«Ernst & Young»-Studie legt Wahrnehmungslücke offen
Betrug ist allgegenwärtig
publiziert: Donnerstag, 7. Sep 2006 / 06:32 Uhr

Obwohl drei Viertel der Unternehmensdelikte in entwickelten Märkten verübt werden, schätzen Führungskräfte – besonders Unternehmensführer aus Schwellenländern – das Betrugsrisiko in Schwellenländern deutlich höher ein.

89 Prozent der befragten Unternehmensführer in Schwellenländern rechnen mit Betrug.
89 Prozent der befragten Unternehmensführer in Schwellenländern rechnen mit Betrug.
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Dies belegt die Studie «Fraud Risk in Emerging Markets» von Ernst & Young. Unternehmen, die über eine Vorschrift gegen Betrug verfügen und das Betrugsrisiko in neuen Märkten sorgfältig eingeschätzt hatten, entschieden sich häufiger gegen einen Markteintritt in Schwellenländer. Um das Betrugsrisiko zu minimieren, müssen Unternehmen in allen Märkten Vorschriften gegen Betrug umsetzen und durch interne Kontrollen ergänzen.

Zu kurzer Arm

Führungskräfte befürchten, dass ihre Geschäftstätigkeiten in Schwellenländern durch Betrug und Korruption beeinträchtigt werden. Dennoch nehmen viele die Bedrohung nicht genügend ernst. «Eine umfassende Geschäftsethik, die durch angemessene Kontrollprozesse unterstützt wird, darf nicht nur Bestanteil der Kultur am Hauptsitz sein: Sie muss auch in die lokalen Geschäftstätigkeiten integriert werden», sagt Martin Studer, Leiter Advisory Services von Ernst & Young.

Bestechung als grösstes Risiko

Jedes fünfte Unternehmen aus entwickelten Märkten war bereits Opfer von Betrug. Dies belegt die aktuelle globale Studie «Fraud Risk in Emerging Markets» von Ernst & Young. Drei Viertel der Betrugshandlungen wurden im Herkunftsland der Unternehmen oder in anderen entwickelten Ländern verübt. Trotzdem gehen Unternehmensführer davon aus, dass bei ihren Geschäftstätigkeiten das Betrugsrisiko in Schwellenländern grösser ist. Fast die Hälfte der Befragten (48%) nennt Bestechung und Korruption als das grösste Risiko.

Fehlende Massnahmen gegen Betrug

«Obwohl Unternehmensführer das Betrugsrisiko in Schwellenländern als sehr gross einschätzen, ergreifen viele von ihnen keinerlei Massnahmen, um dieses Risiko zu minimieren», kommentiert Michael Faske, Leiter Fraud Investigation & Dispute Services von Ernst & Young., die Studie. So erhält ein Drittel (32%) der Angestellten in Schwellenländern keine Schulung über den Unterschied zwischen Betriebsgebühren und Bestechungsgeldern. Und in Unternehmen, die über Vorschriften gegen Betrug informieren, erhält ein Viertel (25%) der Angestellten keine Anleitung, wie diese Vorschriften umgesetzt werden sollen.

Beturgsgefahr allgegenwärtig

Drei Viertel (75%) aller Betrugsfälle ereignen sich in entwickelten Ländern. Dennoch gab deutlich mehr als die Hälfte (60%) der befragten Unternehmensführer aus entwickelten Ländern an, dass sie im Rahmen ihrer Geschäftstätigkeiten Betrug in Schwellenländern für wahrscheinlicher halten als in entwickelten Märkten. Noch deutlicher war diese Einschätzung bei den Vertretern der Schwellenländer: Fast neun von zehn (89%) der befragten Unternehmensführer aus Schwellenländern rechnen hier mit Betrug.

Mangelnde Massnahmen gegen Korruption

Die Diskrepanz zwischen der Realität und der Einschätzung der befragten Unternehmensführer lässt vermuten, dass Vorschriften gegen Betrug, die in entwickelten Ländern erlassen wurden, noch nicht vollständig in die Geschäftstätigkeiten in anderen Ländern umgesetzt worden sind. Und dass deshalb verschiedene Betrugsfälle in Schwellenländern nicht aufgedeckt werden konnten. Die Studie zeigt auch auf, dass Unternehmen keine ausreichenden Massnahmen gegen Korruption ergreifen. Zuverlässige interne Kontrollen bleiben der wichtigste Schutz gegen Betrug für Unternehmen in allen Märkten. Doch Kontrollen gegen Korruption werden nicht immer in ein umfassendes Programm gegen Betrug integriert und hinsichtlich Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften überwacht. Zwei von fünf (40%) Unternehmen verfügen noch immer über keine formelle oder dokumentierte Vorschrift gegen Betrug.

Betrugsrisiken vor Markteintritt einschätzen

Eines von fünf Unternehmen hat gemäss der vorliegenden Studie auf Grund einer Einschätzung des Betrugsrisikos entschieden, nicht in Schwellenländer zu investieren. Sehr deutlich haben die Befragten aus Unternehmen mit einer formellen, weltweit gültigen Vorschrift gegen Betrug nach einer umfassenden Einschätzung des Betrugsrisikos entschieden, von einer solchen Investition abzusehen.

Für Unternehmen, die neue Märkte ohne vorherige Einschätzung des Betrugsrisikos erschliessen, ist der Handlungsbedarf viel grösser, eine Vorschrift dagegen einzuführen. Meistens sind es aber gerade jene Unternehmen, die einen neuen Markt erschliessen, ohne sich mit dem Betrugsrisiko zu befassen, die keine Vorschrift gegen Korruption haben. Bei Unternehmen mit Vorschriften gegen Korruption ist die Wahrscheinlichkeit dreimal grösser, dass sie Betrug als Bestandteil einer Markteintrittsentscheidung berücksichtigen.

Offenbar keine Priorität in der Schweiz

Gemäss einer Anfang 2006 mit rund 100 Telefoninterviews durchgeführten Umfrage in Westeuropa, werden Betrug, Korruption und Unehrlichkeit in der Schweiz nur marginal (1%) als wichtig betrachtet. Wichtig für die Befragten sind vielmehr Profitabilität, Wachstum und Stellenabbau. Rund ein Drittel (36%) der Befragten befürwortet Weisungen gegen unethisches Verhalten. Ein Viertel (25%) der Mitarbeitenden geht davon aus, dass unethisches Handeln häufiger vorkommt, als bekannt wurde – auch wenn die überwiegende Mehrheit (92%) angibt, im vergangenen Jahr keine unethische Handlung vorgenommen zu haben.

Kommunizieren und schulen

«Unternehmen, die ein Programm gegen Korruption haben, können davon profitieren, wenn sie es vollständig auf all ihre ausländischen Geschäftstätigkeiten ausweiten», erklärt Martin Studer. «Schlechte Kommunikation und ungenügende Schulung limitiert jedoch die Wirksamkeit von solchen Programmen bei einem Viertel (25%) aller Unternehmen. Besonders in Schwellenländern können angemessene Massnahmen gegen Korruption das Betrugsrisiko entscheidend reduzieren und erlauben es der Unternehmensleitung, sich auf das wachsende Geschäft zu konzentrieren», ergänzt Michael Faske.

Zur Studie

Für die Studie «Fraud Risk in Emerging Markets» von Ernst & Young wurden zwischen Februar und April 2006 586 Führungskräfte von grossen Unternehmen aus 19 Ländern (davon acht so genannte Schwellenländer) befragt.

(pd)

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