden dumpfe Ressentiments bedient», sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Er wandte sich damit auch gegen den Ton des Briefs, der ein Szenario schildert, in dem Länder wie Deutschland «immer wieder Pressionen» durch die «Schuldnerländer» im Süden Europas ausgesetzt seien.

Der Dortmunder Professor für Wirtschaftsstatistik, Walter Krämer, einer der Unterzeichner des Appells, verteidigte jedoch die Aussagen. Alle guten Beschlüsse in der Eurokrise seien «wegen der Mehrheit der Schuldnerländer dann doch aufgeweicht worden», sagte er im RBB-Inforadio.

«Behauptungen und fragwürdige Argumente»

Aus der eigenen Zunft kam jedoch ebenfalls scharfe Kritik an dem Brief. Es könne nicht Aufgabe von Volkswirten sein, «mit Behauptungen, fragwürdigen Argumenten und in einer von nationalen Klischees geprägten Sprache die Öffentlichkeit durch einen Aufruf weiter zu verunsichern», heisst es in einer Replik anderer prominenter Wirtschaftswissenschaftler im «Handelsblatt».

Sie wurde unter anderem von dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger und dem Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, verfasst.

Einheitliche Kontrollen vereinbart

Inhaltlich geht es bei dem Streit um die Frage, ob der Euroraum künftig insgesamt für die Risiken bei Banken in einzelnen Ländern haftet. Unter der sogenannten Bankenunion werden in der Regel eine gemeinsame Aufsicht und Einlagensicherung sowie staatenübergreifende Hilfen zur Rekapitalisierung von Geldhäusern verstanden.

Auf dem Gipfel wurde zunächst der Weg zu einer einheitlichen Kontrolle der Finanzinstitute unter Führung der Europäischen Zentralbank (EZB) vereinbart. Anschliessend soll der neue Rettungsfonds ESM Banken gegen Auflagen direkt helfen können. Hintergrund ist, dass die Banken und Staaten im Euroraum so eng miteinander verwoben sind, dass Pleiten von grossen Kreditinstituten ganze Länder gefährden können.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese wirtschaft.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Die Europäische Zentralbank ... mehr lesen
Die EZB soll ihre neuen Befugnisse am 1. Juli 2013 übernehmen.
Die Euro-Finanzminister einigten sich im Grundsatz auf das spanische Bankenprogramm.
Brüssel - Spanische Krisenbanken ... mehr lesen
Berlin - In einem öffentlichen Aufruf ... mehr lesen
Merkel hat bereits gekontert. (Archivbild)
Auf das Flair der bunten und aufregenden Casino-Welt verzichten und stattdessen im Internet Glücksspiele zocken? Online-Casinos bergen sowohl Gefahren als auch Möglichkeiten für den Spieler.
Auf das Flair der bunten und aufregenden ...
Im Oktober 2015 verabschiedete der Bundesrat das neue Geldspielegesetz: Seither dürfen Schweizer Casinos auch im Netz Glücksspiele anbieten. Doch was bedeutet das für Gambler? Eröffnen sich für sie dadurch neue Möglichkeiten, oder tragen sie Nachteile davon? mehr lesen 
Konto auf Bahamas aufgegeben  Buenos Aires - Der argentinische Präsident Mauricio Macri will sein auf den Bahamas geparktes ... mehr lesen  
1,2 Millionen US-Dollar wurden nach Argentinien überwiesen.
Senn war sechs Jahre lang Zurich-Chef.
Fassungslos und tief erschüttert  Zürich - Der ehemalige Zurich-Chef Martin Senn hat sich das Leben genommen. Er wurde 59 Jahre alt. Für den Konzern ist es bereits der zweite Suizid eines hochrangigen Managers innert ... mehr lesen  
Geldpolitische Straffung  Washington - US-Notenbankchefin Janet Yellen hat die Märkte auf eine baldige Zinserhöhung vorbereitet. Wahrscheinlich sei eine geldpolitische Straffung «in den kommenden Monaten ... mehr lesen
Janet Yellen hat die Märkte auf die Zinserhöhung vorbereitet.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
.
Green Investment news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Das Crowdfunding hat um 73 Prozent zugelegt.
Startup News Crowdfunding in der Schweiz markant gewachsen Luzern - Auf tiefem Niveau ist der Markt für Schwarmfinanzierung (sog. Crowdfunding) in der Schweiz erneut stark gewachsen. Diese Art der Geldbeschaffung ...
Jedes dritte KMU in Deutschland hat 2011-2013 Energie eingespart.
KMU-Magazin Research Energiewende ist im Mittelstand angekommen Die kleinen und mittleren Unternehmen sind auf ...
 
Publinews
         
Publinews Mehr Wissen - Grosses bewegen  Die WKS KV Bildung ist mit rund 5900 Absolventinnen und Absolventen in der Grund- und Weiterbildung das grösste Bildungsunternehmen im ... mehr lesen
Publinews Enabling new business  Von besser informierten GL bis zum E-Commerce im Exportmarkt - digitale Tools nutzen in der ganzen Wertschöpfungskette. Netcetera-CEO Andrej Vckovski ... mehr lesen
Erfolg durch zielgerichtete Planung.
Publinews CRM  In einer Zeit übersättigter Märkte ist nicht mehr die Suche nach einem Produkt oder Lieferanten der Flaschenhals, sondern das Aufspüren von Bedarf und neuen ... mehr lesen
Wir erfinden das Drucken neu - damit Ihr Unternehmen wie ein grosses beeindruckt
Publinews Ein Unternehmen muss nicht gross sein, um Grosses zu leisten. Es benötigt lediglich die richtigen Ressourcen. Und dazu gehört auch ... mehr lesen
Auf das Flair der bunten und aufregenden Casino-Welt verzichten und stattdessen im Internet Glücksspiele zocken? Online-Casinos bergen sowohl Gefahren als auch Möglichkeiten für den Spieler.
Publinews Im Oktober 2015 verabschiedete der Bundesrat das neue Geldspielegesetz: Seither dürfen Schweizer Casinos auch im Netz ... mehr lesen
Kaffee gehört für viele Arbeitnehmer fest zum Büroalltag dazu
Publinews Eine gute Tasse Kaffee gehört für viele Menschen fest zum Alltag. Während manche den Muntermacher hauptsächlich morgens nach dem Aufstehen brauchen, trinken ... mehr lesen
Online-Dating wird immer beliebter - heute setzen schon viel mehr Menschen bei der Partnersuche auf das Internet als noch einige Jahre zuvor. Die Tendenz geht zudem zum mobilen Online-Dating.
Publinews Online-Dating erfreut sich grosser Beliebtheit. Dies ist angesichts von ca. 1,5 Millionen Singles in der Schweiz auch kein Wunder. Dabei sind für den ... mehr lesen
Ohne Social Media geht es nicht
Publinews Horisen AG  Soziale Netzwerke gehören zum modernen Marketing-Alltag längst dazu. Deshalb hast du vermutlich auch schon einmal darüber nachgedacht, dir eine ... mehr lesen
Ist das gewünschte Grundstück tatsächlich für das eigene Bauprojekt geeignet? Worauf sollten Käufer dabei achten?
Publinews Laut Statistik Schweiz waren im Jahr 2000 fast drei Viertel der in der Eidgenossenschaft existierenden 3,57 Millionen Wohnungen in der Hand von ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Wirtschaft Marken
   Marke    Datum
28.02.2017
27.02.2017
27.02.2017
27.02.2017
27.02.2017
    Information zum Feld
Bitte geben Sie hier einen Markennamen ein wie z.B. 'Nespresso'
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 3°C 7°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen freundlich
Basel 5°C 9°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen freundlich
St. Gallen 0°C 6°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen recht sonnig
Bern 2°C 6°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen freundlich
Luzern 5°C 7°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Genf 2°C 7°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen freundlich
Lugano 4°C 13°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig bewölkt, etwas Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten