Alle Swiss-Flieger bleiben am Boden
publiziert: Samstag, 17. Apr 2010 / 14:06 Uhr / aktualisiert: Samstag, 17. Apr 2010 / 18:50 Uhr

Bern - Das Flugverbot über der Schweiz ist wegen der Vulkanaschewolke erneut verlängert worden, und zwar bis morgen Sonntag 14 Uhr. Dies sagte ein Sprecher des Bundsamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

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Bis mindestens Sonntag um 14 Uhr wird in der Schweiz nicht geflogen.
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Die Lage der Wolke habe sich im Tagesverlauf kaum verändert und werde gemäss Wettervorhersage länger über der Schweiz verharren.

Zuvor hatte die Swiss unabhängig von Behördenmassnahmen entschieden, am Samstag keine Flüge mehr durchzuführen. Bis morgen Sonntag 10 Uhr verzichtet sie auf jegliche Europaflüge und bis Sonntag 17.30 Uhr auf Langstreckenflüge ab der Schweiz.

Swiss trotz allem vorsichtig optimistisch

Grund dafür ist, dass die Swiss planen muss, wer wo eingesetzt werden kann und vor allem, wo sich die Flugzeuge zu welcher Zeit befinden müssen, um planmässig zu fliegen, erklärte Jean-Claude Donzel auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Weiters meinte er, dass die aktuelle Situation von den Angestellten ein besonderes Mass an Flexibilität fordere.

Betroffen ist rund ein Viertel aller geplanten Flüge vom Sonntag. Und trotzdem zeigt die Swiss einen gewissen Optimismus: «Wir sind zuversichtlich, dass der Flugbetrieb über der Schweiz noch im Laufe des Wochenendes wieder aufgenommen werden kann, da die Schweiz am Rande des betroffenen Gebietes liegt», schreibt sie in einem Communiqué.

Neuland für Experten

Meteorologen, Behörden, Fluggesellschaften: Sie alle betreten nach dem Ausbruch des Vulkans in Island Neuland. Vor den Medien in Bern zeigten sich Vertreter des Bundesamtes für Zivilluftfahrt (BAZL) hilflos vor der Situation, weil vergleichbare Erfahrungswerte fehlen.

Es fehlten wissenschaftliche Daten zur idealen Verdünnung einer Vulkanaschewolke - und zwar weltweit, sagte BAZL-Vizedirektor Werner Bösch. Ohne genaue Kriterien seien keine genauen Prognosen für die Luftfahrt möglich.

Dass alle Behörden vor einer neuen, bisher unbekannten Situation stehen, war an der Medienkonferenz in Bern unüberhörbar. «Der Ausbruch des Vulkans auf Island ist ein Ereignis, das in der Neuzeit in Europa noch nie passiert ist», sagte Haefliger von MeteoSchweiz.

Kein Swiss-Flieger in der Luft

Die Swiss hat seit Donnerstag bisher insgesamt 691 Flüge annulliert. Bis zum Mittag waren es 378 Flüge mit insgesamt 43'000 Reservationen. Kein einziger Swiss-Flieger ist derzeit in der Luft. Und wie es weiter geht, ist nach wie vor offen.

Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel sprach gegenüber der Nachrichtenagentur SDA von einem «neuen Phänomen». Ähnlich wie die Meteorologen steht auch die Swiss vor zahlreichen unbekannten Faktoren.

Grösste Schwierigkeit ist laut Donzel, dass die Passagiere nicht klar informiert werden könnten, weil auch die Swiss nicht wisse, wie es weiter gehe. «Wir sind abhängig von den Meteorologen», sagte Donzel.

Flugzeuge bleiben am Boden

Aktuell stehen die Langstreckenflugzeuge im Ausland am Boden, sagte Donzel weiter. In Bangkok, São Paulo und Johannesburg stünden gar zwei Flieger. Die Europaflotte stehe in der Schweiz, erklärte er weiter.

Für die insgesamt 691 annullierten Swiss-Flüge lagen total rund 77'500 Reservationen vor. Da nie alle Passagiere auch tatsächlich fliegen, sind nicht ganz so viele Passagiere von den Annullationen betroffen, erklärte Donzel.

Auch Easy Jet fliegt nicht

Ein weiteres Problem beginnt für die Swiss bei der Wiedereröffnung des Luftraums. Dann nämlich müsse für die Zehntausenden von Passagieren Plätze in den Maschinen gefunden werden. Mit jedem Tag, der vergehe, werden es mehr.

Wie Swiss verzichtet auch Easy Jet am Flughafen Genf-Cointrin auf Flugbewegungen, auch wenn die Luftraumsperrung noch im Tagesverlauf aufgehoben werden sollte. Die Aufhebung der Sperre war für 20 Uhr vorgesehen.

Vulkanasche auf 6000 bis 6500 Metern

Flughafensprecher Bernard Stämpfli schloss Starts und Landungen der beiden wichtigsten in Genf präsenten Fluggesellschaften für den Samstag gegenüber dem Westschweizer Fernsehen aus.

Die Aschewolke des isländischen Vulkans zieht sich wie ein klarer Strich durch die Atmospähre. MeteoSchweiz konnte in Payerne die Bewegung der Aschewolke messen.

Um Mitternacht konnte lag die Vulkanasche über dem Schweizer Mittelland auf einer Höhe zwischen 6000 und 6500 Metern, teilte MeteoSchweiz mit.

Dichte der Wolke verdreifachte sich

Die vulkanische Staubschicht sank im Laufe der Nacht auf 3600 bis 4400 Meter. Gleichzeitig verdreifachte sich die Dichte der Wolke. MeteoSchweiz zeigte sich überrascht vom «extrem lokalen Charakter» der Aschewolke. «Sowohl oberhalb als auch unterhalb dieser Schicht misst MeteoSchweiz keinerlei Spur der Vulkanasche.»

(pad/sda)

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