Umfrage des vsi zum Debitorenmanagement in der Schweiz
408 Millionen Franken eingetrieben
publiziert: Donnerstag, 17. Apr 2008 / 08:04 Uhr

Mehr Arbeitsplätze und deutliche Erfolge im Einbringen von Forderungen aus den Verlustscheinen – das professionelle Debitorenmanagement in der Schweiz darf sich sehen lassen, wie eine Umfrage des Branchenverbandes vsi (Schweizerische Inkassotreuhandinstitute) belegt.

Ärgerlich für Gläubiger: Sie sitzen auf 1,2 Millionen Verlustscheinen.
Ärgerlich für Gläubiger: Sie sitzen auf 1,2 Millionen Verlustscheinen.
Die Schweizer leben zwar zunehmend auf Pump und die Zahlungsmoral sinkt – dennoch können vor allem kleinere und mittlere Unternehmen wirksame Massnahmen gegen unbezahlte Rechnungen ergreifen, die sichtbare Resultate bringen und das Überleben der Firmen im harten Konkurrenzkampf sichern.

Wirksameres Vorgehen

Die Verbandserhebung zeigt zwar, dass das Jahr 2007 bezüglich übergebener Forderungen an die Inkassobranche leicht rückläufig ist. Wurden im Vorjahr noch 883'112 Aufträge mit einem Forderungsvolumen von 728 Mio. Franken entgegen genommen, so sind es im Jahr 2007 nur noch 683'317 Aufträge mit einem Forderungsvolumen von 631 Mio. Franken. Durch effizientes Inkasso konnten so durch die Mitgliedfirmen insgesamt 408 Mio. Franken (Vorjahr CHF 432 Mio.) für die Gläubiger eingebracht werden. Dahinter steht die im Jahr 2007 noch ausgezeichnet florierende Wirtschaft, die Unternehmen bremst, offene Forderungen in Debitorenmanagement zu übergeben. Man hat Angst, Kunden zu verlieren und wartet lieber etwas länger in der Hoffnung, dass der Kunde von selbst eines Tages zahlt.

Verlustscheine als Geldquelle

Das umgekehrte Bild präsentiert sich bei den Verlustscheinen, also bei alten Forderungen, die als uneinbringlich galten. Hier schnellte der Bestand von 916'171 im Vorjahr auf 1,2 Millionen ausstehende Verlustscheine hoch. Während die Forderungssumme von 6,8 Mia. Franken im Vorjahr auf 4,3 Mia. Franken im laufenden Jahr sank, konnte der Eingang von 21 Mio. Franken im Vorjahr fast verdreifacht werden: Der Rekordwert von 62 Mio. Franken aus alten Verlustscheinen wurde durch die Mitgliedfirmen erzielt. Verbandspräsident Thomas Kast zeigt sich angesichts der Resultate der vsi-Umfrage zufrieden:«Die Branche hat gut gearbeitet.» Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Zahl der Arbeitsplätze: 2007 arbeiteten 391 Vollzeitmitarbeiter und 111 Teilzeit- oder Heimarbeiter in der Inkasso-Branche.

Lösungen statt Betreibungen

Drastisch gesunken ist die Zahl der Fälle, die im vorrechtlichen Bereich gelöst werden konnten: 2006 waren es 373'442 Fälle, im Jahr 2007 lediglich noch rund die Hälfte, nämlich 182'167 Fälle. Vsi-Geschäftsführer Dr. Robert Simmen gibt zu bedenken: «Die Tatsache, dass in wirtschaftlich guten Zeiten, wie wir sie in den letzten paar Jahren hatten, sich viele unbezahlte Rechnungen bei den Firmen akkumulieren, lässt aufhorchen und wachsam sein, was im kommenden Jahr auf uns zukommen kann.» Denn wenn die Kreditkrise bei uns nicht Fuss fassen soll, sind alle KMU gut beraten, ihre Debitorenbestände eingehend zu analysieren und frühzeitig Massnahmen zur Tilgung zu ergreifen – es könnte bald einmal zu spät sein.

(bb/KMU Magazin)

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