Air New Zealand testet Biotreibstoff auf Boeing 747
publiziert: Montag, 1. Okt 2007 / 17:22 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 15. Mrz 2009 / 10:05 Uhr

London/Dresden - Gemeinsam mit dem Turbinen-Hersteller Rolls Royce will die neuseeländische Fluggesellschaft Air New Zealand die Beimengung von Agrotreibstoffen an einem Jumbo-Boeing 747-400 testen.

Alternativen zum Kerosin gesucht: Air New Zealand will es mit Biotreibstoff versuchen.
Alternativen zum Kerosin gesucht: Air New Zealand will es mit Biotreibstoff versuchen.
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Der ehrgeizige Plan von Air New Zealand soll von Virgin Atlantic sogar noch überholt werden: Der britische Carrier hat angekündigt 2008 ebenso Testflüge mit Bio-Sprit durchzuführen.

Eines der vier Triebwerke des Jumbos wird Ende 2008/Anfang 2009 mit einem Gemisch aus Kerosin und einem nicht näher bezeichneten Bio-Sprit betrieben.

Beim Testflug werden allerdings keine Passagiere mit dem Flugzeug fliegen, meldet BBC-Online. Air New Zealand CEO Rob Fyfe erklärte, dass die Fortschritte in der Technologie den Einsatz von Biotreibstoffen in der Luftfahrt wesentlich früher möglich machen als bisher geplant.

Regierung steht hinter dem Vorhaben

Der ehrgeizige Plan wird von der neuseeländischen Regierung unterstützt, denn die Doppelinsel hat es sich zum Ziel gemacht, möglichst rasch CO2-neutral zu werden.

Und dabei komme das Vorhaben der nationalen Fluggesellschaft gerade recht, wie Energieminister David Parker meint. «Ich bin erfreut darüber, dass Air New Zealand diesen Schritt als erste kommerzielle Fluggesellschaft setzt», erklärte Parker.

Ob Air New Zealand tatsächlich die erste Airline mit Biofuels auf kommerziellen Fluggeräten sein wird, bleibt angesichts der Tatsache, dass die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic bereits im Frühling 2008 mit alternativen Treibstoffen fliegen will, ungewiss.

Potential von Biotreibstoffen verstehen

Testläufe mit dem Flugzeughersteller Boeing und dem Triebwerkshersteller General Electric würden bereits vereinbart, meldete ein Virgin-Sprecher. Das Team habe allerdings noch nicht entschieden, welchen Treibstoff es verwenden möchte.

Eine Sprecherin von Rolls Royce erklärte, es sei nicht das Problem ein Flugzeug mit Biofuels zu betanken und dann auch zu fliegen. «Der Punkt ist, ein besseres Verständnis des Potenzials von Biotreibstoffen zu bekommen», so die Sprecherin. Wer der erste dabei sei, sei unbedeutend.

«Eine Beimengung von Agrotreibstoffen ist durchaus vorstellbar und auch sinnvoll», meint Heiko Vogler von Institut für Strömungsmechanik an der TU-Dresden.

Intensive Suche nach Alternativen

Auch im Bereich der Luftfahrt werde intensiv nach neuen Möglichkeiten gesucht, das derzeit gängige Kerosin zu ersetzen, erklärt der Experte. Eine Komplettumstellung auf Agrotreibstoffe hält Vogler allerdings für sehr unwahrsscheinlich.

«Es ist technisch sehr aufwändig einen Flugzeugtreibstoff zu konzipieren, der bei Temperaturen von minus 50 oder sogar minus 60 Grad Celsius immer noch flüssig bleibt.»

Ein Komplettumstieg auf Raps würde, so haben Untersuchungen ergeben, eine Anbaufläche in der Grösse von ganz Europa nötig machen, um annähernd den Bedarf der Luftfahrt zu decken.

Gleiche Qualität wichtig

«Ein weiterer Punkt bei einem völligen Umstieg ist, dass die Qualität in allen Flughäfen gleich sein müsste.» Vogler sieht aber auch in der Entwicklung der neuen Triebwerke grosse Möglichkeiten.

«Die grössten Triebwerkhersteller wie General Electric und Rolls Royce geben sehr viel Geld dafür aus, die Effizienz der Motoren und damit der Wirkungsgrade zu erhöhen», erklärt der Wissenschaftler.

Agrotreibstoffe als Konkurrenz

Dass in der Luftfahrt Wasserstoff in grossen Mengen zum Einsatz kommt, hält der Experte auch für ausgeschlossen. Das liege vor allem am dreifachen Volumen von Wasserstoff.

«Es gibt Modelle, die dazu tendieren, Wasserstoff als Treibstoffe für den Strassenverkehr vorzuschlagen und die fossilen Brennstoffe für die Luftfahrt zu reservieren», so Vogel.

Wissenschafter kritisieren immer wieder, dass die Agrotreibstoffe zu einer «Konkurrenz» von Nahrungsmitteln werden könnten. Das sei aufgrund der sozialen Unverträglichkeit abzulehnen, so der Wissenschaftler abschliessend im pressetext-Interview.

(tri/pte)

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