Banken stellen Bankensystem in Frage
publiziert: Montag, 19. Mai 2008 / 11:39 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 20. Mai 2008 / 12:37 Uhr

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Josef Ackermanns Rede am Symposium St. Gallen mutete fast sozialistisch an. Der Chef der Deutschen Bank beklagte sich zwar nicht über hohe Managerlöhne. Seine Feststellung, dass die Akzeptanz des «Kapitalismus» weiter gesunken ist, wäre an einem Internationalismus-Kongress der äusseren Linken aber sehr gut angekommen.

Mit der Äusserung, dass er nicht mehr länger an die Selbstheilungskräfte des Marktes glaubt, hatte Ackermann bereits im März für Furore gesorgt. Mit dem jetzt erneut vorgetragenen Ruf nach Interventionen von aussen und mit der heftigen Verteidigung der staatlichen Hifsaktion für die Bank Bear Stearns stösst Ackermann ein heiliges Dogma der Banker selbst vom Sockel.

Anders sieht das der nächste Redner: An jenem Tag sei der Traum vom globalen und freien Marktkapitalismus gestorben, kommentiert Martin Wolf von der Financial Times die Bear Stearns-Aktion. Nota bene kein Banker.

Beunruhigend an diesem Symposium ist aber vor allem der breite Erklärungsnotstand der Experten darüber, wie es dazu kommen konnte, dass weltweit Grossbanken wegen der US-Immobilienkrise Milliardenverluste seit Sommer 2007 erleiden. Es gibt vor allem ein Nichtwissen, brachte es CS-Risikomanager Tobias Guldimann auf den Punkt. Demnach hat die Komplexität der Finanzinstrumente wie Kreditderivate «dramatisch» zugenommen und diese neuen Finanzinstrumente seien mit herkömmlichen Parametern nicht mehr messbar. Bezeichnend und folgerichtig ist nun der Aufruf an Banken, nur noch das zu tun, was man auch versteht. Und deshalb fordert Guldimann Massnahmen in Zusammenarbeit mit den Regulierungsbehörden.

Denkwürdig auch die Branchenanalyse des Risikoverantwortlichen der Zurich Financial Services, Axel Lehmann, demgemäss die Business-Seite oft nicht mehr wusste oder verstand, was die Risikoseite gerade tut und umgekehrt. Das habe zu Missverständnissen auf höchster Ebene geführt, sagte er am Podium. Das könne nur heissen, dass das Risikomanagement strategischer werden und deshalb in der obersten Konzernspitze und im Verwaltungsrat vertreten sein müsse.

Der Befund von BNP-Chef Michel Pébereau ist da etwas aussagekräftiger. Bei der Subprime Krise handle es sich um eine klassische Bankkrise. Es seien schlicht viel zu viele Kredite an Personen vergeben worden, welche diese nicht zurückzahlen konnten. Ebenfalls diskutiert: Ein trüber Missstand besteht darin, dass das Vertrauen oder «Trust» unter den Banken momentan nicht spielt.

Als Beobachter erhält man den Eindruck, dass die Frühalarmsysteme der Banken ganz versagt haben und aufgrund von Defiziten in der internen Kommunikation überhört wurden. Man stelle sich vor, was das übertragen auf den Luftfahrtsektor bedeutet.

Fazit: Der Sturm der Finanzkrise ist ohne Zweifel innerhalb des Bankensystems entstanden, während die umliegenden Wirtschaftssektoren gut funktionierten. Alarmsysteme und interne Kommunikation haben bei vielen Banken versagt. Es ist nur grotesk, wenn ausgerechnet die Speerspitze der freien Markt-Ökonomie jetzt Staatseingriffe befürwortet. Eine Zusammenarbeit mit den Regulierungsbehörden ist wohl dringend nötig.

Wenn dabei aber Ressourcen der Öffentlichkeit beansprucht werden, dürfen die Bankmanager ihre Millionen-Saläre nicht aus der Diskussion ausklammern. Ihre Löhne kann keine andere Branche, nicht einmal die Regulierungsbehörden, bezahlen. Ein Verzicht auf Teile der Boni, Saläre und Abfindungen wäre als symbolische Geste jetzt angebracht. Das würde jene schwindende gesellschaftliche Akzeptanz des «Kapitalismus» stärken, um die sich Joe Ackermann am Symposium sorgte. Oder sprechen wir nicht besser von fairem Markt?

(von Harald Tappeiner/news.ch)

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