Artenschwund raubt Schlüssel für Medikamente
publiziert: Mittwoch, 23. Apr 2008 / 17:35 Uhr

Singapur - Der alarmierende Artenschwund in Tier- und Pflanzenwelt raubt der Menschheit die Schlüssel zur Entwicklung lebensrettender Medikamente. Davor warnt das UNO-Umweltprogramm (UNEP) in einer Studie zur Artenvielfalt.

Ohne die Tierwelt würde es viele Medikamente noch nicht geben.
Ohne die Tierwelt würde es viele Medikamente noch nicht geben.
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«Der Verlust der Lebensräume, die Zerstörung und Schwächung der Ökosysteme, Umweltverschmutzung, Ausbeutung und Klimawandel zehren am Naturkapital des Planeten, einschliesslich der medizinischen Schatzkiste, die in der Artenvielfalt verborgen ist», sagte UNEP-Direktor Achim Steiner in Singapur.

Das Geheimnis für neue Antibiotika, Krebsmedikamente oder Schmerzmittel könne in der Tierwelt zu finden sein, heisst es in der Studie «Sustaining Life» von mehr als 100 Autoren.

Geheimnisse bleiben für immer verloren

Sie führen als Beispiel die Magenbrüterfrösche (Gattung Rheobatrachus) an, die in den 80er Jahren in Australien entdeckt worden waren.

Sie brüteten ihren Nachwuchs im Magen aus. Der Nachwuchs sondere im Magen der Mutter ein Sekret ab, das die Zersetzung durch Magensäuren und Enzyme verhindere. Erste Untersuchungen nährten die Hoffnung auf ein neues Medikament gegen Magengeschwüre.

«Die Studien konnten nicht fortgesetzt werden, weil die beiden Magenbrüterarten ausstarben und die medizinischen Geheimnisse damit für immer verloren gingen», betonen die Herausgeber des UNEP-Berichts.

Vielfältige Natur

Weitere Beispiele für die medizinische Schatzkiste der Natur: Ein Giftfrosch produziert eine Substanz, die die Kontraktion des Herzmuskels stärkt.

Eine Kröte sondert ein Gewebehormon ab, das Bluthochdruck lindern könnte. Eine Substanz aus Bärengallenblasen kann Gallensteine auflösen.

Bestimmte Schnecken sondern Substanzen ab, die das Absterben von Gehirnzellen bei mangelndem Blutzufluss verhindern können.

(rr/sda)

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