Schärfere Geldwäscherei-Kontrollen auch für Parabankenbereich
Anwälte, Notare und Treuhänder unter Geldwäscherei-Aufsicht
publiziert: Montag, 3. Apr 2000 / 17:53 Uhr

Bern - Nicht nur die Banken, auch so genannte Finanzintermediäre wie Anwälte, Treuhänder, Berater oder Geldwechsler werden im Kampf gegen die Geldwäscherei stärker in die Pflicht genommen. Seit Samstag gelten verschärfte Kontrollen.

Wer sich diesen entzieht, hat mit scharfen Konsequenzen zu rechen. Die Schweiz hat im Kampf gegen die Geldwäscherei bewusst einen Weg ohne grosse Bürokratie gewählt.
So ermöglichte das vor zwei Jahren in Kraft getretene Geldwäscherei-Gesetz den bislang nicht kontrollierten Akteuren des Finanzplatzes den Weg der Selbstkontrolle. Unternehmen und Branchen hatten die Wahl, eigene Selbstregulierungsorganisationen (SRO) als Aufsichtstellen zu bilden oder sich der Kontrollstelle des Bundes zu unterstellen.

Schonfrist vorüber
Seit vergangenem Samstag ist die vom Gesetz vorgesehene Schonfrist vorüber. Trotzdem haben sich gemäss ersten Schätzungen nur rund 5000 Unternehmen bei einer SRO und über 300 direkt beim Bund gemeldet, wie Niklaus Huber, der Leiter der Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bekannt gab.
Im Markt tätig seien aber schätzungsweise rund 10 000 Finanzintermediäre. Das Gesetz sieht für Säumige oder Verweigerer massive Strafen wie Bussen von bis zu 200 000 Franken und in letzter Konsequenz sogar die Liquidierung des Betriebs vor.
Huber will noch dieses Jahr mit Stichproben die Einhaltung der Spielregeln überprüfen und notfalls auch zu einscheidenden Massnahmen greifen. Ihm seien Unternehmen bekannt, die auf einen laschen Vollzug hofften oder sogar absichtlich die Zusammenarbeit verweigerten.

Sorgen mit Hotels und Reisebüros
Sorgen bereiten dem Chef der Bundeskontrollstelle insbesondere die zahlreichen Geldwechsler in der Schweiz. Gerade Hotels und Reisebüros hätten sich bislang wenig kooperativ gezeigt.
Das Finanzdepartement (EFD) will es mit den Kontrollen genau nehmen. «Es geht um die internationale Glaubwürdigkeit des Finanzplatzes Schweiz», hielt Daniel Eckmann, der Delegierte für Kommunikation im EFD, auf Anfrage fest.
Entsprechend kritisch seien insbesondere die Gesuche zur Schaffung von Selbstregulierungsorganisationen unter die Lupe genommen worden. Von 13 Anträgen seien denn auch bislang nur 12 gutgeheissen worden.
Eckmann bestätigte, dass der Selbstregulierungsorganisation der Finanzfachleute (SRO-Fifa) des umstrittenen Zürcher Wirtschaftsanwalts Werner Stauffacher die Anerkennung verweigert worden sei, da diese unter anderem infrastrukturmässig die Voraussetzungen nicht erfülle.

Kampf gegen zweifelhafte Gelder
Vom Bund anerkannt sind zwölf Selbstregulierungsorganisationen. Sie werden den Mitgliedern in eigenen Reglementen die Sorgfaltspflicht umschreiben und selber Kontrollen veranlassen.
Damit soll laut Huber garantiert werden, dass die angeschlossenen Finanzintermediäre ihrerseits die Kunden genau überprüfen und dafür sorgen, dass keine Gelder zweifelhafter Herkunft durch ihre Hände gehen.
Als SRO bewilligt sind die Post, die SBB, die Treuhandkammer, der Treuhänderverband, der Verband Schweizerischer Vermögensverwalter, der Anwalts- und Notarenverband, der Leasingverband, die branchenunabhängige PolyReg, der Zuger Verein zur Qualitätssicherung im Bereich Finanzdienstleistungen.
Ausserdem wurden der Tessiner «Organismo di Autodisciplina dei Fiduciari», die Westschweizer «Association romande des intermédiaires financiers (ARIF) und der Genfer «Organisme du Groupement Suisse des Conseils en Gestion Indépendants» zugelassen.

(sda)

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