Armut begünstigt sexuelle Ausbeutung von Kindern
publiziert: Freitag, 19. Okt 2007 / 18:01 Uhr

Köln - Die Festnahme eines weltweit gesuchten mutmasslichen Kinderschänders in Thailand illustriert die Fortschritte im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Zu dieser Einschätzung kommt das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF.

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Für Süssigkeiten und das Versprechen einer besseren Zukunft nähmen die zunächst oftmals noch arglosen Kinder viel in Kauf. (Symbolbild)
Für Süssigkeiten und das Versprechen einer besseren Zukunft nähmen die zunächst oftmals noch arglosen Kinder viel in Kauf. (Symbolbild)
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UNICEF
UNICEF ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das sich weltweit für das Wohl von Kindern und Frauen einsetzt.
www.unicef.ch

«Es ist wichtig, dass man die Fahndung nach solchen weltweit agierenden Tätern auch international koordiniert und so zugleich Aufmerksamkeit schafft für das Problem, für die Situation der Opfer», sagte Helga Kuhn vom Deutschen Komitee für UNICEF am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Allein in Südostasien liege die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die - «in der Regel nicht freiwillig» - im Sex-Business landen, bei schätzungsweise einer Million pro Jahr. Das Problem der sexuellen Ausbeutung von Kindern sei dort besonders stark ausgeprägt, sagte Kuhn.

Dabei spielten verschiedene Ursachen eine Rolle. Dazu zähle der Kinderhandel, begünstigt von dem grossen Gefälle zwischen Arm und Reich in der Region: «Kinder werden den Eltern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen quasi abgekauft.»

Ihnen werde versprochen, dass sie zur Schule gehen können und Arbeit bekommen werden - «später finden sie sich in Bordellen wieder, werden zur Fabrikarbeit oder zum Betteln gezwungen.»

Aufklärungskampagnen

Der Kinderhandel floriert demnach besonders etwa zwischen der vietnamesischen Grenzregion und China oder von Kambodscha nach Thailand. Zunehmend gebe es aber auch Aufklärungskampagnen, betonte Kuhn.

So kümmere sich UNICEF darum, dass Eltern und Kinder gewarnt würden «vor den Menschenhändlern, vor den Schleppern, die ganz gezielt in arme Dörfer gehen und sagen: Ich habe eine gute Zukunft für eure Kinder». Andererseits würden für Kinder, die dem Sex-Business entkommen, Anlaufpunkte eingerichtet: Zentren, wo sie zur Schule gehen könnten, wo sie medizinisch und psychologisch betreut würden, «um ihnen eine andere Zukunft zu öffnen».

Bewusstsein muss sich ändern

Um dauerhaft die sexuelle Ausbeutung von Kindern in der Region einzudämmen, müsse sich aber auch im Bewusstsein der Menschen dort etwas ändern. Bislang gelte es in der Region als normal, zu Prostituierten zu gehen. «Diese Prostituierten - ob minderjährig oder nicht - werden nicht nur von Sextouristen ausgebeutet, auch von Einheimischen», betonte Kuhn. Allerdings hätten es die Touristen vergleichsweise leicht: «Sie haben mehr Geld, mehr Macht und heizen die Nachfrage an.»

Für Süssigkeiten und das Versprechen einer besseren Zukunft nähmen die zunächst oftmals noch arglosen Kinder viel in Kauf, «am Anfang vielleicht freiwillig, und später gezwungen».

Bessere Arbeit des Staates

Die staatliche Verfolgung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, an der es unter anderem wegen fehlender Behörden-Infrastruktur und Korruption lange gefehlt habe, nehme glücklicherweise zu, sagte die UNICEF-Sprecherin. So habe Kambodscha seine Gesetze verschärft, im Innenministerium eine eigene Abteilung gegen Kinder- und Menschenhandel eingerichtet und biete für Polizisten und Sozialarbeiter spezielle Schulungen im Umgang mit den Opfern an.

(li/sda)

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