Aiducation International: Leistungsprinzip statt Giesskanne
publiziert: Mittwoch, 17. Mrz 2010 / 07:35 Uhr

Mittels Stipendien fördert Aiducation International begabte Gymnasiasten in Kenia, die sich die Schulgebühren nicht leisten können und bietet damit sinnvolle Hilfe zur Selbsthilfe. Im Gespräch mit den zwei Mitgründern Florian Kowalke und Kristin Kapitza, die bei venture kick im letzten Jahr 130‘000 Franken gewonnen haben.

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Florian Kowalke, Kristin Kapitza und Jeremiah Kiponda von Aiducation (links nach rechts)
Florian Kowalke, Kristin Kapitza und Jeremiah Kiponda von Aiducation (links nach rechts)
Wer sich bei Aiducation International für ein Stipendium bewerben will, muss Bestnoten haben. Die NPO setzt auf das Potential von intelligenten Schülern und vermittelt diesen nach dem Motto «Leistungsprinzip statt Giesskanne» ein Stipendium. Privatpersonen können als sogenannte Aidumaker ein Stipendium für einen Bewerber ihrer Wahl stiften und somit fokussiert in die Bildung eines begabten Kindes investieren.

Hilfe zur Selbsthilfe
Dabei gehen die NPO-Gründer von dem Ansatz aus, dass Bildung der wichtigste Hebel zur Selbsthilfe ist und nur so langfristig die politische, soziale und wirtschaftliche Situation eines Landes verbessert werden kann. Im Interview erzählen Florian Kowalke und Kristin Kapitza von ihrem Alltag, ihren Visionen und Herausforderungen.

Wie muss man sich euren Arbeitsalltag vorstellen?
Florian: «Im Moment konzentrieren wir uns vor allem auf die Organisation, Kommunikation und strategische Ausrichtung. Wir wenden viel Zeit für die interne und externe Kommunikation auf. Jeden Tag kommen neue Anfragen rein und wir stehen mit unseren Kollegen in aller Welt über Skype in täglichem Kontakt. Das mag vielleicht nach Routine klingen, ist es aber nicht. Seit ich Unternehmer bin, gibt es für mich keinen Alltag mehr.»

Das geht sicher mit sehr unregelmässigen Arbeitszeiten einher?
Florian: «Absolut! Ich arbeite pro Woche um die 80 Stunden für Aiducation. Dabei ist uns auch das Wochenende nicht heilig. Bei Kristin ist es natürlich etwas weniger, da sie parallel an der ETH noch doktoriert.» Ihr habt bei venturelab mitgemacht. Wie wendet ihr das erlernte Wissen an? Kristin: «Ständig! venturelab ist sehr praxisnah. Uns wurde beispielsweise immer wieder klar gemacht, wie wichtig die Kundenperspektive, der aktive Verkauf und ein starkes Team sind. Obwohl wir eine NPO sind, funktionieren und denken wir wie ein Unternehmen. Wir haben klare Zielsetzungen, Verantwortlichkeiten und Deadlines.»

Wie hebt ihr euch von anderen NPOs ab – wieso soll jemand gerade euch Geld geben?
Kristin: «Ich denke, es sind drei Dinge: 1. unsere Effizienz: 100% der Spenden werden zurzeit direkt in Bildung d.h. Schulgebühren investiert. 2. Das Leistungsprinzip: Unsere Stipendiaten sind zukünftige Leistungsträger, die ihre Wirkung auf gesellschaftlicher Ebene multiplizieren. 3. Unsere Transparenz: Die AiduMaker wählen den Schüler selbst aus, und das Stipendium erhält den Namen des AiduMakers.»

Können die Schüler neben dem Stipendium von weiteren Angeboten profitieren?
Florian: «Ja. Die Stipendiaten werden in sogenannten Mentorship-Academies für die Probleme ihres Landes sensibilisiert und auch dazu motiviert, selber etwas in die Hand zu nehmen. Im Ansatz nach machen wir da schon fast was Ähnliches wie venturelab. Wir zeigen den Schülern den Weg in die Selbständigkeit als Alternative auf. Und versuchen, Ihnen das entsprechende Know-how mitzugeben.»

Eure Arbeit ist riesig – was springt dabei für euch raus?
Kristin: «Finanziell nichts – jedenfalls für den Moment. Das soll sich aber in Zukunft ändern. Ob Geld oder nicht, unsere Arbeit lohnt sich. Wir haben jede Menge Spass, lernen viel, treffen spannende Menschen und wissen, wir machen etwas Sinnvolles.»

(es/venturelab)

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