
Zürich - Im Jahr 2010 gab es im Finanzsektor wieder Bonisteigerungen von bis zu 23 Prozent. Mitarbeitende, die einem GAV unterstehen, sind dabei besser durch die Krise gekommen. Dies zeigt eine Dreiländerstudie von Towers Watson und der Universität zu Köln.
Umfassender Datensatz
Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die das Seminar für Personalwirtschaftslehre der Universität zu Köln in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Towers Watson durchgeführt hat. Dafür wurde der Datensatz der «Towers Watson Financial Services»-Studie, der Gehaltsdaten von Beschäftigten im Banken- und Finanzdienstleistungssektor umfasst, ausgewertet. In dieser Datenbank liegen Informationen von jährlich mehr als 120'000 Beschäftigten in Deutschland, von zirka 50'000 bis 70'000 Beschäftigten in der Schweiz und von zirka 20'000 Beschäftigten in Österreich vor.
Deutliche Unterschiede
«Obwohl die Krise für einige Angestellte in Banken durch nicht ausgezahlte Boni spürbar ist, kann von einer vollständigen Streichung der Boni für eine breite Gruppe von Mitarbeitern nicht die Rede sein. Lediglich in den kapitalmarktnahen Bereichen ,Investment Banking' und ,Treasury and Capital Markets' wurden in 2009 und 2010 überdurchschnittlich häufig keine Boni ausgezahlt», erklärt Martin Emmerich, Director Talent and Rewards bei Towers Watson. «Allerdings gibt es hier auch Unterschiede zwischen den Banken, einige konnten ihre Bonus-Pools inzwischen wieder deutlich erhöhen.» Insgesamt erhielten auch in der Krise nahezu 90 Prozent der Bonusberechtigten in Deutschland und Österreich tatsächlich eine Bonuszahlung. In der Schweiz liegt dieser Anteil sogar bei knapp 95 Prozent.
Viele bekommen weniger
Deutlicher haben sich die Auswirkungen der Finanzkrise bei der Entwicklung der Höhe der durchschnittlichen jährlichen Bonuszahlungen gezeigt. Nach jährlichen Steigerungsraten zwischen 5 Prozent und 30 Prozent in den Vorjahren, ist im Jahr 2009 ein drastischer Rückgang in allen drei Ländern zu beobachten gewesen. In Deutschland wurden durchschnittlich 40 Prozent weniger Bonus ausgezahlt, in Österreich 33 Prozent und in der Schweiz 25 Prozent weniger.
Den stärksten Rückgang mussten dabei die Beschäftigten auf den höchsten Hierarchieebenen hinnehmen. Die Bonuszahlungen deutscher Abteilungsleiter sanken im Durchschnitt um zirka 40 Prozent, die von Bereichsleitern sogar um über 50 Prozent. Ähnlich sieht es in der Schweiz aus, wo die Boni von Abteilungsleitern um zirka 30 Prozent und von Bereichsleitern um mehr als 35 Prozent gesunken sind. Auf den untersten drei Ebenen hingegen fallen die Abschläge deutlich kleiner aus. Anders die Situation in Österreich: hier sind auch auf den unteren Ebenen spürbare Verluste zu beobachten.
Bonuszahlungen fast auf Vorjahresniveau
Jedoch bereits in den im Jahr 2010 ausgezahlten Boni spiegelt sich die wirtschaftliche Erholung wider. Nach Steigerungen von 14 bis 23 Prozent erreichen diese in allen drei Ländern fast wieder Vorkrisenniveau. Während in Deutschland und Österreich auch auf höheren Hierarchieebenen Steigerungen zu finden sind, werden die Erhöhungen in der Schweiz fast komplett durch die unterste Ebene getrieben. So liegen die Bonuszahlungen auf den höchsten drei Ebenen im Jahr 2010 nur durchschnittlich 1 Prozent über dem Vorjahresniveau. «Die Analyse zeigt, dass die Verluste der Schweizer Führungskräfte auf den oberen Ebenen in 2009 zwar geringer ausgefallen sind, dafür sind sie aber nachhaltiger als in Deutschland oder Österreich», sagt Dr. Patrick Kampkötter von der Universität zu Köln.
Auf unteren Ebenen langfristig Zugewinne
Schaut man noch etwas weiter zurück, zeigt sich, dass die Beschäftigten auf den unteren Ebenen durch die wirtschaftliche Erholung inzwischen bessergestellt sind als fünf Jahre zuvor. Ihre Boni liegen Ende 2010 im Durchschnitt zwischen 11 und 30 Prozent höher als im Jahr 2005. Anders die Beschäftigten auf den oberen Ebenen. Ihre Boni liegen im Jahr 2010 immer noch zwischen 10 und 17 Prozent unterhalb der des Jahrs 2005. «Die manchmal in den Medien geäusserte Vermutung, dass Beschäftigte auf den untersten Ebenen von den Kürzungen besonders getroffen wurden, kann hier jedenfalls für Deutschland und die Schweiz nicht bestätigt werden. Im Gegenteil, der starke Rückgang der Boni wird vor allem von den höchsten Hierarchieebenen geschultert, denn mit zunehmender Hierarchieebene ist ein steigender prozentualer Rückgang zu erkennen», so Finanzexperte Emmerich von Towers Watson.
Sinkender Anteil variabler Entlohnung
Verglichen mit anderen Branchen spielt im Banken- und Finanzdienstleistungssektor der Anteil der variablen Vergütung am Gesamtvergütungspaket der Mitarbeiter eine grössere Rolle. «Die Analyse zeigt aber, dass sich die Vergütungsstrukturen erheblich zwischen den deutschsprachigen Ländern unterscheiden. So ist die Bedeutung der variablen Vergütung im Vergütungsmix in Österreich deutlich geringer als in Deutschland oder der Schweiz», sagt der Leiter der Studie, Prof. Dr. Dirk Sliwka. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies am Verhältnis der variablen Vergütung zum Grundgehalt auf den höchsten Hierarchieebenen. In Deutschland liegt die so genannte «Bonus to Base Ratio» auf Abteilungsleiter-Ebene im Durchschnitt bei 75 Prozent, in der Schweiz sogar bei 90 Prozent. Mit weitem Abstand folgt Österreich, wo Boni durchschnittlich nur 26 Prozent des Grundgehaltes bei Bereichsleitern ausmachen.
Grundgehälter erhöht
Bedingt durch die Finanzkrise erfolgte im Jahr 2009 auch beim Verhältnis des Bonus zum Grundgehalt ein drastischer Rückgang. Dies bleibt auch im Jahr 2010 überwiegend unverändert, das heisst, hier ist noch keine Erholung sichtbar. Auf Ebene Bereichsleiter ist das Verhältnis auf durchschnittlich 40 Prozent in deutschen, auf 49 Prozent in Schweizer und auf 19 Prozent in österreichischen Banken und Finanzdienstleistungsinstitutionen gesunken. «Unsere neuesten Daten zeigen, dass dies aber auch damit zu tun hat, dass viele Banken die Grundgehälter erhöht haben. Vor allem der Kapitalmarktbereich und das Investment Banking zeigen überdurchschnittliche Erhöhungen», sagt Towers Watson-Berater Emmerich.
(mv/KMU Magazin)

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